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Kultur
Montag, 20. November 2017 7

Bühne

Immer diese ollen Verwandten!

Regisseur Aron Stiehl schickt den „Vetter aus Dingsda“ in den Mief der 1950er Jahre – urkomisch, aufwändig und mit Hund.
Von Claudia Böckel, MZ

Michael Heuberger und Ruth Müllerin einer Szene aus „Der Vetter aus Dingsda“Foto: Martin Sigmund

Regensburg.Aufgepasst: „Der Vetter aus Dingsda“ ist kein Hundestück. Auch wenn dieser Eindruck entstanden sein mag durch die ausführlichen Berichte über das Casting des Bühnenhundes. Der echte Hund kommt auch nur im dritten Akt vor, der Menschenhund, also ein Mensch im Hundekostüm, ist allerdings die ganze Zeit mit dabei. Das musste einfach gesagt werden, nachdem schon Menschen gesichtet wurden, die an der Theaterkasse „Karten für das Hundestück“ kaufen wollten.

Regisseur Aron Stiehl, der in Hamburg unter Götz Friedrich Musiktheater-Regie studierte, schon an der Staatsoper in München arbeitete und in Valencia und Florenz mit La Fura del Baus eine überzeugend andere „Götterdämmerung“ auf die Bühne stellte, inszeniert den „Vetter aus Dingsda“ bereits zum dritten Mal: Premiere: Samstag (28. Oktober, 19.30 Uhr) im Theater am Bismarckplatz.

In Regensburg wird man das Werk von Eduard Künneke, laut Stiehl eine der besten der Berliner Operetten, lustig, romantisch und ernst erleben, im Gewand der 1950er. Uraufgeführt wurde „Der Vetter aus Dingsda“ 1921 in Berlin. Aber von den 1920ern hätte man heute so ein verfälschtes Bild, sagt Stiehl im Interview. So könne man zeigen, wie sehr die beiden jungen Frauen Julia und Hannchen eingeengt seien in spießige Moralvorstellungen.

Regisseur Aron Stiehl, der in Hamburg unter Götz Friedrich Musiktheater-Regie studierte, schon an der Staatsoper in München arbeitete und in Valencia und Florenz mit La Fura del Baus eine überzeugend andere „Götterdämmerung“ auf die Bühne stellte, inszeniert den „Vetter aus Dingsda“ bereits zum dritten Mal. Foto: Aljoša Rebol

Worum es geht? Um Liebeskummer, anstrengende Verwandte und unerwünschte Verehrer. Julia de Weert trauert ihrem Roderich hinterher, der seit sieben Jahren verschollen ist in Batavia. Wie man sich dieses Batavia in fernen südöstlichen Gefilden vorzustellen hat, wird man gleich zweimal erleben, einmal vor, einmal nach der Pause, politisch äußerst unkorrekt.

Onkel Josse und Tante Wimpel versuchen, sich Julias Vermögen durch geschickte Heiratsvermittlung unter den Nagel zu reißen. Sie wollen sie mit ihrem Neffen August verkuppeln. Dann tauchen noch zwei Fremde auf, die den Mädchen durchaus gefallen…

Michael Heuberger und Ruth Müller in einer Szene aus „Der Vetter aus Dingsda“ Foto:: Martin Sigmund

Man könne sich amüsieren und das Theater könne zeigen, was es technisch drauf habe. Der Aufwand sei vergleichsweise groß: ein riesiges Orchester mit teilweise romantischer Opernbesetzung, viel Blech- und Holzbläsern. Man habe es mit einem richtigen Ensemblestück zu tun, das ohne Chor auskommt, aber dem Ensemble auch in den kleineren Rollen alles abverlange. Anstrengend an dem Genre Operette sei, dass man singen und sprechen, tanzen und spielen müsse. Bei den Berliner Operetten gibt es viel mehr Dialoge als in der Wiener Operette. Das sei oft eine Schwierigkeit bei der Arbeit mit Sängern. In Regensburg sei das Ensemble allerdings wunderbar, auch die Besetzungen der Julia, Anna Pisareva und Theodora Varga, gingen fantastisch mit den Sprechtexten um.

Ruth Müller und Michael Heuberger spielen mit all ihrem komischen Talent ein seit 50 Jahren verheiratetes Paar, dessen Verhältnis von Missachtung, Hass und Missverständnissen gekennzeichnet sei. Das Essen spielt bei ihnen eine große Rolle, Essen als Sex des Alters.

Matthias Laferi und Martina Fender in einer Szene von „Der Vetter aus Dingsda“ Foto: Martin Sigmund

Stiehl hatte am Samstag gerade die Klavierhauptprobe absolviert und sei nicht ganz so deprimiert gewesen, wie sonst bei Klavierhauptproben, bei denen erstmalig alles zusammenkomme, Licht, Kostüme, Bühne, Technik, Umbauten, Umzüge. Er frage sich dann immer, warum er nichts Anständiges gelernt habe, sagt er augenzwinkernd. Er mache aber ein Kompliment an das Regensburger Haus, diesmal sei alles rund gelaufen. Die musikalische Leitung liegt bei Levente Török, einem noch sehr jungen Korrepetitor mit Dirigierverpflichtung, der eindeutig ein Händchen für Operette habe.

Lesen Sie mehr über das Theater Regensburg: hier

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