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Kultur
Mittwoch, 20. September 2017 16° 4

Musik-Tipp

Feelgood mit Tiefgang vom Migranten-Sohn

Die New Yorker Band Sinkane um Multitalent Ahmed Gallab verbindet auf unnachahmliche Weise musikalische Genres.
Von Fred Filkorn, MZ

Ahmed Gallab, Mastermind von Sinkane Foto: Adam Tetzloff/City Slang

New York.Unter Trump wäre die Karriere von Ahmed Gallab, Gründer und Frontmann der New Yorker Band Sinkane, vielleicht nie ins Laufen gekommen. Gallabs Eltern stammen nämlich aus dem Sudan, einem islamisch geprägten Land im Osten Afrikas. Als Gallab fünf Jahre alt war, zog die Familie nach Ohio: „Ich wuchs unter Menschen auf, die nicht so waren wie ich. Das hat mich maßgeblich beeinflusst.“

Eine eigene Handschrift

Dieser multikulturelle Ansatz ist seiner Musik deutlich anzuhören. Der globale Pop Sinkanes spannt den Bogen von westafrikanischem Afrobeat und sprudelnden sudanesischen Pop-Melodien über zeitgenössischen Indie-Rock und Electronica bis hin zur alten Musik seiner neuen Heimat USA: Funk, Soul und Jazz. Neu auf Sinkanes mittlerweile sechstem Album „Life & Livin’ It“ sind Disco-Einflüsse, die sich in synthetischen Streicherklängen manifestieren. Gallab verbindet auf unnachahmliche Weise unterschiedliche Genres und kreiert etwas, auf das andere Musiker ihr Leben lang hinarbeiten: eine eigene Handschrift.

„Soul Musik ist kein Genre, sondern eine universelle Idee.“

Ahmed Gallab, Musiker

Zu Beginn seiner Laufbahn hatte Gallab als Sessiondrummer für Indie-Größen wie Caribou, Of Montreal und Yeasayer gearbeitet. Das Multitalent spielt Schlagzeug, Gitarre, Bass, Synthesizer und produziert seine Alben selbst. Nachdem die Platten erst beim New Yorker Electroclash-Label DFA erschienen, sattelte Gallab später zum Berliner Indie-Urgestein City Slang um. Vor zwei Jahren machte sich Gallab einen Namen als musikalischer Leiter der fünfzehnköpfigen Atomic Bomb Band, die die Musik des nigerianischen Elektro-Funk-Meisters William Onyeabor zu neuem Leben erweckt. Zur Besetzung gehörten namhafte Größen wie David Byrne von den Talking Heads, der Beastie-Boys-Keyboarder Money Mark und Blur/Gorillaz-Mastermind Damon Albarn. In dieser Zeit wurde Gallab klar, was gute Musik ausmacht: Sie kommt aus dem Herzen, „Soul Musik ist kein Genre, sondern eine universelle Idee.“

„Life & Livin’ It“ ist für ca. 16 Euro beim Berliner Indie-Label City Slang erschienen.

Sonniges Lebensgefühl

Beim Schreiben von „Life & Livin’ It“ hörte sich Gallab seine alten Lieblingsplatten an. Auch „America Eats Its Young“ von Funkadelic. Und merkte, welches Hochgefühl diese Musik in ihm auslöste. Und genau dieses unbeschwerte sonnige Lebensgefühl hat er in seine neuen Songs gepackt.

Mit Gallabs wunderschönem Falsetto-Gesang könnte „Won’t Follow“ auch von der britischen Seventies-Funkband Cymande stammen. „Favorite Song“ bezieht sich auf Gallabs Erfahrungen als DJ: „Wenn du einen Song spielst, den jeder kennt, sind alle auf wunderbare Weise miteinander verbunden.“ „Favorite Song“ enthält wie auch „U’Huh“ arabische Textpassagen. Man kann ihre positive Aussage erahnen, auch ohne Gallabs Muttersprache zu verstehen. „Life & Livin’ It“ ist eine Feelgood-Platte mit Tiefgang, die beweist, wie schön ein großer musikalischer Horizont sein kann.

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