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Kultur
Freitag, 22. September 2017 21° 2

Kirchenmusik

Herausragender Chorgesang

Das Regensburger Vokalenesemble Cantabile unter Matthias Beckert stellte in Niedermünster erneut seine vielfach ausgezeichnete Klasse unter Beweis.
Von Gerhard Heldt, MZ

Das Regensburger Vokalensemble Cantabile Foto: MZ-Archiv

Regensburg.Der Dreikönigstag ist seit etlichen Jahren ein fester Auftrittstermin für das Vokalensemble Cantabile Regensburg und seinen Leiter Matthias Beckert, Professor für Chorleitung an den Musikhochschulen Würzburg und Hannover. Er und sein Chor sind inzwischen vielfach ausgezeichnet worden und werden Bayern in diesem Jahr beim 9. Deutschen Chorwettbewerb in Weimar vertreten. Es ist immer wieder ein spannendes Erlebnis, die 28 Sängerinnen und Sänger des Chores zu hören, wie heuer im voll besetzten, weihnachtlich geschmückten Niedermünster.

Das Programm war wie auch an vorausgehenden Dreikönigskonzerten stilistisch weit gespannt, in diesem Jahr mit einem Schwerpunkt bei Sätzen des Allgäuers Wolfram Buchenberg (geb. 1962), dem Cantabile bereits eine CD gewidmet hat. Beckert setzte zwei gemäßigt moderne Sätze für gemischten Chor und fünf konventionell gehaltene Sätze bekannter Weihnachtslieder für vierstimmigen Männerchor aufs Programm. Die dankbarste Aufgabe erwartete den Chor bei der Fassung von „Freude über Freude“, dem Buchenberg eine kurze Einleitung in lateinischer Sprache vorangestellt hat und die er um das mittelalterliche „Es sungen drei Engel“ und das aus dem frühen 16. Jahrhundert stammende weihnachtliche Volkslied „Freu dich, Erd und Sternenzelt“ angereichert hat.

So noch nicht gehörte Piano-Kultur

Mit Hugo Distlers Choralmotette „Es ist ein Ros entsprungen“ hatte das Konzert einen viel versprechenden Auftakt genommen, denn hier zeigte der Chor eine bisher in dieser Prägnanz noch nicht gehörte Piano-Kultur, wobei die jungen hohen Stimmen vorteilhaft herausgestellt wurden. Mit vorbildlicher Textverständlichkeit und prägnanter Akzentuierung betonte Beckert nicht nur die herb-süße Harmonik Distlers, sondern setzte auch einen Akzent auf die spätromantische Ader des Komponisten. Der bekannte Satz dieses Liedes von Michael Praetorius schloss am Ende des Konzerts den Kreis.

In direkter Gegenüberstellung waren zwei Vertonungen des „O Magnum Mysterium“ zu erleben: Mit der 1572 im Druck erschienenen Komposition von Tomás Luis de Vittoria wurde die des Amerikaners Morten Lauridsen aus dem Jahr 1994 kombiniert; es war überraschend, wie nah sich beide Werke stilistisch sind.

Furiose Steigerungen

Kompositionen des Süditalieners Carlo Gesualdo di Venosa (1566-1613) ragen aus den zu seiner Zeit entstandenen Werken in einer Weise heraus, die sie als Vorläufer späterer Musikstile bis hin zu Wagners „Tristan“ kennzeichnen: Seine kühnen, bisweilen durch abrupte Rückungen erreichten Tonartenwechsel wie die ihm eigene Verwendung chromatischer Stimmführungen waren seiner Zeit weit voraus, nachzuhören im Madrigal „Ave dulcissima Maria“. Das acht- bis zwölfstimmige „Ave maris stella“ („Meerstern ich dich grüße“) des Schweizers Carl Rütti (geb. 1949) bildete einen weiteren Programmhöhepunkt, denn mit an Minimal Music gemahnenden schnellen Wortwiederholungen auf engstem Raum und furiosen dramatischen Steigerungen, die der Text eigentlich nicht vorgibt, erreicht Rütti klangliche Wirkungen, die dem Chor optimal gelangen. Auch das doppelchörige „Pater noster“ von Michael Praetorius verfehlte nicht seine Wirkung. Als Zugaben waren „Drei Könige“ von Peter Cornelius und - ein wenig als Fremdkörper im klassischen Programm wirkend – das südböhmische Wiegenlied „Heidschi bumbeidschi“ zu hören.

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