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Kultur
Sonntag, 21. Januar 2018 10

Komposition

Einzigartige Konzertidee

Steven Heelein bringt die große Missa solennis von Franz Liszt zur Aufführung. Ein Mammutwerk der Kirchenmusik
Von Andreas Meixner

Steven Heelein (rechts) ist der Initiator des Mammutprojekts. Foto: Foto: Kunibert Schäfer

Regensburg.Während die Ökomene theologisch und liturgisch immer noch um Annäherung ringt, scheint es, als wenn zumindest auf der Ebene der Musik die ganz großen Gräben nie existiert hätten. So ist es eher ein organisatorisches Unterfangen als ein inhaltliches, den Kammerchor der Hochschule für evangelische Kirchenmusik Bayreuth, den Konzertchor der Regensburger Hochschule für katholische Kirchenmusik, den Raselius-Chor der Regensburger Kantorei und das Philharmonische Orchester des Regensburger Stadttheaters zu einem spektakulären Konzertereignis zusammenzuführen.

Mehr als hundert Sängerinnen und Sänger, sowie acht Solisten werden nötig sein, um die große „Missa solennis“ von Franz Liszt (auch bekannt als Graner Messe) zur Aufführung zu bringen. Das Werk ist eines der bedeutendsten Messkompositionen des 19. Jahrhunderts. Komponiert hat er sie zur Einweihung der Basilika in Gran am 31. August 1856, (heute: Esztergom), der alten Hauptstadt Ungarns. Liszt – selbst tiefgläubig – konzipiert die Musik wie eine symphonische Dichtung im Dienste eines großen religiösen Bekenntnisses, ohne die traditionellen Elemente der liturgischen Textausdeutung zu vernachlässigen. „Liszt wirkt, als würde er nie einen musikalischen Gedanken zum Ende führen zu können. Ständig schöpft er neu aus dem Motiv und führt es fast endlos weiter“, erzählt ganz begeistert Steven Heelein.

Aufführung als Antrittskonzert

Er ist der eigentliche Initiator des Mammutprojekts. Die Aufführung ist das Antrittskonzert für seine Professur für Dirigieren (Schwerpunkt Chorleitung) an der Hochschule für evangelische Kirchenmusik Bayreuth, das am 20. Januar 2018 stattfinden wird. Am 19. Januar 2018 um 20 Uhr wird es auch im Lappersdorfer Aurelium zu hören sein. Auf die Frage, wie er zur Idee kam, Liszt riesiges Werk aufzuführen, gesteht er: „Ich habe nicht danach gesucht oder immer schon diesen Wunsch gehegt. Sie war plötzlich in meinen Gedanken da und hat mich sofort gefesselt.“ Jedenfalls waren die engen Verbindungen von Liszt nach Regensburg und der Bewegung des Cäcilianismus nicht ausschlaggebend, auf diese Messe zurückzugreifen. Vielmehr eignet sie sich in hervorragender Weise für die Korrespondenz mit Heeleins chorsymphonischer Vertonung der vier reformatorischen Grundsätzen Luthers (soli fide – sola gratia – solus Christus – sola scriptura) unter dem Titel „Ad te Domine“, die erstmals zu hören sein wird. „Ich nutze dabei die große Besetzung der Messe und schaffe damit eine einheitliche Grundlage, um das katholische Messordinarium und Luthers Grundsätze korrespondieren zu lassen.“ Heeleins Kompositionsweise ist intuitiv: „Ich habe mich mit den Texten befasst und folgte ganz dem spontanen Gefühl, das sich dazu entwickelte. Meine Kreativität als Komponist ist nicht strukturiert im eigentlich Sinne“. So ist er überzeugt, dass er in diesem Konzert mit seiner Musik auch diejenigen erreicht, die mit moderner Musik wenig Berührung haben. Jedenfalls finden seine Kompositionen mehr und mehr Beachtung. Die bisherigen Wettbewerbserfolge bei den Frühjahrstagen für Neue Musik in Weimar, bei der Musica Sacra Nova in Brauweiler, bei den Concorsi Val Tidone di Stradella, sowie dem Wettbewerb von TONALi in Hamburg zeugen von überregionaler Wahrnehmung seiner Arbeit, die bei ihm auch als Autor und bildender Künstler zum Ausdruck kommt. Eine ganzheitliche Schaffenskraft, die viel Energie freisetzt und zunehmend Wertschätzung erfährt.

Kooperation ohne Grenzen

So ist es nach der erfolgreichen Aufführung des Oratoriums „The dream of Gerontius“ von Edgar Elgar im Frühjahr dieses Jahres erneut gelungen, konfessionsübergreifend und auch wieder mit der Zusammenarbeit des Theater Regensburg und zweier Hochschulen eine Konzertidee zu stemmen, die in dieser Konstellation wohl einzigartig sein dürfte. Auch Stefan Baier, Rektor der Hochschule für Kirchenmusik und Pädagogik, zeigt sich hoch erfreut über diese Kooperation ohne Grenzen und Scheuklappen. Und natürlich ist er stolz, dass ein ehemaliger Student nicht nur in Regensburg als Dozent für Chor- und Orchesterleitung Akzente setzt, sondern auch mit seiner Professur in Bayreuth und als Komponist ungemein erfolgreich ist.

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