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Kultur
Samstag, 25. November 2017 13° 3

Kino

Eine Liebeserklärung an Bayern

Joseph Vilsmaier schaut in seinem Film mit Herzblut auf seine Heimat. In Regensburg und Abensberg kommt er zur Vorpremiere.
Von Isolde Stöcker-Gietl, MZ

Joseph Vilsmaier hat die Menschen, ihre Traditionen und Bräuche beobachtet und zu einem Dokumentarfilm über Bayern verarbeitet. Foto: Perathon Film

Regensburg. Regensburg. Wenn der Bayer etwas besonders schätzt, wenn ihm etwas besonders gut gefällt, dann nennt er es „sagenhaft“. Ein wunderbar doppeldeutiges Wort, findet Regisseur Joseph Vilsmaier. Denn „sagenhaft“ steht auch für Traditionen, Legenden, historische Ereignisse und Sagen, die man sich seit Jahrhunderten erzählt. Es ist Vilsmaiers zweiter Film über seine Heimat. Ein Bilderrausch, der seinen Fokus auf das richtet, was den Menschen etwas bedeutet und was sie verbindet: gelebtes Brauchtum, Zusammengehörigkeitsgefühl, eine ganz eigene Mentalität. Vilsmaier sagt, er wolle mit seinem Film vor allem eins erreichen: Dass die Menschen mit einem glücklichen Gefühl nach Hause gehen.

Morgen läuft „Bayern – Sagenhaft“ in den bayerischen Kinos an. Vilsmaier wird heute bei den Vorpremieren in Abensberg (Roxy, 16 Uhr) und in Regensburg gemeinsam mit Haindling (Regina-Kino, 19.30 Uhr) dabei sein.

Vier Jahre hat der in Niederbayern geborene Regisseur an seinem neuen Werk gearbeitet. „Die ersten Drehtage hatten wir bei der Landshuter Hochzeit 2013“, erzählt er im Gespräch mit unserem Medienhaus. Damals musste alles klappen, denn schließlich findet das Brauchtumsspektakel nur alle vier Jahre statt. Von Unterfranken bis zum oberbayerischen Königssee, von Schwaben bis an den östlichen Zipfel Bayerns an der tschechischen Grenze reiste der Regisseur, immer auf der Suche nach gelebtem Brauchtum, interessanten Menschen, schönen Landschaften. Im Gegensatz zu seinem ersten Film über Bayern, der 2012 unter dem Titel „Bavaria – Traumreise durch Bayern“ in den Kinos lief, wollte Vilsmaier diesmal mehr als nur mit Bildern Emotionen erzeugen.

Diesmal sollten die Zuschauer auch Hintergründe erfahren. Vilsmaier holte Kabarettistin Monika Gruber ins Boot, die er von einer Raumstation zurück nach Bayern schickt und ihre Heimat neu entdecken lässt. Hannes Burger, der früher die Fastenpredigten am Nockherberg verfasste, lieferte das Konzept. Zudem verfasste der Journalist die erzählenden Dialoge zwischen Vilsmaier und Gruber und schrieb auch deren Sketche. Für die Musik holte Vilsmaier Haindling, der schon vielen bayerischen Serien mit seinen Melodien zu Kultstatus verhalf.

Die doppelte Wallfahrt

Der 78-jährige Vilsmaier, der einst mit dem Film „Schlafes Bruder“ für einen Oscar nominiert war, hatte eigentlich gar nicht vor, noch einen Film über Bayern zu drehen. „Traumreise Bayern war sehr erfolgreich und ich wurde in Briefen immer wieder gefragt, ob ich nicht noch mehr zeigen könnte“, erzählt er. Dann kam die Idee mit dem Jahreskreislauf, in den der Film die Bräuche und Feste, die Menschen und Regionen einordnen sollte. Von den Böllerschützen, die in Berchtesgaden das neue Jahr begrüßen bis zu den Christkindlmärkten reicht der Bogen. Dazwischen Wallfahrten, Fronleichnamsprozessionen, das Ochsenrennen in Münsing am Starnberger See.

„Manche Veranstaltung findet nicht jedes Jahr statt, deswegen haben sich die Dreharbeiten über einen so langen Zeitraum hingezogen“, erzählt Vilsmaier am Telefon. Bei der Hochgebirgswallfahrt durch das Steinerne Meer zur Wallfahrtskirche St. Bartolomä in Berchtesgaden passte beim ersten Dreh das Wetter nicht. Also musste das Kamerateam die überaus anstrengende Wallfahrt, noch dazu mit 50 Kilogramm Ausrüstung, ein zweites Mal mitlaufen und drehen. „Das war das Anstrengendste am ganzen Film“, sagt Vilsmaier.

Das christlich geprägte Leben hat Vilsmaier auch in anderen Regionen begleitet: die Wallfahrt zur Schwarzen Madonna in Altötting, die Fronleichnams-Prozession auf dem Staffelsee und den Lichterzug des Kindergartens von Grafenau am St. Martinstag. Das Leben der Benediktinermönche in Metten, deren Ordensregel „Beten und Arbeiten“ lautet, wird ebenso thematisiert wie die Bierseligkeit auf dem Münchner Oktoberfest. Ganz bewusst, sagt Vilsmaier, habe er in seinem Film auf jegliche Form von kritischen Anmerkungen verzichtet. „Wir wissen alle, dass es in Bayern auch Probleme und Konflikte gibt, aber in den 90 Minuten sollte es einfach nur um den Spaß an der Freud gehen.“

Die Sache mit dem Regionalproporz

Damit alle Regionen Bayerns Freude an dem Film haben, hat Vilsmaier auch sehr genau auf den Regionalproporz geachtet. Bei Traumzeit habe er so manche Kritik einstecken müssen, verrät er. „Die Franken hatten sich unterrepräsentiert gefühlt, die Hallertau fühlte sich vernachlässigt.“ Diesmal tragen alle sieben bayerischen Regierungsbezirke zum Film bei. In der Oberpfalz steht der Further Drachenstich, das älteste Volksschauspiel Deutschlands, für die Region. Aber auch der Nepal-Himalaya-Pavillon in Wiesent ist zu sehen. Einer der besonders ruhigen Momente im Film, schwärmt Vilsmaier. Die Wirkung auf die Zuschauer habe ihn überrascht. „Da werden wohl noch einige aus den Vorführungen heimgehen und die Räucherstäbchen anzünden.“

Die Region Kelheim ist mit dem Hundertwasserturm in Abensberg zu sehen. Auch einen Blick auf die bayerische Wirtschaft hat Vilsmaier geworfen. Er erzählt von den Leistungen der Bauern, der Handwerker, der Porzellan- und Glasmacherindustrie, aber auch der modernen Hightech-Industrie. Und was wäre Bayern ohne seine Helden, als welche zweifellos die Spieler des FC Bayern gefeiert werden!

25 Stunden Material hat Vilsmaier in drei Jahren zusammengetragen. Ein weiteres Jahr saß er im Schneideraum. Am Ende entstand daraus eine 90-minütige Liebeserklärung an seine Heimat. Das übrig gebliebene Material will er aber nicht mehr verwerten. „Das war’s. Noch einen Film über Bayern gibt es von mir nicht.“

Auch der Further Drachenstich wird in dem Kinofilm zu sehen sein. Video: Perathon Film

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