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Kultur
Montag, 29. Mai 2017 30° 2

Regensburg.

Entspannungsübungen im Dauerregen

Haindling präsentierten ihre neue CD im ausverkauften Villapark und brachten die Zuschauer zum Hüpfen und Schunkeln.

Hans-Jürgen Buchner ließ erst gar keine Schlecht-Wetter-Laune aufkommen. Foto: altrofoto.de

Von Fred Filkorn, MZ

Pünktlich zum Konzertbeginn um 18 Uhr kam auch der Regen. Zunächst schwach, dann stärker werdend, sorgte das nasse Element für eine mystisch-neblige Atmosphäre, die dem Villapark eine zusätzliche Magie verlieh. „Bei Regen haben wir schon die besten Konzerte gegeben!“ versicherte Haindling-Mastermind Hans-Jürgen Buchner und ließ erst gar keine Schlecht-Wetter-Laune aufkommen. Überhaupt konnten alle froh sein, die es reingeschafft hatten – am Einlass mussten zahlreiche Haindling-Fans abgewiesen werden, da das Konzert restlos ausverkauft war.

Mit Wellness gegen den Stress

Unter ihren triefenden Regencape-Kapuzen hervorlugend wurden die glücklichen Kartenbesitzer dann von Buchner immer wieder mit Durchblutungsfördernden Mitmachaktionen vom Dauerregen abgelenkt. „Als Kinder sind wir immer so viel gesprungen, als Erwachsener macht man das ja gar nicht mehr“, animierte er die vielfarbige Regenjacken-Gemeinschaft zum ausgelassenen Hüpfen. Überhaupt hat es Buchner darauf abgesehen, dass seine Besucher überschüssige Energie loswerden. So stehen Hüpfen, Schreien, Klatschen und Schunkeln auf seinem Wellness-Programm. Diese Entspannungsübungen seien nicht nur gut für die Gesundheit, sondern hätten auch eine befreiende Wirkung. Wo doch die allgegenwärtige Hektik und der dauernde Stress den modernen Menschen nicht mehr zur Ruhe kommen lassen.

Eigentlich findet Buchner volkstümelndes Schunkeln ja „was Gschissens“, aber da es auch der Kommunikation dienlich ist, forderte er seine Fans zum Schunkeln auf. Nach kurzer Irritation schlossen sich die Reihen und die Zuschauer verschmolzen zum angejazzten Walzer-Rhythmus zu einer einzigen wogenden Masse – Wellengang im Villapark. Für ein wohliges Gemeinschaftsgefühl sorgte auch das vereinte Singen eines lang gezogenen „Ahhhs“, das Buchner auf seiner irischen Zither begleitete.

Richtig nahe kam man der Person Buchner, wenn er zwischen den Stücken aus dem Nähkästchen plauderte. Bei einem China-Besuch habe er einen Einheimischen mit einem improvisierten Phantasie-Chinesisch angesprochen, worauf dieser nur sehr abgeklärt antwortete: „Sorry, I don’t speak german“. Da hatte der 64-Jährige natürlich die Lacher auf seiner Seite. Oder er erinnerte sich an seinen „wunderbaren ersten Kuss, ausgerechnet in einem Kloster in Cham“, wo seine Jungsschulklasse einer Theateraufführung des Mädchen-Internats beiwohnte und in der Pause schlich er sich mit einem Mädchen hinaus…

Seine gesellschaftskritischen und anti-materialistischen Texte verpackt Buchner musikalisch in besinnliche Balladen, treibende Ethno-Rhythmen, aufgepeppte bayerische Blasmusik oder den für die Band so typischen Haindling-Rap. Seine Kritik, dass der Mensch nicht lernfähig ist und – statt in Frieden den blauen Planeten miteinander zu genießen – sich fortdauernd bekriegen muss, kleidet der niederbayerische Mundartkünstler in berührende Metaphern, die nicht nur Hirn, sondern auch Herz ansprechen. So präsentierten Haindling in ihrer gut zweieinhalbstündigen Show neben neuen Stücken wie dem traurigen „Mond“-Reggae oder das Slowfood-befürwortende „Schickt’s eich“ auch ältere Nummern, die teilweise in andersartigen Arrangements gespielt wurden. Der auch über die Grenzen Bayerns hinaus bekannte Haindling-Klassiker „Du Depp“ bekam ein ansprechendes Jazz-Gewand verpasst, das den einzelnen Musikern Raum für ausgiebige Soloeinlagen ließ. „O-käy“ von der aktuellen CD „Ein Schaf denkt nach“ kritisiert den gedankenlosen Gebrauch von Anglizismen. Das zum Weiterreden auffordernde „Okay?“ sei gegenwärtig in der deutschen Medienlandschaft immer und überall anzutreffen.

„Des Sushi von der Uschi...“

Als erklärter Bewahrer des bayerischen Dialekts und als Preisträger der „Bayerischen Sprachwurzel“ kritisierte Buchner die Verwendung von englischen Begriffen wie „U-turn“ oder „Round-Table-Gespräch“ und bedauerte, dass das bayerische „Pfüati“ zunehmend vom gedehnt ausgesprochenen norddeutschen „Tschü-üss“ verdrängt wird. „Haindling ist gut für die bayerische Sprache und gut für euer Bewusstsein“ bekennt sich Buchner zu seiner Mission. Seine Heimatverbundenheit sollte jedoch nicht mit Ignoranz verwechselt werden. So heißt es beispielsweise im Stück „Uschi“: „Früher hob I so gern g’essen Leberkäs mit Ei, Schweinsbraten und Currywurst war a dabei. Doch seit I bei der Uschi war, do is mir alles klar, des Sushi von der Uschi, des is wunderbar.“

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