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Kultur
Sonntag, 21. Januar 2018 10

Bariton

Formvollendet: Liederabend mit Appl

Beseelt und anmutig: Der Bariton gastierte im Aurelium Lappersdorf. Mit Mitte 30 ist der Sänger schon einer der ganz Großen.
Von Andreas Meixner

Benjamin Appl gehört mit Mitte Dreißig schon zu den Großen seines Fachs. Jetzt war er zu einem Liederabend im Aurelium Lappersdorf zu Gast. Foto: Lars Borges

Lappersdorf.Das klassische Lied hat Hochkonjunktur. Und es scheint, als wäre das östliche Bayern gerade ein kulturell fruchtbarer Boden, der eine ganze Reihe hochkarätiger Liedinterpreten hervorgebracht hat. Neben dem Straubinger Christian Gerhaher sind es ehemalige Domspatzen, die derzeit in aller Munde sind: Maximilian Schmitt, Thomas E. Bauer (unter anderem Intendant der Europäischen Wochen Passau), Holger Falk (Echo-Klassik 2016 und Jahrespreis der deutschen Schallplattenkritik), sowie der Bariton Benjamin Appl, der mit Mitte 30 als Exklusiv-Künstler von Sony Classical schon ganz oben angelangt ist, in der Riege der ganz Großen seines Fachs.

Dass er ursprünglich seinem Gesangstalent nicht ganz vertraute und zunächst einem Betriebswirtschaftsstudium den Vorzug gab, ist längst eine gern erzählte Randnotiz seiner Biographie. Mit dem Programm „Heimat“ seiner in 2017 veröffentlichten CD gastierte er am vergangenen Sonntag im Lappersdorfer Aurelium, zusammen mit dem südafrikanischen Pianisten James Baillieu.

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Einen reflektierenden, höchst persönlichen Liederreigen hat Appl mit seinem Duopartner zusammengestellt, der Begriff der Heimat spannt sich nicht nur über vertraute Landschaften und Orte, sondern auch über Liebe, Leid und Einsamkeit. Appl lässt anfangs die Kinderjahre mit Regers „Kindergebet“ und Brahms „Wiegenlied“ vorüberziehen, ehe er unter verschiedenen Begriffen thematische Stationen abschreitet. Schuberts Musik spielt dabei freilich eine große Rolle, wie soll es auch anders sein. Ebenso dürfen Brahms, Richard Strauss, sowie Poulenc nicht fehlen. Aber auch aus seiner neuen Heimat England bringt er Musik von Britten, Bishop, Warlock und Ireland mit, ehe zum Ende „Die sechs deutschen Lieder“ von Edvard Grieg noch einmal eine völlig andere Farbe in den Verlauf eines Abends bringen, der sowohl programmatisch als auch künstlerisch kaum formvollendeter hätte sein können.


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Mit seinem sensibel agierenden Pianisten gelang es Benjamin Appl, eine hochkonzentrierte und intensive Atmosphäre zu erzeugen, wie man es selten erleben darf. Seine lupenreine Diktion und Sprachbehandlung, die flexible Stimmführung und der farbenreiche Klang seiner kraftvollen, aber ebenso zarten Baritonstimme ließ die perfekt zusammengestellte Liedfolge zu einer einem fast durchkomponierten Gesamtwerk verschmelzen, indem das Ende des einen Liedes und der Beginn des Nächsten oft nur zu erahnen war.

Appl ist in der Lage, seine Stimme in ein völlig verdimmendes Pianissimo zu führen, die Musik verflüchtigt sich ins Nichts, ohne spürbares Ende. Schuberts „Nachtstück“ oder „Allerseelen“ von Strauss gehörten zu diesen Gänsehautmomenten, aber auch die schroffere Klarheit der englischen Lieder überzeugte in der interpretatorischen Souveränität. Appl und Baillieu ließen sich nicht lange bitten und beschenkten das begeisterte Publikum mit etlichen Zugaben, darunter zum Ausklang der Weihnachtszeit „Drei Könige wandern aus Morgenland“ von Peter Cornelius – so beseelt, schön und anmutig wie der ganze Abend.

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