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Kultur
Dienstag, 17. Oktober 2017 20° 12

Ausstellungen

Hanne Darboven und die „Gepackte Zeit“

Kasperlepuppen, Schaukelpferde und endlose Kolonnen aus Zahlen: Das Werk der Hamburger Konzeptkünstlerin Hanne Darboven ist schwer zugänglich und gibt immer noch viele Rätsel auf.

Hamburg.Hanne Darboven (1941-2009) zählt zu den bedeutendsten Künstlerinnen der internationalen Konzeptkunst. Mit der Ausstellung „Gepackte Zeit“ wollen die Deichtorhallen in der Sammlung Falckenberg von Samstag an bis zum 3. September einen neuen Blick auf das Schaffen der Hamburger Künstlerin werfen.

„Als Hanne Darboven sich Ende der 1960er Jahre in der New Yorker Konzeptkunstszene etablierte, war das eine Sensation“, sagte Intendant Dirk Luckow am Freitag in Hamburg. Bekannt wurde Darboven vor allem für Schreibarbeiten und den daraus resultierenden Blättern, die mit Zahlen, Schrift und teilweise Bildmaterial gefüllt sind.

„Darbovens raumgreifende Installationen funktionieren wie Zeitspeicher, die Tausende von Jahrhundertdaten in eine greifbare Form bringen“, sagte Nicole Krapat von der Hanne Darboven Stiftung. Ihr Werk werde somit zum Inbegriff für „Gepackte Zeit“. Einen besonderen Stellenwert in der Ausstellung nimmt das Werk „Kinder dieser Welt“ ein, das sich über eine ganze Etage erstreckt. In der nach der Wiedervereinigung entstandenen Arbeit, in der die Künstlerin altmodisches Kinderspielzeug wie Schaukelpferde und Kasperlepuppen arrangierte, drücke sich „ihr Humor, ihre Leidenschaft und ihr Optimismus“ aus.

Als sie 25 Jahre alt war, erkannte Hanne Darboven für sich, „dass alles bereits gemalt ist“. Mit Pinsel und Farbe kam sie nicht mehr voran. Ihre Lehrer an der Hamburger Hochschule für bildende Künste wussten nicht, wohin mit den Ambitionen der jungen Frau, die aus einer wohlhabenden Hamburger Kaufmannsfamilie stammt. 1966 brach sie nach New York auf. Dort lernte die zierliche Frau mit dem burschikosen Kurzhaarschnitt die experimentellen Arbeiten von Künstlern wie Sol LeWitt und John Cage kennen. Buchstaben und Zahlen, deren Quersummen, Kalender und immer wieder Zahlenreihen bestimmten seitdem ihr Schaffen. Seit 1969 lebte sie zurückgezogen in Hamburg.

Künstlerische Verbindungen lassen sich zu Exponaten der Sammlung Falckenberg ziehen - darunter zu Werken von Vito Acconci, John Baldessari, John Cage, Sophie Calle, Richard Hamilton, Mike Kelley, Imi Knoebel oder Ed Ruscha. Parallel zum Auftakt der Ausstellung in der Sammlung Falckenberg eröffnete die Hanne Darboven Stiftung das Dokumentationszentrum Am Burgberg in Hamburg-Harburg, dem ehemaligen Wohnort der Künstlerin. Eine der Aufgaben der Stiftung ist es, den Nachlass der Künstlerin an ihrem einstigen Schaffens- und Wirkungsort aufzubereiten und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

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