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Kultur
Samstag, 16. Dezember 2017 10

Konzert

Joja Wendts Publikum spielt immer mit

Der Klaviervirtuose kommt ins Audimax. Seine gute Laune nennt er „fast pathologisch“, über seinen Erfolg staunt er selbst.
Von Veronika Lintner, MZ

Joja Wendt ist viel unterwegs. Bald spielt er im Audimax. Foto: Wendt

Regensburg.Nachmittag im Pianohaus Metz: Über einer Landschaft aus Tasten, zwischen Konzertflügeln und Klavieren, erklingt der Hummelflug von Rimsky-Korsakow. Das virtuose Stück klingt dabei wie eine harmlose Fingerübung, wie ein Spaziergang. Der Mann, der hier spielt, ist Joja Wendt – Jazzpianist, Weltmusiker, Entertainer. Im Klavierhaus rührt der Hamburger die Werbetrommel für seine Tour, für „Die Kunst des Unmöglichen“, die ihn am 2. Dezember auch nach Regensburg führt. Vorab gibt Wendt Interviews, strahlt in Kameras, hält mit dem Metz-Team Smalltalk auf Fachchinesisch. 440 Hertz, so einigt man sich, sei die perfekte Stimmung für einen Konzertflügel. Die Stimmung des Pianisten selbst ist blendend.

In seinen Bühnenshows reizt Joja Wendt alle Klangregister aus, die ein Flügel bietet. Boogie-Woogie, Jazz und Klassik verknüpft er mit Geschichten, Nonsens und Witz. Die „Kunst des Unmöglichen“ liegt für ihn vor allem in größtmöglicher Vielfalt: „Ich zeige den Leuten, dass es eben nicht unmöglich ist, solche Sachen in einem Konzert zusammenzufassen. Die große Klammer bleibt natürlich das Klavier.“

Musikalischer Märchenonkel

Er erzählt allegro vivace – schnell und lebhaft, mit norddeutschem Tonfall. Seinem Auftritt im Audimax blickt er mit Vorfreude entgegen. Er erinnert sich gern an seine Lehrjahre als Student und Schüler: „Ich war ein Klavierjunkie. Ich hatte Hunger nach den Tasten.“ Nachts habe er sich in seiner Schule einsperren zu lassen, um zu üben. Mit seiner Schwester erfand er musikalische Märchen am Klavier: „Da habe ich gemerkt, wie viel Macht die Musik hat.“ Er erzählt und gibt den Märchenonkel: schlägt Triller, zupft an den Saiten, haut in die Tasten.

In den 90er-Jahren nahm seine Karriere Fahrt auf. Joe Cocker entdeckte den jungen Jazzpianisten in einer Hamburger Musikkneipe und nahm ihn ins Vorprogramm seiner Tournee. Eine spektakuläre Geschichte – mit Folgen. Die Tür zu den großen Bühnen öffnete sich. Wendt trat mit Blues-Legenden wie Fats Domino und Chuck Berry auf, auch mit Otto Waalkes. In der Carnegie Hall spielt er ebenso wie auf dem Metal-Festival in Wacken. „Da hab ich eine klassische spanische Nummer auf Heavy Metal arrangiert.“

Seine Musik will die Grenzen der Kulturen sprengen. „In 88 Tasten um die Welt“ hieß eines dieser Programme des Pianisten, der sich gerne als Weltbürger präsentiert: „Ich bin in China Leuten in den Armen gelegen. Wir sind beste Freunde geworden, obwohl wir nicht ein Wort miteinander reden konnten. Wir haben über die Musik richtig kommuniziert“.

Das Publikum spielt immer mit

Gemeinsam jammen, improvisieren, einander die Bälle zuwerfen – und vor allem zuhören. So wolle er nicht nur mit Musikern arbeiten, sondern auch mit dem Publikum: „Wenn die Leute von etwas begeistert sind, dann spielt man auch besser. Das ist immer eine Wechselwirkung.“ Was er zurückgeben möchte, ist vor allem gute Laune: „Ich bin gesegnet mit einem fast pathologischen Optimismus“.

Diese Lockerheit sei allerdings das Resultat harter Arbeit jenseits der Bühnenbretter, erzählt Wendt. Das Tourleben? Gut strukturiert. Sein Übungsplan? Fein getaktet. Alte Stücke pflegen, neue Nummern erarbeiten und dann an ganz neuem Material tüfteln – das sei der tägliche Dreiklang.

Über seinen Erfolg gerät Wendt manchmal selbst ins Staunen: „Dass man aus den Niederungen der Subkultur jetzt in der Hochkultur angekommen ist, ohne es zu planen, das war ja gar nicht abzusehen.“ In seltenen Momenten wird ihm das auch vor Publikum bewusst: „Doch, es gibt Lampenfieber. Bevor ich in der Elbphilharmonie auf die Bühne gegangen bin, hatte ich so eine leichte Nervosität.“ Sonst ist er gelassen: „Wenn ich auf die Bühne gehe, weiß ich, was da passiert. Ich weiß, wie das läuft. Und wenn man sich mal verspielt, ist das auch nicht schlimm.“ Humor bildet stets den Kitt.

Auch im Interview schüttelt Joja Wendt immer wieder einen neuen Spruch aus dem Ärmel, eine Anekdote von Rubinstein oder Horowitz. Ein Schwall an Worten, unterbrochen von lautem Lachen und Einlagen am Klavier. Dann verabschiedet er sich. Er geht auf Reisen und versucht sie zu meistern – die Kunst des Unmöglichen.

Am 2. Dezember gastiert Joja Wendt er mit seinem Show-Programm „Die Kunst des Unmöglichen – alles andere als Piano“ im Regensburger Audimax.


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