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Kultur
Donnerstag, 14. Dezember 2017 3

Oper

Er sucht das Heim, sie das Abenteuer

Richard Wagners „Der fliegende Holländer“ feiert am Theater Regensburg unter der Regie von Uwe Schwarz Premiere.
Von Claudia Böckel, MZ

Anne Preuß in „Der fliegende Holländer“ Foto: Jochen Quast

Regensburg.Romantisches Liebesdrama, Gespensteroper und Ideendrama – das alles ist Richard Wagners Oper „Der fliegende Holländer“. Regisseur Uwe Schwarz hat den Holländer als maritimes Stück konzipiert, bei dem der Naturgedanke eine große Rolle spielt. Elemente aus dem Schiffsleben finden sich auf der Bühne. Der Blick auf das Meer ist möglich, aber gefangen. Im ersten Raum haben die Männer noch den großen Durchblick, der zweite Raum entspricht einer Damenwelt, die „gefangen“ ist im weitesten Sinne, vergleichbar der Wartelounge einer Reederei, wo die Damen auf die Männer warten. Ein Meeresprospekt bildet den Fokus im Hintergrund, die Drehscheibe und verschiedene Podien werden permanent im Einsatz sein und 20 oder 30 verschiedene Bilder ermöglichen, erzählt Schwarz. Ein Rahmen wird die Elemente zusammenhalten, in rostigem Braun, an ein abgetakeltes Containerschiff erinnernd.

Senta und der Holländer: Zwei Menschen, die in diesem Leben nicht miteinander glücklich sein können, so beschreibt Schwarz die Grundproblematik. „Sie fühlen sich zueinander hingezogen. Aber ihre Träume laufen diametral auseinander. Er will nach Hause, sie will hinaus. Er sucht ein Heim, sie sucht das Abenteuer. Sie finden gemeinsam den Tod im Seelenreich.“ Tragik und Erlösung liegen nebeneinander. Dabei sei der erste Akt durchaus von Glücksmomenten durchzogen. Daland, Sentas Vater, verschachert die Tochter an den Holländer. Der Vertrag setzt sich über alle Moral oder familiären Gefühle hinweg. Zwei Männer verhandeln. Dann ist Senta mit Eric, ihrem Gefährten aus der Vergangenheit, später ist sie mit dem Holländer. Im Finale steht sie zwischen zwei Männern. Sie unterscheidet sich von anderen Frauen: Sie hat den Drang des Hinauswollens, während ihr Vater dem Holländer noch das Idealbild der 14-jährigen Senta vorführt. Für den Holländer ist das eher egal. Was er sucht und braucht, ist eine treue Frau. Nur durch sie kann er seine jahrhundertelangen Irrfahrten endgültig beenden. Kolorit bringt Schwarz durch die Chorszenen hinein. Schiffsleute, etwas biedere Matrosen, der Geisterchor aus einer anderen Welt, Mädchen, die sich den Männern des Holländers nähern. Die Gefühle der Protagonisten übertragen sich auf die Welt. Die Nicht-Beziehung zwischen Senta und dem Holländer wird dargestellt durch große Distanz zwischen den beiden, durch aseptische Berührungslosigkeit, die trotzdem von sinnlicher Dichte gekennzeichnet ist.

Für die Bühne verantwortlich ist Dorit Lievenbrück, für die Kostüme Monika Frenz. Die musikalische Leitung liegt bei Judith Kubitz. Senta ist besetzt mit Anne Preuß aus Gera, die hier ihr Debüt als Senta geben wird. Der Holländer ist, wie schon in der spektakulären, aber eben fast konzertanten Fassung im Hafen, wieder Adam Kruzel.

Die Premiere Fliegender Holländer ist am Samstag, 23.9., 19.30 Uhr im Theater am Bismarckplatz


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