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Kultur
Sonntag, 26. März 2017 13° 3

Ausstellungen

Heiligenstadt zeigt Ausstellung zur Gegenreformation

Nicht überall in Deutschland hatte Luthers Reformation dauerhaft Erfolg. Im Eichsfeld gab es eine starke Gegenbewegung - auch eine „Elitetruppe des Papstes“ war im Einsatz.

Heiligenstadt.Das katholische Eichsfeld schwimmt gegen den Strom: Unter dem Titel „Die Jesuiten im Eichsfeld“ zeigt Heiligenstadt eine alternative Ausstellung zum Jubiläum „500 Jahre Reformation“.

Die Schau wird bis Ende Dezember im Eichsfelder Heimatmuseum zu sehen sein. „Es gibt 100 Ausstellungen zu Luther, aber nur eine zur katholischen Gegenreformation“, sagte Museumschef Torsten Müller. Die Ausstellung zeige das Wirken des Jesuitenordens am Beginn der Neuzeit. Die „Elitetruppe des Papstes“ sei 1574 von Mainz nach Heiligenstadt geschickt worden, um die Menschen im Eichsfeld wieder für den katholischen Glauben zu gewinnen.

„Die Bevölkerung war vom Auftreten der Jesuiten irritiert“, erklärte der Historiker. Ordensmänner ohne Habit und Chorgebet - das provozierte. Dass sie in Kollegien lebten und nicht hinter Klostermauern, sei für die Eichsfelder ebenso ungewöhnlich gewesen. Die Jesuiten zogen über die Dörfer und gewannen mit ihren überzeugenden Predigten die frommen Eichsfelder wieder für die katholische Kirche zurück. Auch das von Martin Luther (1483-1546) abgelehnte Wallfahrtswesen wurde von den Jesuiten belebt, wie eine bis heute begangene Leidensprozession am Palmsonntag in Heiligenstadt. Sie wurde jüngst in das bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes aufgenommen.

Auch Bildstöcke und Wegkreuze wurden neu aufgestellt, die Sakramente wie eh und je gespendet. Der Religionsunterricht war besonders hier volkstümlich. Bereits 1575, ein Jahr nach seiner Entsendung, gründete der Orden ein Gymnasium und unterrichtete junge Männer in humanistischen Fächern. In dem damaligen Kolleg ist heute das Museum.

„Kirchenreform und intensive pastorale Betreuung standen im Vordergrund“, sagte der Museumschef. Die Ausstellung zeige, dass ein großer Teil der Eichsfelder begeistert und freiwillig zum katholischen Glauben zurückkehrte. Noch heute sei das Eichsfeld die größte geschlossene katholische Region in der Mitte Deutschlands, die Teile von Thüringen, Hessen und Niedersachsen umfasst.

Zu sehen sind unter anderem die erste ins Deutsche übersetzte katholische Bibel und das erste Gesangbuch des Eichsfeldes. Begleitet wird die Schau von vier Expertenvorträgen, die im März im Marcel-Callo-Haus in Heiligenstadt angeboten werden.

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