mz_logo

Kultur
Freitag, 24. November 2017 10° 4

Bewegung

Elf Männer tanzen „Instinkte der Liebe“

Die Regensburger Tanztage bieten zum Jubiläum ein geballtes Programm mit hochklassigen Ensembles und Choreografien.
Von Michael Scheiner, MZ

Herausragend dürfte der Auftritt des Ensembles „Ultima Vez“ mit der Choreografie „In Spite of Wishing and Wanting“ werden. Foto: Danny Willems

Regensburg.In den Wäldern um Regensburg herum wurde schon vor Jahrtausenden Göttern, Dämonen und Wetterphänomenen tanzend gehuldigt. Nun kann man höchstens mit viel geistiger Verrenkung behaupten, dass die „Regensburger Tanztage“ daran anknüpfen. Dennoch steckt auch im heutigen Tanz und Tanztheater noch ein wenig von der DNA früher Tanzrituale. Beschworen werden heute andere Sujets, die Liebe, das Gewissen, gesellschaftliche Kälte. Auch die Formen haben sich geändert und sich mit neuen Ausdrucksmitteln und technischen Möglichkeiten verbündet. Gleich geblieben sind Leidenschaft und ekstatische Glut, mit der getanzt wird und manchmal auch die Berauschtheit, die versucht wird zu erreichen.

Heuer jährt sich das spannende Tanzspektakel zum 20. Mal. Vom 3. November bis Anfang Dezember stehen acht internationale und regionale Ensembles und Themenabende auf dem Programm. Zudem bietet das Sosani Tanztheater einen Intensiv-Workshop an. Kaum jemand hätte 1998 damit gerechnet, dass die Tanztage einmal ein solches Jubiläum feiern würden. Möglich geworden ist es, weil Hans Krottenthaler und sein Mälze-Team engagierte Kooperationspartner und Sponsoren gefunden haben, die die Tanztage seit langem unterstützen.

Als Krottenthaler Ende der 90er Jahre loslegte, glich das Ganze einem Experiment. Ein Versuchsballon, der praktisch aus dem Stand auf ein großes Interesse beim Publikum stieß. Der Versuchsballon hob ab und die Tanztage konnten sich schon nach kurzer Zeit einen festen Platz im Kulturleben der Stadt sichern.

Eine weltweite Tanzsensation

Getrieben von einem noch immer wachsenden Interesse, einer ständigen Lust am Experiment und Auseinandersetzen mit aktuellen Themen, haben sie sich über die Region hinaus zu einem Fixpunkt entwickelt. Mit der Verbindung von regionaler Szene und internationalen Positionen haben sich die Regensburger Tanztage auch überregional einen Namen gemacht.

Herausragend im Programm zum 20-jährigen Jubiläum dürfte der Auftritt des Ensembles „Ultima Vez“ mit der Choreografie „In Spite of Wishing and Wanting“ des belgischen Choreografen Wim Vandekeybus werden. Vor knapp 20 Jahren hat der Belgier diesen Tanz über die Instinkte der Liebe und die Macht des Begehrens für elf Männer geschaffen. Es wurde eine weltweite Tanzsensation.

Nun hat der Star-Choreograf dieses erregende Stück wieder aufgenommen und bringt es am Sonntag, 12. November (20 Uhr), ins Velodrom. Das Vertraute und das Befremdliche des Maskulinen werden in einer organischen Symbiose aus Tanz, Theater und Film sichtbar gemacht.

Und das alles zur grandiosen Musik von David Byrne, dem Mastermind der einstigen Kultband „Talking Heads“. Nicht weniger spannend dürften die Tanzabende „Shakespeare Dreams“ von Yuki Mori und Alessio Burani (3. November, 19.30 Uhr) im Velodrom und der Auftritt des brasilianischen Ensembles „Balé Teatro Guaira“ am Freitag, 1. Dezember (20 Uhr) im Uni- Theater sein.

Drei Bewegungssprachen

Der dreiteilige Tanzabend, an dem die Tanztage als Koproduzent beteiligt sind, ist in Zusammenarbeit mit den Choreografen Katja Wachter, Christoph Winkler und Roberto Scafati entstanden. Drei Bewegungssprachen, drei Sujets, verbunden durch die tänzerische Brillanz eines erstklassigen Ensembles. Eine neue Produktion stellt das Sosani Tanztheater im Kunstforum Ostdeutsche Galerie vor. „Captured in Motion“ ist eine Choreografie von Thea Sosani, in der sie die Bewegungskunst des Tanzes mit der den Augenblick fixierenden Kunst der Fotografie verbindet (19. November). Ein dreitägiger Workshop, der Start einer Tanz-Akademie und die beliebte Worldbeat Festival-Party im Theater der Alten Mälzerei vervollständigen das Programm der Tanztage.

Zudem wird auch wieder ein neuer Tanzfilm gezeigt. „El Septimo Sentido – I Am A Dancer“ ist ein Film über Migration im Kunstsektor (27. und 28. November, Filmgalerie).

Weitere Kulturnachrichten lesen Sie hier!

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht