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Kultur
Montag, 20. November 2017 5

Premiere

Im Dunkeln lauern fiese Fettnäpfchen

Volker Schmalöer inszeniert in Regensburg Peter Shaffers „Black Comedy“ – eine Komödie mit Kippschalter.
Von Marianne Sperb, MZ

  • Regisseur Volker Schmalöer vor dem Theater Regensburg: Hier hat am 25. März seine Inszenierung von „Komödie im Dunkeln“ Premiere. Foto: Sperb
  • 2016 inszenierte Volker Schmalöer in Regensburg „Krach im Hause Gott“: hier eine Szene mit Gunnar Blume und Franziska Sörensen Foto: jochen Quast / MZ-Archiv

Regensburg. Volker Schmalöer wird für seinen Umgang mit ernsten Stoffen gefeiert, für Klassiker wie Bertolt Brechts „Baal“, Tennessee Williams „Endstation Sehnsucht“ und Arthur Millers „Tod eines Handlungsreisenden“. Dramen von Lessing, Shakespeare und Schiller liegen ihm. Dass der Regisseur aus der Karneval-Hochburg Köln auch ein Händchen für das Leichte, das hintergründig Lustige hat, zeigte er zuletzt im Februar in Paderborn, wo er Kleists „Amphitryon“ eher derb-komödiantisch als getragen in Szene setzte, und in Regensburg 2016 mit „Krach im Hause Gott“ am Haidplatz.

Fast genau ein Jahr später ist Volker Schmalöer in Regensburg wieder Gast auf Zeit. Der Regisseur inszeniert, diesmal im großen Haus am Bismarckplatz, Peter Shaffers „Komödie im Dunklen“, ein messerscharf getimtes Lust-Stück über einen jungen Künstler, der Eindruck schinden will.

Nur der Zuschauer ist im Bild

Das hoffnungsvolle Bildhauer-Talent (Benno Schulz) erwartet wichtigen Besuch: Der künftiger Schwiegervater, ein knurriger Colonel (Gerhard Herrmann), und ein schwerreicher Kunstsammler (Michael Heuberger) haben sich angesagt. Damit seine schäbige Bude seriös wirkt, beschließt er mit seiner naiv-entschlossenen Verlobten (Andine Pfrepper), sich das edle Mobiliar aus der Wohnung des schwulen Nachbarn (Patrick O. Beck) zu borgen, heimlich selbstredend.

Natürlich kommt alles anders als ausbaldowert. Der Strom fällt aus, Kerzen sind nicht aufzutreiben. Die libidinös aufgeladene Schnapsdrossel von Nebenan (Franziska Sörensen) schneit herein, der feinsinnige Antiquitätenhändler kehrt verfrüht nach Hause zurück, und plötzlich steht auch noch die recht unverkrampfte Ex-Freundin Clea (Verena Maria Bauer) vor der Tür.

Volker Schmalöer über die „Komödie im Dunkeln“: hier ein Video

Der Clou in der „Black Comedy“ des britischen Dramatikers: Die Figuren hören sich nur, die Zuschauer sehen alles. Die Bühne ist hell ausgeleuchtet, aber die Gäste stolpern durchs Dunkle. Umgekehrt: Sobald ein Streichholz aufflammt, wird das Licht gedimmt. Und während die Konversation Normalität behauptet, versucht der Jungkünstler, seinen Gästen das Sofa unterm Hintern wegzuziehen.

Das Kuddelmuddel um vertauschte Drinks und peinliche Verwechslungen liefert Steilvorlagen für Lacher. Der Zuschauer darf in Schadenfreude und erwartungsvollem Frohlocken baden, bis es – Juhu! – wieder aus einem der fies platzierten Fettnäpfchen spritzt. Und genau so, als Boulevardtheater mit Knalleffekt, will Volker Schmalöer die Komödie auch inszenieren.

„Ein Handwerksmonster“

Das Leichte ist schwierig. Text, Typen, Situationskomik und Lichttechnik sind in dem Stück des britischen Erfolgsautors so kunstvoll verzapft, dass jede Inszenierung scheitert, falls sie es ohne höchste Präzision, ohne hellwache Lichttechnik, vollständige verinnerlichte Charaktere und akkurates Timing versucht. Klar: Der Knalleffekt braucht einen konzentrierten Zündmeister. „Ein Handwerksmonster“ nennt Volker Schmalöer den Stoff. „Ich hab’ noch nie eine Arbeit gemacht, die so viel Fleiß erfordert.“ Den entlarvenden Moment zu fangen, ist manchmal die Sache einer einzigen Sekunde.

Shaffer schrieb auch „Amadeus“

  • Der Autor:

    Peter Shaffer gelang mit „Komödie im Dunkeln“ 1965 der internationale Durchbruch. Sein größter Erfolg war „Amadeus“. Die Verfilmung seines Stücks holte 1985 acht Oscars, einen erhielt der Dramatiker für sein Drehbuch.

  • Die Premiere:

    Die Inszenierung von Volker Schmalöer hat am 25. März (Samstag, 19.30 Uhr) Premiere im Theater am Bismarckplatz. Vorab gibt’s Eindrücke in der Matinee am 19. März (Sonntag, 11 Uhr) im Neuhaussaal.

Das Setting in der Regensburger Inzensierung folgt der Vorlage von Peter Shaffer. Die Story spielt im London der 1960er, mit Reminiszenzen an die Zeit von David Hockney, Twiggy und Portobello Road (Bühne und Kostüme: Monika Frenz).

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„Komödie im Dunkeln“ ist mehr als platter Klamauk. Das Stück von 1965 spricht, bei Licht besehen, einige Wahrheiten aus, die auch gut 50 Jahre nach der Uraufführung als Spiegel der Gesellschaft taugen. Es geht um Schein, Sein und Statusangst, um ein Bürgertum, das früher alles besser fand und sich Veränderungen nur schwerfällig stellt. Es geht um falsche Lebenshoffnungen, um Emanzipation, Tabubrüche und die Schwierigkeit, sich seine Wünsche einzugestehen. Wenn der Vorhang fällt, gibt es nur für ein Pärchen ein Happy-End. Die anderen Figuren bleiben enttäuscht zurück. Und der Zuschauer? Lacht.

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Volker Schmalöer über die "Komödie im Dunkeln"

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