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Kultur
Dienstag, 21. November 2017 5

Konzert

Kälberer geht mit Klängen auf Reise

Im intimen Rahmen des Leeren Beutels stellte der Multiinstrumentalist sein aktuelles Soloprogramm „Suono“ vor.
Von Michael Scheiner, MZ

Martin Kälberer griff im Leeren Beutel zu seltenen Instrumenten – wie dieser Hang, ein wie ein Ufo geformtes, glänzendes Metallei. Foto: Scheiner

Regensburg.„Ich singe“, italienisch „suono“, ist die aktuelle Solo-Tour des Münchners Martin Kälberer nach seinem gleichnamigen Doppel-Album überschrieben. Gesungen hat er im Leeren Beutel, wo der langjährige Partner des Liedermachers Werner Schmidbauer am Sonntag gastierte, auch ein wenig. Meistens aber haben seine Instrumente gesungen. Allen voran die „Hang“, ein wie ein Ufo geformtes, glänzendes Metallei, das klanglich an die aus der Karibik stammende „Steel Pan“ erinnert. Wie diese sind auch auf der in der Schweiz entwickelten Hang verschiedene Klangfelder verteilt, die mit der Hand oder dem Finger angeschlagen werden. Ihr glockenartiger Klang fliegt regelrecht durch den Raum und weckte zuweilen den Eindruck, als würde jemand weit entfernt ohne Text und Worte in sich versunken singen.

Kälberers Musik lebt von Stimmungen und Klängen. Deshalb singt er – wenn er einmal statt in die Tasten zu greifen das Mikrofon in die Hand nimmt – auch keine vorgegebenen Texte oder Melodien. Er formt Klänge. Aus diesen gesungenen Lautmalereien nimmt er mit seiner Loop-Station oft eine bestimmte Sequenz auf und lässt sie in einer dauerhaften Schleife weiterlaufen. Ähnlich verfährt er auch mit rhythmischen Abschnitten, die er mit der Hang, einer irdenen Urdu oder anderen Perkussionsinstrumenten aufnimmt. Wie ein feines rhythmisches Geflecht tragen diese „Loops“ dann Kälberers Spiel auf dem E-Piano und verleihen der gefühlvollen Musik eine stimmungsvolle Weite und Tiefe.

Alles wird erzeugt

Nach der Pause führte er dem Publikum im Beutel diese Technik vor, weil „öfter mal auf meinen Konzerten zu hören ist, ich würde zu Playback spielen, also vorher aufgenommene Musik auf der Bühne laufen lassen.“

„Es ist alles hier erzeugt“, erklärte er lächelnd und freute sich über den spontanen Beifall des zahlenmäßig eher überschaubaren Zuhörerkreises. Seine Popularität, die der gebürtige Ulmer mit dem Sänger und Fernsehmoderator Schmidbauer und zu dritt mit dem sizilianischen Singer-Songwriter Pippo Pollina in zwei Jahrzehnten errungen hat, konnte er mit seinen Soloprogrammen bislang noch nicht voll ausschöpfen.

Von tanzend bis tief betrübt

Dafür ist seine eigene Musik auch nur schwer einzuordnen, ein Manko, das sich vor allem in einem geringen Medieneinsatz zeigt. Während seines abgebrochenen Musikstudiums in Graz hat sich Martin Kälberer vorrangig im Jazz vertieft. Bis heute hat diese Ausdrucksform einen festen Platz in seinen Stücken, die oft auf Jazz-Harmonien beruhen. Im Laufe seiner langen künstlerischen Karriere und Entwicklung aber hat Kälberer auch viele andere Stile und Formen in sich aufgenommen.

Diese finden sich in seiner Musik mal mehr, mal weniger deutlich wieder. So begann ein älteres Stück, „Klangfarbenmuster“ aus dem schönen Album „Between The Horizon“, das er in der zweiten Konzerthälfte über Loops auf dem E-Klavier spielte, in einem leichten brasilianischen Rhythmus regelrecht zu tanzen.

Andere Themen dagegen, wie einige als lockere Suite verstandene Stücke zum Thema „Morgenland“, wirkten eher verhalten, nachdenklich, manchmal fast ein wenig betrübt. Das drückt sich auch in der zurückgenommenen Lautstärke aus. Diese räumt den Klängen viel Raum ein, stützt den poetisch-gedämpften Charakter von Kälberers nuancenreichem Spiel. Bei so viel introvertierter Zurückhaltung und ausgeglichener Beherrschung wünscht man sich hie und da fast ein wenig Enthemmung, eine lustvolle Entladung der „angesammelten Spielfreude“, wie sie der Musiker zur Begrüßung am Anfang des Soloabends angekündigt hat.

Allerdings eignen sich dafür auch nur manche der Themen, die der Multiinstrumentalist in seinen songartigen Stücken verarbeitet hat. Gerade mit „Morgenland“ und „Aleppo“, das er selbst noch mit „1001 Nacht“ und Magie statt „mit Terrorismus und Islamismus“ in Verbindung bringe, aber auch mit einem Stück zum Artensterben setzt er sich auch mit gesellschaftlichen und philosophischen Fragen musikalisch auseinander. Mit seinem ruhigen introspektiven Spiel gelingt ihm das ganz ausgezeichnet. Der Beifall im Leeren Beutel zeigte, dass seine Fans – die stetig mehr werden – das ebenso sehen.

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