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Kultur
Dienstag, 22. August 2017 26° 1

Ausstellung

Fünf Frauen zeigen kraftvolle Kunst

Die Regensburger Galerie Bäumler präsentiert „Frauenzimmer“: Die Arbeiten sind sophisticated und sehr präzise.
Von Gabriele Mayer, MZ

Andrea Madesta zeigt in der Galerie Bäumler in Regensburg Arbeiten von fünf Künstlerinnen, Titel: „Frauenzimmer“. Bei der Vernissage am Galerienabend drängten sich die Gäste in den Räumen. Foto: altrofoto.de

Regensburg.Die neue Ausstellung bei Andrea Madesta in der Galerie Bäumler trägt den Titel „Frauenzimmer“ – und ja, um Räume geht es auch, vor allem um Auffassungs-Räume. Fünf Frauen zeigen fünf Positionen – sophisticated, schön, ironisch, präzise.

Die Avantgarden haben im vorigen Jahrhundert begonnen, den Alltag in die Kunst zu integrieren, nicht als Darstellungsmotiv, sondern als Ding. Die Benutzung eines realen Gegenstands wurde als neues Mittel benutzt, um ein Bild zu schaffen. Die Künstler heute treten in der Folge oft weniger durch rein malerisches Geschick in den Vordergrund, sondern, falls ihre Kunst etwas taugt, als Wahrnehmungs-Spezialisten und -Komponisten, als Reflexions-Generatoren, die unsere tägliche Welt und wie wir mit ihr umgehen unter die Lupe nehmen, neu definieren und neu arrangieren. Das sieht manchmal so aus, als wäre es simpel zu bewerkstelligen, das kann aber gedanklich tiefgründig und kunstgeschichtlich revolutionär sein: siehe das berühmte schwarze Quadrat.

Eine alte Sache – immer wieder neu

Auch um solche Traditionen geht es in der Ausstellung. Kunst ist eine alte Sache mit immer neuen Herausforderungen, weil sich die Welt, auf die Künstler reagieren, unberechenbar ist und sich selbst ständig verändert.

Im ersten Raum sind schwarz-weiße Zeichnungen von Maria Ploskow (München) zu sehen, einige per Hand, andere per Computer ausgeführt. Ihren Reiz verdanken sie Ploskows Ausgangsfrage. Die Künstlerin fragt nicht, wie und was sie am Computer zeichnen kann, sondern: Wie wirkt sich meine Methode des Computer-Zeichnens auf mein Zeichnen mit der Hand aus? Und umgekehrt: Was macht sich von dem, was ich mit der Hand zeichne, auf den Computerzeichnungen bemerkbar? Sehr eigenständig, sehr schön und filigran wirken diese Arbeiten. Sie gewinnen dem Betrachter einen neuen Blick ab, er ist sozusagen von einem hauchzarten Spalt und von einer ebenso hauchzarten Überschneidung fasziniert.

Uta Zaumseil gehört der zweite Raum. Sie lebt in Thüringen und macht großformatige Holz-/Linolschnitte (Unikate). Spröde Farben, exzentrische Ausschnitte, Alltagsszenen, mit einem geheimnisvollen Touch: Die Bilder schweben zwischen realistisch und imaginär. Man wird hier, anders als üblich, mit dem Nicht-Decodierbaren und Nicht-Sinnhaften oder mit dem Verschlüsselten in der eigenen Erfahrungswelt konfrontiert. Das alles hat auch mit der Ausgefeiltheit von Zaumseils Technik und mit der Zartheit des dünnen Papiers zu tun, auf dem sich die Farbschichten einen beinahe transparenten und doch dunklen Raum schaffen, der merkwürdig porös und zugleich sehr verdichtet wirkt.

Eine punktgenaue Angelegenheit

Die Regensburger Konzeptkünstlerin Inken Hilgenfeld hat bei Karin Sander und Katharina Grosse in Berlin studiert. Unter anderem geht es ihr darum, Realität und Räume als Aktionsräume ins Bild, also in die Fläche zu bringen, etwa bei ihren Sprüh-Kleks-Bildern. Auf leuchtend grüne Graffiti-Signaturen sind halbtransparente Flecken und Patzer geschüttet und gekleckst. Das ist eine Aktion, aber auch eine punktgenau getroffene symbolische Angelegenheit, bei der es raffiniert um Graffiti geht, um ihre Verdoppelung oder um ihr Konterkarieren. Sehr fein. An einem Seil hängt ein schöner, dunkler Lampion. Er ist aus Bronze. Galeristin Madesta kommentiert: „Hilgenfeld setzt Selbstverständlichkeiten außer Kraft – künstlerisch gegen den Strich gebürstet“.

Eva von Platen, Professorin an der Nürnberger Kunstakademie, besetzt den vierten Raum. Sie zeichnet. Und collagiert, schnell und mit bösem Hintersinn, mit Alltagsfundstücken und Zeitungsausschnitten. Aus zunächst oft formalen Assoziationen entwickelt sich eine Geschichte oder eine bittere Paradoxie. Auf einer Zeichnung sind Worte verteilt. Wenn man sie sinnvoll zusammensetzt, liest man „Hier gibt es keinen Zusammenhang“.

Zu guter Letzt zurück zum Eingang und zur Regensburgerin Notburga Karl. Mit ihrem schlangenartig drapierten Absperrseil neben der Tür grenzt sie einen Raum ab, den es nur in der Vorstellung gibt: ein „Frauenzimmer“? – Die Schau fordert Betrachter heraus. Bei interessanter Kunst geht es eben nicht darum, in etwas Unklares etwas hineinzulegen, das wir bereits kennen, sondern darum, einen nichtgekannten Sinn zu finden und darum, etwas so noch nie Wahrgenommenes wahrzunehmen. Über all dem kreist ein Video, auf dem Uta Zaumseil sehr ernst Lieder aus dem DDR-Liedschatz singt. Die Wirkung muss jeder selber erleben.

Die Ausstellung ist bis 30. Oktober in der Galerie Bäumler (Inhaberin: Dr. Andrea Madesta) in der Oberen Bachgasse in Regensburg zu sehen.

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