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Kultur
Montag, 25. September 2017 19° 3

Filmfestival

In Venedig triumphiert die Liebe

Viele Filme drehten sich um Krisen. Aber den Goldenen Löwen holte eine bildgewaltige Story über die Kraft der Gefühle.
Von Aliki Nassoufis, dpa

Der mexikanische Regisseur Guillermo del Toro küsst den Goldenen Löwen, den er in Venedig mit „The Shape of Water“ geholt hat. Foto: dpa

Venedig.Mit Tränen in den Augen steht der Mexikaner Guillermo del Toro auf der Bühne und umklammert mit beiden Händen seinen Preis, als wolle er ihn nie mehr hergeben. Tatsächlich schreibt er gerade Festivalgeschichte: Für seine bildgewaltige Liebesgeschichte „The Shape of Water“ gewann er am Samstagabend den Goldenen Löwen des Filmfestivals Venedig – und ist damit der erste mexikanische Regisseur, dem die Auszeichnung verliehen wird. Angesichts der düsteren Themen, die im diesjährigen Wettbewerb dominiert hatten, ist der Preis aber gleichzeitig auch ein Triumph der Liebe und ein Appell für mehr Menschlichkeit.

Sehen Sie hier den Trailer zu „The Shape of Water“:

Es ist eine fantasievolle und berührende Geschichte, die der 52 Jahre alte del Toro mit Sally Hawkins, Michael Shannon, Doug Jones und Octavia Spencer in „The Shape of Water“ erzählt. Im Mittelpunkt steht eine stumme Putzfrau, die nachts in einem riesigen Labor arbeitet. Dabei entdeckt sie ein im Wasser lebendes Wesen, das dort gefangen gehalten wird. Die Frau und das Wesen nähern sich an und verlieben sich. Als Forscher dann das vermeintliche Monster töten wollen, entschließt sich die Frau, das Geschöpf zu befreien. Nach Werken wie „Pans Labyrinth“ kreiert del Toro einmal mehr ein fantastisches Kunstwerk, das durch seine Bilder, ungewöhnlichen Einfälle und die tiefe Sympathie für Außenseiter fasziniert.

„Du musst alles riskieren“

„Wenn du dir selbst treu bleibst und das machst, woran du glaubst – bei mir sind das Monster – dann läuft es gut“, sagte del Toro bei der Preisverleihung. „Ich glaube an die Liebe, das Leben und das Kino.“ Er sei zwar schon 52 Jahre alt, wiege 300 Pfund und habe bereits zehn Filme gedreht: „Aber egal, wie alt du bist, du musst alles riskieren.“

„The Shape of Water“ fiel beim Filmfestival Venedig auch deswegen auf, weil viele der anderen 20 Beiträge im insgesamt starken Wettbewerb um politische Krisen, gesellschaftliche Missstände und persönliche Tragödien kreisten und so auf teils drastische Weise die Realität spiegelten. Dazu gehörte etwa die Flüchtlingsdoku „Human Flow“ des in Berlin lebenden Chinesen Ai Weiwei.

Die wichtigsten Preisträger von Venedig

  • Goldener Löwe für den besten Film:

    „The Shape of Water“ von Guillermo del Toro (USA)

  • Großer Preis der Jury:

    „Foxtrot“ von Samuel Maoz (Israel/Deutschland/Frankreich/Schweiz)

  • Silberner Löwe für die beste Regie:

    Xavier Legrand für „Jusqu’à la garde“ von Xavier Legrand (Frankreich)

  • Spezialpreis der Jury:

    „Sweet Country“ von Warwick Thornton (Australien)

  • Preis für den besten Schauspieler:

    Kamel El Basha für „The Insult“ von Ziad Doueiri (Frankreich/Libanon)

  • Preis für die beste Schauspielerin:

    Charlotte Rampling für „Hannah“ von Andrea Pallaoro (Italien/Belgien/Frankreich)

  • Preis für das beste Drehbuch:

    Martin McDonagh für „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“ (Regie: Martin McDonagh, Großbritannien)

  • Marcello-Mastroianni-Preis für den besten Jungdarsteller:

    Charlie Plummer für „Lean on Pete“ von Andrew Haigh (Großbritannien)

  • Luigi-De-Laurentiis-Preis für einen Debütfilm:

    „Jusqu’à la garde“ von Xavier Legrand (Frankreich) (dpa)

Der israelische Regisseur Samuel Maoz hat den Großen Preis der Jury für den Film „Foxtrot“ erhalten. Foto: Domenico Stinellis/AP/dpa

Der Künstler ging in Venedig am Ende aber leer aus. Stattdessen gab es Jubel für die andere deutsche Koproduktion „Foxtrot“, in der der Israeli Samuel Maoz vom Tod eines jungen Soldaten erzählt. Über verschiedene Zeitebenen und in teils skurrilen Sequenzen fängt er die Tragik des Geschehens, aber auch die Absurdität des Soldatenalltags ein. In Venedig gab es dafür den Großen Preis der Jury, die zweitwichtigste Auszeichnung. In Israel wurde Maoz für seine Militärkritik allerdings schon selbst angegriffen. „Wenn ich meine Heimat kritisiere, dann tue ich das, weil ich mir Sorgen mache“, erwiderte der Regisseur nach der Preisverleihung. „Ich tue es aus Liebe.“ Er hoffe, dass sein Film zu mehr Dialog führen werde.

Eine Mutter kämpft gegen Willkür

Der irische Dramatiker und Filmregisseur Martin McDonagh ist mit dem Preis für das beste Drehbuch ausgezeichnet worden. Foto: Domenico Stinellis/AP/dpa

Überhaupt wurden beim Filmfest vor allem mutige Werke ausgezeichnet: Der Ire Martin McDonagh erzählt in „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“ vom Kampf einer Mutter um Gerechtigkeit, spricht in der Tragikomödie aber noch Aspekte wie Polizeiwillkür und Rassismus an. Er wurde für das beste Drehbuch geehrt. Kamel El Basha gewann den Preis für den besten Schauspieler. In „The Insult“ verkörpert er einen Palästinenser, dessen Streit mit einem Libanesen zu einer politischen Krise führt.

Die britische Schauspielerin Charlotte Rampling freut sich über den Preis für die beste Schauspielerin in dem Film „Hannah“. Foto: Ettore Ferrari

Und mit Charlotte Rampling stand in „Hannah“ die Frau im Mittelpunkt, deren Mann verhaftet wird und die selbst an der Isolierung durch ihre Umgebung verzweifelt. Für ihre intensive und nuancierte Darstellung durfte die 71 Jahre alte Britin am Samstag den Preis als beste Schauspielerin entgegennehmen. Die Jury war von ihrer Leistung so angetan, dass sie Rampling bei der Preisverleihung mit Standing Ovations ehrte.

Weitere Ehrungen

Als bester Schauspieler wurde Kamel El Basha für „The Insult“ geehrt. In dem Drama von Ziad Doueiri spielt er einen palästinensischen Bauarbeiter, dessen Streit mit einem Anwohner einer Baustelle in Beirut so eskaliert, dass die libanesische Stadt fast vor einem Bürgerkrieg steht.

Der französische Regisseur Xavier Legrand hat zwei Trophäen erhalten. Foto: Domenico Stinellis/AP/dpa

Gleich zwei Auszeichnungen gingen an den Franzosen Xavier Legrand. Der junge Regisseur wurde für sein bedrückendes Scheidungsdrama „Jusqu’à la garde“ mit dem Silbernen Löwen als Preis für die beste Regie geehrt. Zuvor hatte er bereits den Luigi-De-Laurentiis-Preis für einen Debütfilm bekommen.

Der Newcomer Charlie Plummer steht vor einer großen Karriere. Foto: Domenico Stinellis

Der junge US-Amerikaner Charlie Plummer wurde mit dem Marcello-Mastroianni-Preis für den besten Jungdarsteller geehrt. Der 18-Jährige spielt in dem Drama „Lean on Pete“ des Briten Andrew Haigh einen verzweifelten Heranwachsenden. (dpa)

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