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Kultur
Montag, 11. Dezember 2017 11

Album

Im Sog von Lorenz Kellhubers Jazzpiano

Der Nachwuchsstar aus der Oberpfalz legt das erste Soloalbum vor: Ein Live-Mitschnitt vom Jazzfestival in Montreux.
Von Michael Scheiner, MZ

Lorenz Kellhuber: ein Nachwuchsstar am Jazzpiano Foto: Scheiner

Regensburg. Nach drei Trioalben ist seit wenigen Tagen die erste Soloveröffentlichung von Lorenz Kellhuber erhältlich. Endlich, möchte man freudig ausrufen. Live war der in Berlin lebende Pianist in Regensburg schon mehrfach als Solist zu hören – beim Jazzweekend, in der Hochschule für Kirchenmusik, im Krankenhaus Barmherzige Brüder und manchmal im einen oder anderen Bandkontext.

Stets ist jeder einzelne Moment ein ästhetischer Genuss, ein Eintauchen in eine Welt voller Farben, komplexer musikalischer Ideen und mäandernder Fantasie. Immer setzt sich der junge Musiker einfach an den Flügel und lässt seiner Kreativität freien Lauf. Er nimmt seine Zuhörer mit auf mal leicht flirrende, mal anstrengende und fordernde Exkursionen. Selbst wenig jazzbewanderte und konservative Hörer lassen sich von den abwechslungsreichen Improvisationen, großen Spannungsbögen und perlenden Läufen seiner Finger einwickeln, mitreißen und überzeugen. Das beweist der begeisterte und anhaltende Beifall, den Kellhuber nach seinen Auftritten regelmäßig einsammeln kann.

Lorenz Kellhuber bei jazzahead!: hier im Video

Mag bei seinen Konzerten in Regensburg auch ein wenig Lokalpatriotismus mitgespielt haben – beim Auftritt auf dem legendären internationalen Jazz Festival im schweizerischen Montreux 2014 hatte dieser Aspekt nicht die geringste Bedeutung. Hier trat der Jazz-Jungstar – als solchen kann man den in Laaber aufgewachsenen Musiker durchaus bezeichnen – als Nobody vor einem Fachpublikum auf. Dennoch ist der Beifall, den man auf dem Album nachhören kann, nicht weniger begeistert und durchsetzt mit Bravo-Rufen. Ganz wie in Kellhubers heimatlicher Region. Mit seinem musikalisch opulenten freien Vortrag hat er 2014 sogar auf Anhieb den Piano Solo Wettbewerb unter Vorsitz des jamaikanischen Weltstars Monty Alexander in Montreux gewonnen. Live mitgeschnitten wurde sein Auftritt ein Jahr später beim 49. Jazzfestival. Dieser bestand aus frei improvisierten, elf bis 15 Minuten langen Stücken. In diesem spannenden dreiteiligen Set, das er mit dem eher im klassischen Bereich üblichen „Opus“ betitelte, entfaltet er alles an Schattierungen und Stimmungen, was sein reiches Spiel ausmacht. Schlüssig angelegt und mit technischer Brillanz glänzend ausgeführt, entwickelt sein empfindsames Spiel eine enorme Sogwirkung. Davon wird man fast unwiderstehlich in die Musik hineingezogen. In dieser Hinsicht kann man den jungen Pianisten mit dem sehr viel älteren Keith Jarrett vergleichen. Dessen Spiel entfaltet eine ähnliche Wirkung, auch wenn sich die zwei Könner musikalisch in vielem deutlich unterscheiden.

Zum Niederknien: ein Tribut an Jimi Hendrix

Sein fabelhaftes Montreux-Konzert hat Lorenz Kellhuber, inzwischen Leiter des Regensburger Uni Jazzorchesters, mit eigenwilligen Interpretationen von zwei Klassikern der Rockmusik abgeschlossen. Jimi Hendrix’ romantisch-schwärmerisches „Little Wing“ vom 67er „Axis“-Album ist ein zum Niederknien feiner Tribut an den großen Gitarristen.

Und das bluesige „Can’t Find My Way Home“, das Steve Winwood erstmals mit der Supergroup „Blind Faith“ aufgenommen hat, entfaltet unter Kellhubers Fingern eine solch innige Wärme und sehnsuchtsvolle Wehmut, dass man gar nicht auf den Gedanken kommt, den Text des Songs zu vermissen.

Das Album von Lorenz Kellhuber heißt „Live At The Montreux Jazz Festival“ und ist im Oktober 2017 erschienen bei Blackbird Music.

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