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Kultur
Mittwoch, 24. Mai 2017 21° 4

Kabarett

Heuchelei selbst bei den Helfern

Der Berliner Arnulf Rating analysiert im Regensburger Statt-Theater ohne jede Schonung die Lage der Nation.
Von Angelika Lukesch, MZ

Seinem Blick entgeht nichts: Arnulf Rating, der bis 24. Oktober im Regensburger Statt-Theater gastiert. Foto: Thomas Räse

Regensburg.Nach zweieinhalb Stunden wortgewaltigem, scharfsinnigem Dauerfeuer beginnt wirklich jeder an sich zu zweifeln. Auch das Selbstbewusstsein des Gutmenschen, der eigentlich ganz zufrieden ist mit sich selbst, seinem Leben und seinem Versuch, alles richtig zu machen, bekommt erhebliche Risse. Im Spiegel, die der Berliner Kabarettist Arnulf Rating dem Publikum ganz dicht vor die Nase hält, erblickt man eine hässliche, heuchlerische Kreatur, die zwar Gutes tun will – wie etwa den Flüchtlingen helfen und die Umwelt schützen –, dabei jedoch vergisst, dass auch Deutschland kräftig an Bankenkrisen, Krieg und Terror mitverdient.

Okay, vielleicht nicht ganz Deutschland, aber auf jeden Fall die wenigen, reichsten Menschen des Landes und natürlich die, die die Macht in Händen halten. Moment mal: Wir haben doch eine Demokratie, erinnert sich Rating. Und in einer Demokratie herrscht doch das Volk. Wieso aber hat dann die Mehrheit des Volkes immer weniger im Geldbeutel und die richtig Reichen im Land immer mehr Milliarden auf dem Konto?

Was ist eigentlich in Syrien los?

Rating wirft so viele offensichtliche Fragen auf, dass man sich fast geniert, sich nie gefragt zu haben, warum sie immer noch unbeantwortet sind. Zum Beispiel die Frage, was da eigentlich wirklich in Syrien los ist. Woher stammen all die Waffen? Und wie hoch ist der Ölpreis eigentlich? „Seit Scholl-Latour von uns gegangen ist, kann uns das keiner mehr erklären“, stellt Rating fest.

Der Kabarettist steht während seiner Analysen, die er oft zu Verdeutlichung seiner Botschaft überzeichnet, karikiert oder konterkariert, mal als er selbst auf der Bühne, dann als deftig-herbe Schwester Hedwig, gefolgt vom schmierigen und selbstgefälligen Immobilien/Wellness/Investment/Banking-Manager Guido Groll, ein wahrer Meister des Euphemismus. Er nennt selbst noch den Abbruch eines Hauses für arme Waisenkinder einen Akt der Menschlichkeit – schließlich befreit es sie von dem Problem, in einem schäbigen Haus wohnen zu müssen.

Der kleine Mann Kalkowski

Als Herr Kalkowski stellt er einen einfachen Arbeiter dar, der versucht, mit mehreren Nebenjobs durchs Leben zu kommen, doch immer schlechter dasteht, je mehr er sich bemüht. „Schön, wenn am Geldende noch Monat übrig ist“, lautet sein resigniertes Motto. Kalkowsi steht als Mahnmal der gesellschaftlichen Entwicklung und als Zeichen dafür, dass die Masse der Menschen schuftet, während einige wenige ihr Vermögen mehren.

Auch zur Presse hat Rating kritisches zu sagen. „Journalisten gestalten heutzutage das Anzeigenumfeld“, mutmaßt er und spricht ihnen vielleicht nicht das Können, jedoch die Möglichkeit ab, Pressefreiheit tatsächlich ausüben zu können.

Arnulf Rating gastiert noch bis Samstag, 24. Oktober, im Statt-Theater in der Winklergasse, Regensburg. Reservierung unter Tel. (09 41) 5 33 22

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