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Kultur
Sonntag, 17. Dezember 2017 5

Anspruchsvoll

Entrückt und engelhaft

La Morra präsentiert polyphone Kompositionskunst.
Von Eva M. v. Adam-Schmidmeier, MZ

Regensburg. Im Nachtkonzert am Freitag in der Minoritenkirche widmete sich das Schweizer Ensemble „La Morra“ der geistlichen Polyphonie Nordeuropas von 1400 bis 1500.

„Concentus Angelorum“ war ihr Konzert überschrieben, in Anlehnung an die bildlichen Darstellungen von gotischen Engelskonzerten, die einerseits Hinweise auf die Musikpraxis ihrer Zeit geben, die andererseits aber auch als ikonographische Überlieferung einzelner Musikstücke dienen. So auch im Falle des „Ave regina celorum“ von Walter Frye, das sich auf einem Notenblatt in der Hand eines musizierenden Engels auf dem so genannten „Polizzi Generosa Triptychon findet und das im Konzert nicht nur Mittel-, sondern auch Herzstück war.

Der musikalische Anspruch, den sich „La Morra“ mit dieser engelhaften Musik gesetzt hat, ist also ein sehr großer. Er spiegelt sich in der auf das Wesentliche reduzierten Besetzung wider: vier Singstimmen, die zweifach besetzte Viola d’arco, diverse Lautentypen (gespielt vom Ensembleleiter Michal Gondko) und (von der ebenfalls leitenden Corina Marti gespielten) Blockflöten und Clavisimbalum.

Ausreichend zur transparenten polyphonen Linienführung und doch schlank genug, um den sphärisch entrückten Charakter dieser Musik darzustellen. Das Vokalquartett mit Eve Kopli, Hanna Järveläinen, Dan Dunkelblum und Giovanni Cantarini war bestens auf einander eingehört, in den antiphonalen bzw. responsorialen Werken, in denen die Vorsängerrolle je unterschiedlich besetzt wurde, überzeugte jeder der vier auch als Solist. Frappierend, wie die beiden Frauenstimmen trotz unterschiedlicher Timbrierung im Unisono zur kaum mehr unterscheidbaren Klangeinheit verschmolzen, etwa in John Dunstaples „Beata dei genitrix“. Und das mit duftiger Leichtigkeit.

Mit kaum glaubhaften Pianissimi schlug Michal Gondko bei Lautenstücken aus dem Buxheimer Orgelbuch in seinen Bann; weitere Werke aus dem Buxheimer Orgelbuch intonierte Corina Marti mit spannungsvoll improvisierten mäandernden Melodieverläufen – beides als Umrahmung für das kunstvoll gebaute „Ave regina“ und zwei weiteren Werken von Walter Frye.

Ein spannender oder vielmehr entspannender Wechsel von vokalen und instrumentalen Werken bzw. Passagen (bravourös Tore Eketorp und Elizabeth Rumsey je an der Viola d’arco) und ihrer sehr individuellen Besetzung, mit dem ein breites Spektrum von Komponisten vorgestellt wurde: von Dunstaple über Guillaume Du Fay, Gilles de Binch, Nicolaus de Radom und anderen bis hin zu Josquin des Prez.

In der Tat engelhafte, entrückende Musik, die vom Straßenlärm rund um die Minoritenkirche mit realer Erdenschwere kontrapunktiert wurde.

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