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Kultur
Montag, 18. Dezember 2017 1

Kleinkunst

Im Theaterkeller wird’s noch kuscheliger

Die alten Stühle im Statt-Theater weichen rückenfreundlicheren Modellen. Pünktlich zum Herbstprogramm ist alles fertig.
von Katrin Wolf, MZ

Matthias Nikisch sitzt auf den neuen Stühlen schon mal Probe – und freut sich mit Inge Faes und Peter Nikisch aufs Herbstprogramm. Foto: Wolf

Regensburg.Dampfig ist’s im Keller. Das ist in alten Gewölben im Sommer kein Wunder – im Regensburger Statt-Theater hat es aber damit zu tun, dass die Klimaanlage gerade repariert wird. Dass der hübsche kleine Keller mit der frisch gestrichenen Wand als Theater dient, lässt momentan nur die kleine Bühne erahnen – und der Stapel Stühle darauf, der mit einer Decke aus hellblauem Samtstoff zugedeckt ist.

Nicht nur Theaterfans freuen sich über die alten Stühle. Foto: Wolf

Von den alten Stühlen sind nur die Stellen im Boden sichtbar, an denen die Verankerung entfernt wurde. Sie mussten weichen, weil sie kurz davor waren, das Publikum abzuschrecken: „Kunst muss auch weh tun – aber so sehr dann doch nicht“, sagt Inge Faes. Sie ist zusammen mit Peter Nikisch und seinem Sohn Matthias die Inhaberin des kleinen Theaters in der Winklergasse. Seit den Anfangsjahren hat sich im Theater, das 2019 35. Jubiläum feiert, viel getan: Die Zahl der Vorstellungen ist auf über 200 im Jahr gewachsen. Die alten Bistrostühle sind von Anfang an dabei – sehr komfortabel waren sie noch nie. Und weil die Beschwerden aus dem Publikum anhielten, durfte es neue Stuhlmodelle testen. Gewonnen hat „der bequemste und eleganteste“, sagt Peter Nikisch.

Der Keller lockt gerade bei Hitze

Den ganzen Juli über hat das Theater Umbaupause. Im August erstrahlt dann alles in neuem Glanz: Der Boden wird erneuert, die Scheinwerfer arbeiten mit stromsparenden LED-Lampen. Die Zeiten, in denen die Feuchtigkeit das Holz an der Rückwand des Klaviers aufquellen ließ und sich aus der Klimaanlage schon mal ein Schwall Wasser über die Zuschauer ergoss, sind schon länger vorbei – dank Luftentfeuchter und regelmäßiger Wartung.

So sieht es momentan noch im Statt-Theater aus:

Kellertheater - Spherical Image - RICOH THETA

Kabarettfans können sich also beruhigt auf das Sommer- und Herbstprogramm freuen. Das Statt-Theater hat als erstes in Regensburg mit der klassischen Sommerpause gebrochen, erzählt Inge Faes. Im Juli ist die Konkurrenz diverser Freiluftveranstaltungen riesig, im August aber, wenn es ruhiger wird, gehen Theaterfreunde auch gerne in den Keller – gerade dann, wenn es draußen lange sehr heiß ist, sagt Faes. Und es muss ja auch nicht immer Biergarten sein: Die Inhaber des Statt-Theaters wollen eine ausgewogene Mischung aus Politik-/Gesellschafts- und Musikkabarett bieten.

Zwar füllen die eingeladenen Künstler keine Stadien – bei 70 Plätzen auf etwa 40 Quadratmetern wäre das auch nicht sinnvoll – aber dafür bietet das Theater „das, was nicht überall zu sehen ist“. Im August stehen mit Frank Lüdecke und HG. Butzko auch große Namen auf der kleinen Bühne. Butzko hat im Statt-Theater angefangen und beginnt auch heute noch jede Tournee dort.

Die Stars kommen gerne wieder

Auch andere Kabarettstars haben ihre Karriere im Statt-Theater gestartet, wie Urban Priol, Dieter Nuhr, Helmut Schleich oder Luise Kinseher. Zum Teil kommen sie immer noch, auch weil sie den unmittelbaren Kontakt zum Publikum schätzen.

Die Renovierung ist in vollem Gang. Foto: Wolf

Junge und weniger bekannte Künstler gibt es auch im neuen Programm zu entdecken. Peter Nikisch fällt es auf die Frage nach seinen persönlichen Highlights schwer, sich festzulegen. Auf ein paar Auftritte freut er sich aber doch besonders: Dazu gehören Barbara Kuster, laut Nikisch eine Künstlerin mit großer Präsenz, mit ihrem Programm „Viva Walküre“, der Schweizer Alain Frei, bekannt aus der „RebellComedy“ im WDR, oder Werner Brix, der sich eigentlich in Ruhe sein Burn-out therapieren lassen will – würde nicht ständig seine Mutter anrufen. Im November bieten „TBC – Totales Bamberger Cabaret“ Polit-Kabarett mit Comedy-Einlagen.

Und natürlich steht auch das Team selbst auf der Bühne: Inge Faes widmet sich im September zusammen mit Matthias Leitner dem Problem des Älterwerdens. Hieß das Vorgängerprogramm noch „Es wird eng“, holt „Es ist eng geworden“ die Protagonisten auf den Boden der Tatsachen. Im November startet dann „Kann denn #twittern #sünde sein?“ mit Inge Faes, Matthias Leitner und Tobias Ostermeier. Die Texte sind noch nicht geschrieben – schließlich wird sich in der Welt der (Lokal-)Politik bis dahin noch einiges tun. Und auch das Regensburglied der Künstler wird überarbeitet. Alles neu eben, wie der renovierte Spielort der selbst ernannten Kellerkinder.

Mehr Kultur gibt’s hier!

Hier gibt es die alten Stühle

  • Wer sich mit

    den alten Bistrostühlen etwas Theaterflair ins Wohnzimmer oder auf den Balkon holen will, kann sich unter Tel.: 0941/5 33 02 oder per E-Mail an info@statt-theater.de für 20 Euro ein Exemplar sichern.

  • Theaterfans, die

    sich auf einem der neuen Stühle verewigen wollen, können eine Stuhlpatenschaft erwerben.

  • Das komplette Programm

    und weitere Infos finden Sie im Internet unter www.statt-theater.de.

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