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Kultur
Mittwoch, 17. Januar 2018 11

Musik

Hit auf Hit mit Status Quo und Hensley

Glänzend aufgelegte Altrocker bescherten dem Publikum in der Donau-Arena einen wunderbaren Unplugged-Konzertabend.
Von Alois C. Braun, MZ

Francis Rossi überzeugte das Publikum in Regensburg. Foto: Jens Niering

Regensburg.Es gibt wohl nur eine Handvoll sogenannter Unplugged-Alben, die wirklich Sinn machen, weil die Musiker ihren Songs in den akustischen Versionen neue Seiten abgewinnen. Status Quo gelang mit ihren beiden „Aquostic“-Platten dieses Kunststück – zumindest über weite Strecken. Die anfängliche Skepsis, ihre boogielastige Rockmusik würde ohne E-Gitarre nicht funktionieren, war unbegründet. Der Ansatz, sich bei den Neubearbeitungen stilistisch keinerlei Grenzen aufzuerlegen, zahlt sich auch beim Konzert in der Donau-Arena aus.

Zehn Musiker stehen auf der Bühne. Es wird definitiv geklotzt und nicht gekleckert, die Klangfarben um Akkordeon, Keyboard, Chorgesang, Violine und zusätzliche Gitarre erweitert. Und trotz der ungewöhnlichen Instrumentierung klingen Status Quo zu 100 Prozent nach Status Quo! Ja, und sie grooven auch in diesem differenzierten Soundgewand. Klar, der im letzten Jahr verstorbene Rick Parfitt fehlt. Seine Persönlichkeit, seine Stimme sind nicht zu ersetzen. Aber die Band ist großartig und birst vor Spielfreude.

Rossi erzählt über die wilden Jahre

Francis Rossi, gut gelaunt und zu Scherzen aufgelegt, genießt es, der alleinige Frontman zu sein. Als ihm ein Roadie hilft, seine berühmte Weste auszuziehen, nutzt er dies zu einer kurzen angedeuteten Rangelei, und als er Probleme mit einem offenbar gerissenen Fingernagel hat, bietet er Keyboarder Andy Bown (der an diesem Abend meist Gitarre spielte) an, diesen abzuknabbern. Rossi erzählt über die wilden 70er Jahre und macht dabei eindeutige Schniefgeräusche, um anzudeuten, was damals an unerlaubten Substanzen durch die Nasen gezogen wurde.

Ken Hensley live auf der Buehne in Regensburg Foto: Jens Niering

Insgesamt sind aber angenehm wenige Ansagen im Programm, in knapp 90 Minuten schafft die Band so 24Songs. Die Musik steht klar im Vordergrund. Und die überzeugt auch durch die Songauswahl. Lange nicht Gehörtes wie „Claudie“ (mit einem schönen Stringarrangement) oder „Nanana“ stehen mit auf dem Programm. Schon der Start mit „And it’s better now“ gelingt locker flockig und mit einem vielstimmigen Refrain. Man merkt, dass die Band mit dem „Aquostic“-Projekt der langen Karriere etwas wirklich Sinnvolles hinzufügen wollte – mit Erfolg. Der Kracher „Again and again“ kommt als Shuffle mit Bassmann Rhino Edwards an den Vocals, „Caroline“ startete als Boogie und geht dann in den gewohnten Rhythmus über.

Trotz der ungewöhnlichen Instrumentierung fehlt es nicht an Groove und der Funke erfasst schnell das Publikum. Mit „What you’re proposing“ wird das Energielevel hoch gehalten, der Titel treibt wie eh und je. Es zeigt sich, dass die meisten Songs von Status Quo Substanz haben. Gerne reduziert man sie ja immer noch auf simplen Riffrock.

Halle steht auf der Zielgeraden Kopf

Wie großartig diese Musik ist, zeigt sich aber daran, dass die Lieder auch im ungewöhnlichen Arrangement glänzend funktionieren. Der Hit „Down down“ wird zum Countryshuffle und „Reason for living“ zum trocken rockenden Akustikfest. Großartig auch „All the reasons“, das zusätzlich durch weiblichen Leadgesang überzeugt. Als es dann mit „Whatever you want“ und „Rockin‘ all over the world“ in die Zielgerade geht, steht die Halle Kopf. Es ist in der Stimmung kein Unterschied zu den elektrischen Konzerten der Band auszumachen. Gute Musik packt die Leute eben auch in ungewöhnlichen Versionen. Als Zugabe gibt es dann noch „Burning Bridges“, das durch die Geige fast wie ein irischer Folksong anmutet.

Begonnen hatte der Abend mit einem Leckerbissen aus der Rockmusikgeschichte. Ken Hensley, bis 1980 Mitglied und der maßgebliche Songwriter bei Uriah Heep, stellte sich solo dem Publikum. Nur mit Gitarre oder Keyboard begleitet spielte er Titel aus seiner Karriere. Der 72-Jährige mit den immer noch fast hüftlangen Haaren gab sich gut gelaunt, erzählte spaßige Geschichten und versprach: „In diesen ursprünglichen Versionen, wie ich die Songs heute spiele, habe ich sie auch Uriah Heep vorgestellt.“ Da er immer noch sehr gut bei Stimme ist, klangen Lieder wie „Free me“ oder „Rain“ auch in diesen intimen Versionen absolut authentisch. Fazit: Dieser Mann hat noch jede Menge Power und machte einen wunderbaren Abend perfekt.


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