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Kultur
Mittwoch, 17. Januar 2018 7

konzert

Ein strahlender Hochgenuss

Star-Trompeter Ludwig Güttler und sein Blechbläserensemble stimmten prachtvoll die Weihnachtszeit ein.
Von Andreas Meixner

Star-Trompeter und Dirigent: Ludwig Güttler Foto: Juliane Njankouo

Regensburg. Ludwig Güttler und das Regensburger Publikum hatten es zum Beginn des Konzerts im Audimax der Universität etwas schwer, zueinanderzufinden. Das lag vor allem an der unterschiedlichen Erwartungshaltung, in welchen Momenten Applaus stattfinden darf. Der Startrompeter fand, dass es schon nach dem ersten Stück angebracht wäre, die Zuhörer wollten nach dem festlichen Marsch von Pietro Torri jedoch in konzentrierter Stille verharren.

Prompt geschah das Gegenteil: Es wurde kurze Zeit später an der falschen Stelle geklatscht. Güttler sah sich nun gezwungen, die Dramaturgie des Programms kurz zu erklären, was vielleicht ironisch gemeint war, aber das Verhältnis zum Auditorium für eine gewisse Zeit etwas eintrübte. Dabei war das lange Notensortieren der Musiker zwischen den Stücken der Partiten sicherlich auch nicht zuträglich, eine dramaturgische Dichte zu erzeugen. Das alles wäre nicht erwähnenswert, würde es nicht den Eindruck einer Konzertroutine in den Raum tragen, die der eigentlichen Güte des Vortrags nicht gerecht wird. Denn was das zwölfköpfige Blechbläserensemble an silbriger, strahlender Klanglichkeit bot, war außer Frage ein Hochgenuss.

Prachtvoller Blechbläser-Sound

1978 von Güttler aus Bläsersolisten der Sächsischen Staatskapelle, der Philharmonie Dresden, des Gewandhausorchesters Leipzig und der Robert-Schumann-Philharmonie Chemnitz gegründet, gehört es fraglos zu den führenden Brass-Ensembles in Europa. Und auch der Repertoirewert des Abends war beachtlich: In fünf Partiten zu alten Advents- und Weihnachtsliedern („Nun komm, der Heiden Heiland“, „Lobt Gott, ihr Christen alle gleich“, „Tochter Zion“, „Es ist ein Ros entsprungen“ und „Vom Himmel hoch, da komm ich her“) ergoss sich ein prachtvoller Blechbläser-Sound in lupenreiner Intonation und Homogenität. In reizvoller Weise wurden mehrstimmige Bearbeitungen verschiedener Meister kombiniert, darunter Johann Crüger (Berlin), Melchior Vulpius (Weimar), Leonhard Schröter (Saalfeld), Andreas Raselius (Regensburg) oder auch Wilhelm Friedemann Bach (Halle an der Saale).

Die Doppelchörigkeit im Satz von Gabrieli entwickelte ebenso Strahlkraft wie die Werke des Barock von Johann Sebastian Bach und Georg Friedrich Händel. Christian Langer steuerte an den Barock-Pauken eine feinste rhythmische Garnierung bei, der es alleine wert war, zu lauschen. Die tiefen Posaunen und die Tuba bildeten das warme, unaufgeregte Fundament für die exaltierten Trompeten.

Genauso aber konnte sich das Ensemble auch in Zurückhaltung üben, etwa im berührend schönen Vortrag von „Es ist ein Ros entsprungen“ aus der Feder von Michael Praetorius. Ludwig Güttler leitete als „primus inter pares“ vom ersten Pult aus das Geschehen. Kleine Gesten reichten als Impuls gegenüber den Stimmgruppen völlig aus. Ohnehin war er mit dem ständigen Wechsel seiner Instrumente beschäftigt, darunter auch das von ihm mitentwickelte „Corno da caccia“, einem kleinen Horninstrument.

Versöhnung zum Schluss

Wann immer der 74-Jährige kurz als Solist zu hören war, blitzte seine ganze Klasse auf, mit hellem, glasklaren Timbre und müheloser Virtuosität. Schade nur, dass die drei Spirituals des deutschen Geigers Adolf Busch (1891-1952) in einem Arrangement nicht so recht zünden wollten. Ein wenig musste auch die Instrumentalbearbeitung der doppelchörigen Motette „Singet dem Herrn“ scheitern. Der virtuose Vortrag der vier Teile konnte alleine nicht darüber hinwegtäuschen, dass Bachs Vokalwerk ohne die Einheit von Wort und Musik eher blässlich und unvollständig auf den Hörer wirkt.

Umso mehr begeisterte das Ensemble im zweiten Teil des Konzerts und ließ sich nicht lange um weitere Zugaben bitten, darunter das berühmte „Trumpet Tune“ von Henry Purcell und das „Adeste fideles“, das die Musiker nicht bliesen, sondern respektabel und überaus anmutig vokal darboten. Spätestens im Schlussapplaus waren das Publikum und Ludwig Güttler dann wieder ganz versöhnt.

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