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Musik

Keine Ente: Puhdys gehen in Rente

Die Kultband aus der DDR ist auf Abschiedstour. In Berlin werden sie noch einmal groß gefeiert – von knapp 12 000 Fans.
Von Sophia-Caroline Kosel, dpa

  • Die Band Puhdys gibt mit insgesamt fünf Schlagzeugern ihr letztes Konzert auf ihrer Abschiedstournee: am Samstagabend in der Mercedes Benz-Arena in Berlin. Foto: Jörg Carstensen/dpa
  • Frontman der Puhdys: Dieter Birr in der Mercedes Benz-Arena in Berlin Foto: Jörg Carstensen/dpa

Berlin.„Alles was zu Ende ist, kann auch Anfang sein.“ Gleich mit den ersten Zeilen des ersten Liedes des Abends setzen sie Zeichen. Die Puhdys haben nun offiziell „Goodbye“ gesagt – doch auch nach ihrem letzten Konzert der zwölf Monate dauernden Abschiedstour ist noch nicht richtig Schluss. Die 11 500 Fans, die am Samstag in die ausverkaufte Berliner Mercedes-Benz Arena gekommen sind, gehen mit Flyern für die „Rocklegenden Tour“ nach Hause. „Zum letzten Mal gemeinsam live“, so der Slogan. Bis zum Sommer stehen die Puhdys noch mit Karat und City auf der Bühne.

Dieter Birr und seine Enkeltochter Annabel in der Mercedes Benz-Arena in Berlin Foto: Jörg Carstensen/dpa

Im Februar 2015 hatten Sänger Dieter Birr (71) alias „Maschine“ und seine vier Kollegen überraschend mitgeteilt, dass sie die Puhdys-Karriere beenden wollen, weil sie langsam doch zu alt werden. Im November 1969 hatten sie zum ersten Mal auf der Bühne gestanden; damals noch mit Coverversionen englischsprachiger Hits. Bis zum Fall der Mauer wurden sie zwölfmal zur beliebtesten Rockgruppe der DDR gewählt.

Das Konzert ist wie ein Familienabend

„Danke Puhdys für die schöne Zeit“, steht auf einem gebastelten Plakat. Die Fans – darunter viele Paare – sind mit „ihrer“ Band in die Jahre gekommen. Doch alle zusammen halten an diesem Abschiedsabend ganze drei Stunden durch. Ob „Das Buch“, „Alt wie ein Baum“ oder „Hiroshima“. Kaum einer der großen Hits aus mehr als vier Jahrzehnten fehlt – und das Konzert ist wie ein Familienabend, in dem in Erinnerungen geschwelgt wird.

„Wir sind jetzt im 46. Jahr und wollten uns bedanken bei all unseren Fans für diese fast lebenslange Treue.“

Dieter Birr

„Wir sind jetzt im 46. Jahr und wollten uns bedanken bei all unseren Fans für diese fast lebenslange Treue“, sagt Birr. Obwohl sie zu den erfolgreichsten Bands der DDR zählten und auch jetzt noch riesige Hallen füllen, wirken die Puhdys wie die Kumpels von nebenan. Er freue sich über jeden Fan, der ihn auf der Straße anspreche, hatte Birr vor einigen Jahren erzählt – von Star-Allüren keine Spur. Mehrfach bedankt sich „Maschine“ bei seinen Fans. Und diese klatschen nach und bei jedem Lied.

Im Duett mit der Enkelin

Auf der Bühne stehen teils drei Generationen. All ihre Kinder seien Musiker geworden, berichtet Birr. Er selbst singt ein einfühlsames Duett mit seiner Enkelin. Die Band Bell, Book and Candle ist mit dabei, in der einige Puhdys-Kinder spielen. „Er ist der Urenkel von meinem Opa“ – so stellt „Maschine“ seinen Sohn Andy vor.

„Jungs, Ihr werdet eine Riesenlücke hinterlassen – wir werden Euch sehr vermissen.“

Andy Birr

Dann gönnen sich die Jeans, T-Shirt und Lederjacke tragenden Rock-Opas drei Minuten Pause und die jungen Musiker singen den Puhdys-Klassiker „Es ist keine Ente, wir spielen bis zur Rockerrente.“ – „Jungs, Ihr werdet eine Riesenlücke hinterlassen – wir werden Euch sehr vermissen“, sagt Andy Birr dann.

Nach 20 gemeinsamen Jahren hatten die Puhdys schon einmal Goodbye gesagt: 80 000 Fans kamen 1989 auf den August-Bebel-Platz nach Berlin zum Abschiedskonzert. Aber schon bald kehrten sie wieder zurück.

Nun hat die Rocker-Altersteilzeit begonnen. Auch wenn „Maschine“ sowie Peter Meyer (75/Keyboard), Dieter Hertrampf (71/Gitarre), Peter Rasym (62/Bass) und Klaus Scharfschwerdt (61/Schlagzeug) ihr gemeinsames Projekt wohl bald beenden:

„Von den einzelnen Musikern werden wir sicherlich noch einiges zu hören bekommen“, hatte das Management bei der Bekanntgabe des Band-Abschieds verraten.

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