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Kultur
Samstag, 16. Dezember 2017 5

Musik

Franz Lehrndorfer fröhlich an der Orgel

Die achte CD des früheren Münchner Dom-Organisten bietet viel „Heiteres aus Konzerten“: eine rundum vergnügliche Begegnung.
Von Gerhard Dietel

Live-Orgelimprovisationen aus Franz Lehrndorfers Konzerten von 1983 bis 2004 bietet die CD. Foto: Butz-Verlag

Regensburg.Zu den Konzertauftritten Franz Lehrndorfers, des früheren Münchner Dom-Organisten, ging man als Musikfreund gerne – und das nicht nur, weil er ein hervorragender Interpret des Orgelmusik-Repertoires war, sondern vor allem, weil er am Schluss oft über Kirchenlied-Melodien improvisierte. Zum Glück blieben von den hinreißenden Stegreif-Auftritten Lehrndorfers, in denen sich eruptive Musizierlust und planvolle Kontrolle aufs Wunderbarste verbanden, zahlreiche Aufnahmen im privaten Archiv der Familie erhalten. Einiges davon ist in den letzten Jahren, technisch „remastered“, bereits auf insgesamt sieben CDs veröffentlicht worden.

Aber Franz Lehrndorfers Fantasie konnte sich nicht nur an frommen Choralmelodien entzünden, wie eine eben erschienene achte CD-Veröffentlichung unter dem Titel „Heiteres aus Konzerten“ zeigt. Auch Volks- und Kinderlieder wurden ab und an zum Ausgangspunkt seiner Inspiration. Eingeleitet von einem „Joli tambour“, den er einst im Hamburger Michel musizierte, erlebt man, wie Lehrndorfer in den vorliegenden Einspielungen auch aus einfachen Melodien wie „Ein Männlein steht im Walde“ oder „Schlaf, Kindlein schlaf“ durch Variieren kleine Kunstwerke entwickelte.

Diese CD macht gute Laune

Einen Spaß machte Lehrndorfer sich daraus, bei einem Auftritt in der Münchner Pfarrkirche St. Peter über die populäre Melodie „So lang der Alte Peter“ zu improvisieren, während er im Joseph-Keilberth-Saal in Bamberg das Frankenlied „Wohlauf die Luft geht frisch und rein“ in immer neuen Varianten ertönen ließ. Eine weitere vergnügliche Begegnung macht der Hörer dieser CD mit „Hänschen klein“, das sich unter Glöckchenklängen schlendernd „in die Welt hinein“ begibt, zunächst fröhlich dahinhüpfend, doch wohl auch mit bedrohlichen Begegnungen, wenn sich die Kindermelodie plötzlich nach Moll umfärbt. Doch der fröhliche Grundton überwiegt. Das gilt auch für die besonders umfangreiche Architektur, die Lehrndorfer aus der Melodie „Muss ich denn zum Städtele hinaus“ entwickelte, eine nachdenklich verschattete Zwischen-Passage ausgenommen, die unversehens in eine spielerisch-virtuose Fuge mündet.

Diese CD-Neuerscheinung macht beim Anhören nicht nur gute Laune; sie ist sicher auch ein Weihnachtsgeschenk-Tipp geeignet, um Orgelmusik-Freunde damit zu überraschen, dass sich die Königin der Instrumente auch einmal nicht majestätisch, sondern ganz fröhlich und aufgeknöpft zeigen kann.

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