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Kultur
Montag, 26. Juni 2017 27° 5

Uni-Theater

Ein Sog aus Emotion und Bewegung

Mit der wieder ausverkauften Solotanznacht vor einem begeisterten Publikum gingen die Regensburger Tanztage 2015 zu Ende.
Von Gabriele Pinkert, MZ

Pasquale Lombardi tanzte bei der Solotanznacht im Regensburger Uni-Theater.Foto: Lankes

Regensburg.In Regensburg gibt es mittlerweile eine große tanzbegeisterte Szene, und die Regensburger Tanztage haben zu dieser Entwicklung einen großen Teil beigetragen. Bester Beweis sind stets die Wartenden, die trotz ausverkaufter Vorstellung bis zuletzt hartnäckig hoffen. So auch am vergangenen Samstag, als die Solotanznacht die diesjährigen Tanztage im Uni-Theater beschloss.

Von Beginn an wurde das Publikum in einen Strudel von Faszination und Emotion gesaugt: Ein berauschender Mix aus Bewegung, Geräuschkulissen und Geschichten, ein Abend, der gewaltige Bilder hinterließ. Da war Veronika Akopova, die sich schon zu Beginn aus ihrem Strickkostüm fädelte, das der Darstellung aufeinanderfolgender Bewegungsabläufe sich bewegender Körper diente.

Ein komischer Dialog mit Gott

In der Choreografie von Beatrice Panero packte Pasquale Lombardi das begeisterte Publikum mit animalischen Kräften: ausladende, formschön vereinnahmende Bewegungen wechselten sich mit ruckartig zuckender Körpersprache zu zerstörerischen Beats ab und verbildlichten den Jäger, der zum Gejagten wird, den Herrscher, der beherrscht wird.

Die Israelin Tamar Grosz stellte in ihrer Tanzkomödie klar, dass sie keinesfalls auf Begriffe wie Jüdin, Veganerin, Frau oder Lesbe reduziert werden möchte; stark und selbstbewusst trotzte sie in einem Zwiegespräch Gott, der ihr zunächst aus innerer Beklemmnis, aus Zweifeln und Ängsten über sich und die Welt zu helfen versprach – und sie dann doch als hoffnungslosen Fall mit sich alleine ließ.

So manchem stockte der Atem bei der Choreografie „Note for him“. Mit unfassbarer Beweglichkeit und betörender Präsenz beherrschte Simona Machovicová einen Koffer, der für kurze Sequenzen im übertragenen Sinne die kleinen Geheimnisse von Frauen preisgab. Wenn es eine Verschmelzung von Spinnenfrau, Superwoman und clownesker Feengestalt gibt – dann konnte sie an diesem Abend in einer herausragenden slowakischen Tänzerin entdeckt werden.

Erinnerungen an die erste Liebe

Auf ganz andere Weise fesselte Jon Ole Olstad das Publikum: Mit seinen improvisierten Bewegungsabläufen zu Pianomusik gab er tiefe Emotionen preis und nahm das Publikum in die Erinnerungswelt seiner ersten großen Liebe mit. Einer einleitenden Fragerunde an die Zuschauer folgte seine eigene Antwort: Seine Sprache – ganz natürlich und rein – zog wohl jeden in den Bann und schaffte es, eigene Erinnerungen aufleben zu lassen, mindestens aber Erinnerung an die Erinnerung – und damit bedingungsloses Verständnis zu entfachen.

Jan Ole Ostad befragt das Publikum zum Thema Liebe. Foto: Pinkert

Veranstalter Hans Krottenthaler freut sich über die wachsende Nachfrage bei den Tanzabenden, sieht aber auch Verbesserungsbedarf: „So schön es ist, eine solche Begeisterung zu erfahren, so schade ist es, doch viele Kartenwünsche absagen zu müssen, weil der Platz begrenzt ist“. Ein gutes Zeichen für den Tanz. Und ein Appell an die Stadt und ihre Veranstalter, mehr daraus zu machen.

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