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Kultur
Sonntag, 17. Dezember 2017 5

Benefiz

Getanzte Begegnung von Tag und Nacht

Die 15. AidsTanzGala des Theaters Regensburg bot ein weites Panorama der emotionalen Tanzkunst mit internationalen Künstlern.
Von Veronika Lintner, MZ

Atemberaubende Akrobatik bot das Duo Shi Fei Chen und Zi Bo Geng aus Shanghai mit „00:01 (Zero one second)“. Foto: Theater Regensburg

Regensburg.Showtime im Velodrom. Das Publikum hat sich in Schale geworfen, ein Hauch von Glamour liegt in der Luft. Das Scheinwerferlicht taucht den Vorhang der Bühne in bunte Farben. Und jedes Mal, wenn sich dieser Vorhang lüftet, erleben die Zuschauer feinste Tanzkunst.

Doch das, was das Theater Regensburg hier bietet, ist nicht nur Show – es ist Kunst für den guten Zweck. Es ist die 15. Ausgabe der internationalen AidsTanzGala. Einmal im Jahr treffen sich namhafte Tanzkünstler zu diesem Benefiz-Event. Dabei verzichten sie auf ihre Gage, um den Erlös der AIDS-Hilfe zu spenden. Tanzkompanien aus Deutschland, China, Spanien und der Schweiz geben sich in diesem Jahr die Ehre. Die Einnahmen kommen einem Hilfsprojekt im indischen Namakkal zugute.

Für Peter Jungblut ist dieser Abend eine Premiere, denn erstmals führt er als Conférencier durch die AidsTanzGala. Seine Moderationskarten funkeln und glitzern dazu in kräftigem Rot. Das Publikum kennt ihn vor allem als Stimme des Bayerischen Rundfunks, als Journalist und Kritiker. Pointiert und wortgewitzt führt der Münchner durch die Show. Einen Bühnen-Smalltalk hält er mit den kreativen Machern der Revue, dem Regensburger Chefchoreographen Yuki Mori und Tanzmeister Christian Maier. Der erste Schritt zur Tanzgala beginnt für die Organisatoren schon früh im Jahr. „Im März, April beginnt das erste Vorfühlen. Und dann entwickelt es sich“, erzählt Christian Maier. Das Resultat dieser Entwicklung: ein weites Panorama der emotionalen Tanzkunst.

Tosenden Beifall ernten die ironischen, gewitzten Nummern der Gala. Allen voran die Choreographien von Eric Gauthier und seiner Kompanie aus Stuttgart. „Alte Zachen“ ist ein Männerduett zu swingender Gospelmusik. Zwei Doppelgänger tänzeln, mit karierten Shorts, Fliege, Hemd und Socken, im Gleichschritt über die Bühne. Oder auch „102“, eine getanzte Ballett-Satire. Den klassischen Pas de deux, mit seinen eleganten, strengen Positionen, seinen Tutus und Strumpfhosen, nimmt Gauthier hier auf die Schippe.

Entstanden am Jazzclub-Tresen

Denn trotz der Schwere des großen Themas, AIDS und HIV, will die Gala Optimismus und Lebensfreude vermitteln. Schließlich feiert sie ein kleines Jubiläum einer großen Idee. Bernhard Lindner vom Jazzclub Regensburg erinnert sich im Gespräch mit dem Moderator: „Vor 15 Jahren ist die Idee am Tresen des Jazzclubs entstanden.“ Die Jazzer verbündeten sich dazu mit dem Theater Regensburg, der Aids-Beratungsstelle des Roten Kreuzes, dem Regensburger Uniklinikum – und planten die erste Gala. Seither konnten sie mehr als 180 000 Euro sammeln.

Den Großteil der Spenden erhält diesmal das C.A.R.E.-Health-Center in Namakkal, in der südindischen Provinz Tamil Nadu. Ihr Leiter, Professor N. M. Samuel, ist Ehrengast der AidsTanzGala. „Center for Health and Hope“ nennt sich sein Projekt – ein Zentrum für Gesundheit und Hoffnung. Vor allem betroffene Mütter und Kinder erhalten hier Hilfe, sei es in Form von Nahrungsmitteln oder mit medizinischen Untersuchungen. 50 Prozent der jährlichen Einnahmen gewinnt das Center allein durch die AidsTanzGala. Und schließlich finden auch ernstere Töne an diesem Abend einen bewegten Ausdruck.

„Regensburg ist immer da“

Atemberaubende Akrobatik bietet ein Duo aus Shanghai mit „00:01 (Zero one second)“. Shi Fei Chen und Zi Bo Geng tanzen eine Begegnung zwischen Nacht und Tag, zwischen der letzten Dunkelheit und den ersten Strahlen der Sonne. Sie turnen um, auf und durch einen breiten Reifen, springen einander in die Arme. Um den menschlichen Kampf, um komplexe Beziehungen und Begegnungen drehen sich die Trios von „Thomas Noone Dance“ aus Barcelona und des Theaters St. Gallen. Die schweizerische „company idem“ spürt der menschlichen Entwicklung nach. Ihre hintersinnige Choreographie „Becoming“ riss das Publikum zu langanhaltendem Applaus hin. Eine kurze, explosive Nummer steuert auch das Staatstheater Nürnberg bei, mit einem Solo von Luis Tena.

Professor Samuel zeigt sich an diesem Abend sehr dankbar für diese Tradition der AidsTanzGala. Er berichtet, dass die indische Regierung jüngst die Mittel für die AIDS-Hilfe gekürzt habe. Doch eines stimme ihn trotzdem immer hoffnungsvoll: „Regensburg is always there – Regensburg ist immer da“.

Lesen Sie dazu auch: Elf Männer tanzen „Instinkte der Liebe“: Die Regensburger Tanztage bieten zum Jubiläum ein geballtes Programm mit hochklassigen Ensembles und Choreografien.

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