mz_logo

Kultur
Samstag, 25. November 2017 4

Newcomer

Frisch, aufregend, unveröffentlicht

In der Buchhandlung Dombrowsky lasen Florian Gmeiner, Ralph Mönius und Benjamin Feiner aus noch unveröffentlichten Romanen.
Von Daniel Pfeifer, MZ

Die Regensburger Autoren Benjamin Feiner, Florian Gmeiner und Ralph Mönius. Foto: Daniel Pfeifer

Regensburg.Regensburg: So eine alte Stadt, und so ein großes Potenzial junger Künstler. Auch in Sachen Literatur. Die Buchhandlung Dombrowsky und das unter Joachim Wolbergs gegründete Forum Kreativwirtschaft gibt ihnen nun mit einer neuen jährlichen Newcomerlesung die Chance, an die Oberfläche zu schwimmen.

Drei junge Schriftsteller – drei komplett verschiedene Geschichten – eine Bühne: In der Buchhandlung Dombrowsky lasen am Freitag Abend die Neu-Autoren Florian Gmeiner, Ralph Mönius und Benjamin Feiner aus noch unveröffentlichten Romanen. Drei Autoren mit ganz eigener Herangehensweise ans Geschichtenerzählen, mal Kafka, mal Comedy. Die 60 Besucher, die sich in die kleine, lauschige Buchhandlung zwischen Bücherregalen und Grußkartenständer gequetscht hatten, erwartete frische, noch unveröffentlichte Literatur.

Drei junge, vielversprechende Autoren

  • Florian Gmeiner,

    ein 35-jähriger Regensburger, hatte 2013 für seine magnetisierende Schreibweise den zweiten Platz beim Walter-Kempowski-Literaturpreis gewonnen. Sonst ist er noch unentdeckt. Noch.

  • Ralph Mönius,

    24, aus Regensburg, geht einen besonders ungewöhnlichen Weg: Über Youtube. Dort veröffentlicht er gelesene Kurzgeschichten in 3 bis 9 Minuten Länge auf seinem Kanal „Grimmatorium“.

  • Benjamin Feiner

    nennt das Genre, in dem er am liebsten schreibt, „Magischer Realismus“. „Ich tagträume einfach viel“, erklärt er später. Da verschwimmt schonmal die Grenze zwischen Traum und Realität. (mda)

Als erster kam Florian Gmeiner auf das kleine Podest, setzte sich auf den rustikalen Holzstuhl und begann von da aus seine Reise zurück nach Südafrika. An Orte, irgendwo in der Zeit stehengeblieben, wo die Luft flirrt, der Staub von der Straße heraufwirbelt und Rassismus noch Alltag ist. Von da aus folgt der Erzählstrang hypnotisiert einem geheimnisvollen Unbekannten. Hinaus aus dem Ort, über die Grenze, in der die Asphaltstraße nach und nach in Feldweg übergeht und die Realität nach und nach in einen Traum.

Brüder Grimm als US-Sitcom

Gmeiner ist noch beinahe unentdeckt. Und auch der zweite Autor, Ralph Mönius, schreibt bislang unter dem Radar. Als Gegenpol zu Gmeiners dämmriger Geschichte „Die Prophezeiung“ hat er sich der Comedy verschrieben. In cleveren Kurzgeschichten beschreibt er das Zusammenleben im modernen Haushalt der Gebrüder Grimm. Die wohnen im US-Sitcom-Stil zusammen mit den Figuren ihrer Märchen, mit Wolf, Frosch und Hexe. Dazu kommen die Wörter. Die sind im Prinzip Geflüchtete aus einem totalitären Staat – weit weg, in dem jedem Mensch bei Geburt ein Wort zugewiesen wird. Dabei kann man dann Glück oder Pech haben, ob man jetzt ein unschuldiges Verb oder einen Alltagsgegenstand erwischt, vielleicht „Gott“ oder „Frucht“, oder vielleicht eher ungünstig „Terrorist“. Eine Prämisse, auf die man erst mal kommen muss. So witzig und knackig wie man es von Autoren wie Marc-Uwe Kling und seinen Känguru-Chroniken kennt, erzählt Mönius über das Zusammenleben von Sagengestalten im Körper ganz stinknormaler Typen und über die Einreise von Vokabel-Immigranten an deutschen Grenzbeamten vorbei.

Benjamin Feiner las auf der Bühne eine Kurzgeschichte namens „Der große Verkäufer“. Eine harmlos beginnende Geschichte, die immer absurder, immer bedrohlicher und rauer wird. Ein kafkaesker Protagonist, der seinem Schicksal versucht zu entkommen, aber nie eine wirkliche Chance hat.

Eure Chance, Jungautoren

Geschrieben in einer Sprache, die einen packt und kaum loslässt.
„Ein beeindruckender Text, der mich an den Kampf zwischen Mephistopheles und Faust erinnert,“ kommentierte Ulrich Dombrowsky begeistert.
Wenn sich jemand mit guter Literatur auskennt, dann er. Anders als sonst kannte auch er nicht alle Texte der Autoren, die er eingeladen hatte. Und war am Ende angetan von der Qualität und der positiven Reaktion des Publikums, dass er sich schon auf eine Wiederauflage der Newcomerlesung im nächsten Jahr freute. Also liebe Jungautoren aus der Region: Das wäre eure Chance!

Weitere Kulturmeldungen finden Sie hier.

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht