mz_logo

Kultur
Mittwoch, 22. November 2017 10° 3

Theater

Glanzvoller Neustart am Gärtnerplatz

Nach fünf Jahren Pause lebt das Münchner Haus wieder auf – und präsentiert sich eindrucksvoll wie leidenschaftlich zurück.
Von Gerhard Heldt, MZ

Das Ensemble des Gärtnerplatztheaters ist nach fünf Jahren Sanierung zurück an seinem angestammten Platz. Foto: dpa

München.Nach fünfjähriger Odyssee über diverse Bühnen Münchens ist das Gärtnerplatztheater nun „wieder am Platz“, so das Motto der Eröffnungsgala, die als glanzvolle Leistungsschau vor voll besetztem Haus über die Bühne ging. Vor dem angestrahlten Haus erwarteten die Besucher Stelzengänger in phantasievollen, innen erleuchteten Kostümen; drinnen gab’s ein Taschentuch mit dem Aufdruck „Für Ihre Emotionen“, Sekt und Konfekt vom Silbertablett. Der Begrüßung durch Kultusminister Ludwig Spaenle folgte Staatsintendant Josef Köpplingers Plädoyer für das Theater und für sein Haus, verbunden mit dem aus tiefstem Herzen kommenden Dank aller Mitglieder des Hauses an alle, die den Um- und Neubau ermöglichten.

Zu Beginn wandte sich das Sänger-Ensemble mit der „Ansprache an das Publikum“ aus Stephen Sondheims Musical „The Frogs“ an die gespannt wartenden Zuschauer; es folgte klanggewaltig die Suite aus der Filmmusik zu „Star Wars“, danach ging es weiter mit der Arie des Figaro „Largo al factotum“ aus Rossinis „Barbier von Sevilla“, ohne die üblichen Falsett-Mätzchen brillant vorgetragen von Matija Meic. Einen besonderen Akzent setzten die Ehrenmitglieder Gisela Ehrensberger und Franz Wyzner: Als in Ehren gealtertes Ehepaar Golde und Tevje berührten sie mit dem Duett „Ist es Liebe?“ aus „Anatevka“. Eine Spur zu martialisch geriet der „Kanonensong“ aus der „Dreigroschenoper“ von Kurt Weill und Bertolt Brecht: Das Herrenensemble legte forsch los und hielt den militärischen Ton, dem eine Prise Ironie vielleicht etwas von seiner Gewalttätigkeit genommen hätte, bis zum Ende durch.

Kontraste und prächtige Stimmen

Scharfe Kontraste hielten das Programm stets lebendig. Von den Kanonen und toten Soldaten zur Südseeliebe: Das funktionierte dank der prächtigen Stimmen von Mathias Hausmann (Zurga) und Lucian Krasznec (Nadir), die das berühmte Duett „Au fond du temple saint“ aus Georges Bizets selten gespielter Oper „Les Pêcheurs de Perles“ (Die Perlenfischer) mit Schmelz und Verve sangen. Quasi als Erholung von dieser Seelendusche hatte Elaine Ortiz Arandes (Gesang und Gitarre) zusammen mit Ewa Bross (Congas) ein Volkslied aus ihrer Heimat Puerto Rico vorbereitet. Das große Ensemble „A tal colpo inaspettato“ (Bei solch unerwartetem Schlag) aus Rossinis Oper „Die Reise nach Reims“ führte 14 Solistinnen und Solisten zu großartiger stimmlicher Präsentation zusammen. Gleich danach wieder Musical: Dagmar Hellberg bewies ihre Qualitäten in dem Lied „I’m still here“ aus Stephen Sondheims „Follies“.

Dass die Operette im Repertoire des Gärtnerplatztheaters einen bevorzugten Platz einnimmt, bewies das Quartett „Hurra, hurra! Man lebt ja nur einmal“ aus Emmerich Kálmáns „Csárdásfürstin“ (Alexandra Reinprecht, Sophie Mitterhuber, Lucian Krasznec und Liviu Holender). Das Finale aus Mozarts „Figaro“ war ein gewichtiger Beitrag des Solistenensembles wie des schwungvoll aufspielenden Orchesters zur Leistungskraft des Hauses. Das galt auch für einen Ausschnitt aus Orffs „Carmina Burana“. Das Orchester stellte mit der heiklen Ouvertüre zu Verdis „Macht des Schicksals“, geleitet vom neuen GMD Anthony Bramall, seine Qualitäten nachdrücklich unter Beweis. Er wechselte sich am Dirigentenpult mit Michael Brandstätter und Andreas Kowalewitz ab.

Jennifer O’Loughlin ist die Primadonna des Hauses; das zeigte sie nachdrücklich mit der Bravour-Arie „O Licht dieser Seele“ aus Donizettis „Linda di Chamounix“. Ein Kabinettstück, gleichzeitig ein Wettbewerb im Schnellsprechen, lieferten sich Mathias Hausmann und Levente Páll im Duett als Dr. Malatesta und Don Pasquale. Das Ballett bekam in der Schnellpolka „Unter Donner und Blitz“ – beliebter Einschub im 2. Akt der „Fledermaus“ – ausgiebig Gelegenheit, mit einer hochvirtuosen Leistung zu glänzen. Ein kurzer Abschnitt aus dem Erfolgsmusical „Tschitti Tschitti Bäng Bäng“ mit dem präsenten Kinderchor des Hauses leitete über zu den zwei Glanznummern „Lippen schweigen“ (Camille Schnoor und Daniel Prohaska) und „Weibermarsch“ aus der „Lustigen Witwe“ von Franz Lehár, mit der am 19. Oktober die Spielzeit eröffnet wird.

Ein verheißungsvoller Auftakt

Sigrid Hauser, die mit heiteren wie tiefsinnigen Versen und Berichten aus der Geschichte des Gärtnerplatztheaters durch den Abend geführt hatte, setzte gekonnt ihren Schlusspunkt mit dem Song „Crazy World“ aus dem Musical „Victor/Victoria“ von Henry Mancini. Das Ensemble rief zum Schluss sekttrunken zur Verbrüderung auf: „Brüderlein und Schwesterlein“ aus der „Fledermaus“ mit dem notwendigen Schuss Wiener Schmäh, gekonnt musikalisch in Szene gesetzt von Anthony Bramall.

Auch ans liebe Geld wurde final erinnert: „There’s No Business Like Show Business“, so heißt es in Irving Berlins 71 Jahre altem Wildwest-Musical „Annie Get Your Gun“. Dieser mit Standing Ovations bejubelte Abend war der verheißungsvolle Auftakt zum Neustart am angestammten Platz.

Hier lesen Sie Kultur-Nachrichten.

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht