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Kultur
Samstag, 19. August 2017 22° 6

Oratorium

Händels Messiah fesselnd interpretiert

Die Aufführung wurde zu einem Höhepunkt des Festivals. Nicht zuletzt wegen der frischen Neu-Interpretation des Barockstückes.
Von Andreas Meixner, MZ

Das Solomon’s Knot Baroque Collective beim Auftritt in der Dreieinigkeitskirche. Sie verzauberten mit einer entrümpelten Neu-Interpretation von Händels „Messiah“. Foto: altrofoto.de

Regensburg.Die Tatsache, dass am Sonntagabend in der Regensburger Dreieinigkeitskirche Händels Messiah in der Fassung der Dubliner Uraufführung im April 1742 zu hören war, geriet fast zur Randnotiz einer fesselnden und hochklassigen Darbietung des Solomon`s Knot Baroque Collective.

Mini-Besetzung erzeugt große Klänge

Instrumentalisten und Sänger traten in Kleinstbesetzung an, gerade mal 22 Beteiligte. Wie groß die tatsächliche Originalbesetzung war ist strittig und doch spricht allein die Virtuosität der Chöre für wenige, aber versierte Sänger. Doch damit alleine wäre es noch nicht getan, um das bekannte Oratorium wieder neu erfahrbar zu machen. Unter der Führung des Bassisten Jonathan Sells und des Konzertmeisters James Toll blühte eine Interpretation auf, die von Anfang bis zum Ende elektrisierte und in den Bann zog.

Barockmusik neu aufgelegt

Arien, Rezitative und Chöre schlossen fast nahtlos aneinander an, verdichteten sich zu einem großen fast halbszenischen Geschehen mit einer Dramatik, als wäre es tatsächlich die Erstaufführung. Zu Gute kam, dass die Sänger ihre Partien auswendig bestritten und so in der Lage waren, mit den Sängerkollegen und dem Publikum in Kontakt zu treten. Das Auftreten und Abtreten geschah organisch, man trat zur Gruppe wieder hinzu und verließ die Szene ohne Aufhebens. Das war kein bloßer Vortrag mehr, sondern die Geschichte des Erlösers wurde brandneu erzählt, aufgeregt und hochemotional.

Federnd und lässig: Ein brandneues Hörerlebnis

Die Gestaltung der Arien, die Tempiwahl und die dynamischen Gestaltungen geschahen auf atemberaubenden Niveau. Geschenkt waren da kleine Defizite in der Klangbalance zwischen Chor und Orchester oder kurze Unkorrektheiten. Das Ensemble war nicht bereit, dafür ihren unglaublichen Gestaltungswillen aufs Spiel zu setzen. Nie wurde es laut oder massiv, eine scheinbar lässige Eleganz breitete sich aus, auch über das berühmte Halleluja in einer völlig entschlackten und federnden Interpretation. Egal, wie oft man das Werk schon gehört haben mag: an diesem Abend verließen viele die Dreieinigkeitskirche beseelt und beschwingt in der Gewissheit, einer großen Referenz-Aufführung beigewohnt zu haben.

Weitere Kritiken zu den Tagen Alter Musik in Regensburg finden Sie hier.

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