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Kultur
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Regensburg.

Gewagt: Hummels neuer Zarathustra

Der Intendant des Theaters Regensburg traut sich was: Ernö Weil hat bei dem in Altmannstein lebenden Komponisten Franz Hummel eine Oper in Auftrag gegeben. „Zarathustra“ wird im Frühjahr 2010 in Regensburg uraufgeführt. MZ-Journalist Harald Raab sprach mit dem Nonkonformisten der deutschen Musikszene.

Es ist nicht das erste Mal, dass Sie für das Theater Regensburg eine Oper schreiben.

Hummel: Ja, das stimmt. Ich habe schon einmal etwas gemacht. Es war „An der schönen blauen Donau“, damals unter der Intendanz von Marietheres List.

Das neue Auftragswerk „Zarathustra“ ist ein sehr schwerer Stoff.

Ich liebe solche Themen. Dieser Friedrich Nietzsche ist ja auch heute noch voller Brisanz, speziell für die Deutschen und ihre Geistesgeschichte. Meine Frau Sandra und ich haben uns schon lange mit diesem Stoff beschäftigt. Die Idee zur Realisierung kam aber letztendlich im Gespräch mit Regensburgs Intendanten, Ernö Weil. Er hat sich den „Zarathustra“ gewünscht. Er wird ja auch Regie führen.

Uraufführung soll im April 2010 sein. Ist die Oper fertig?

Nicht ganz, im Juli wird es wohl so weit sein. Das Szenische wird in enger Absprache mit dem Regensburger Theater, mit der Dramaturgin Christina Schmidt und mit Ernö Weil erstellt.

Darf man Vergleiche anstellen zwischen Ihrer Beschäftigung mit einer anderen tragischen Person, mit dem Märchenkönig Ludwig II., und mit Nietzsche?

Nein, Ludwig war ein Musical, mehr eine Fingerübung. Ich wollte damit zeigen, dass ich auch etwas Populäres schreiben kann. Da war auch ein bisserl Eitelkeit dabei. Das Konzept ist ja aufgegangen. Beim „Zarathustra“ ist es dagegen eine sehr aktuelle Musik, obwohl ich kein Avantgardist bin. Ich will mich auf die alten Tage nicht mit Seichtheit blamieren.

Wie geht man mit dieser monumentalen Existenz Nietzsches musikalisch um?

Das Konzept ist eine dramatische Oper. Wer sich Nietzsche vornimmt, kommt auch nicht an Richard Wagner vorbei. Entsprechend kommen Wagner-Anklänge vor, aber auch nicht mehr. Es wird eine große Orchestermusik. Alles, was Regensburg musikalisch zur Verfügung hat, werden wir dafür aktivieren. Es wird bei aller Dramatik – oder gerade deshalb – ein sehr menschliches Stück mit sehr viel Originaltexten von Nietzsche. Doch wir bemühen uns darum, dass man diesen Texten auf den ersten Blick gar nicht ansieht, dass sie von dem Philosophen selbst sind.

Kann man sich dem Phänomen Nietzsche überhaupt rational nähern?

Allein sicher nicht. Das irrationale Element muss mitschwingen, speziell bei der Nietzsche-Rezeption. Es geht auch um Fremdsteuerung der Massen, aktuell wie bei Scientology. Das Stück soll mit einer Art Minimal-Musik enden, um die Lenkbarkeit von außen zu verdeutlichen. Nietzsches Konzept vom Übermenschen wird thematisiert. Gerade hier beginnt ja die Geschichte irrational zu werden. Wir lassen den praktischen Endpunkt der Philosophie Nietzsches bewusst werden, ihre Verwertbarkeit in Ideologien, siehe NS-Zeit, und aktuell im Sektenwesen. Es wäre aber trivial, Nietzsche für den verquasten Nazi-Irrsinn verantwortlich zu machen. Bei uns ist diese Epoche nur im Hintergrund präsent. Herausgearbeitet wird aber, dass so ein großer Denker zu derart fürchterlichen Missverständnissen geführt hat, dass er von Leuten wie Hitler und Rosenberg missbraucht werden konnte. Wir zeigen auch, wie ihn seine Schwester gegen Geld quasi ausstellt, und die Leute kommen, um sich den verrückten Philosophen anzuschauen.

Ist es für Regensburg nicht ausgesprochen mutig, so eine Oper in Auftrag zu geben, noch dazu bei Franz Hummel, der ja nicht gerade in dem Ruf steht, leicht Konsumierbares dem Publikum zu bieten?

Ja, es hat mich schon gefreut, dass man das Wagnis in Regensburg eingeht. Landauf, landab trauen sich die deutschen Theater ja immer weniger. Man steht unter einer wahnsinnigen finanziellen und damit auch inhaltlichen Kontrolle. Ich sehe die Kultur in Deutschland ziemlich gefährdet.

Das Opernwerk von Franz Hummel hat ja schon ein beachtliches Ausmaß.

Kann man vielleicht so sagen. Die Regensburger bringen meine 18. Oper heraus. Im November hatte meine Oper „Der Richter und sein Henker“, nach Dürrenmatt in Erfurt Uraufführung. Am 9. Januar dieses Jahres war die 17. Oper an der Reihe, „Fouché“ im Rahmen der Eröffnung des Kulturhauptstadtjahres in Linz, übrigens glänzend inszeniert von Susan Oswell.

Franz Hummel, Komponist

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