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Kultur
Sonntag, 22. Oktober 2017 12° 7

Bühne

Klamauk zwischen Klostermauern

Das Akademietheater Regensburg zeigt das Musical „Non(n)sens“: eine frische, frivole Inszenierung von Sara Weber.
Von Veronika Lintner, MZ

Waltraud Auer als Schwester Amnesia, mit Puppe „Mario Nett“ Foto: Lintner

Regensburg.Die Nebelmaschine läuft, die Scheinwerfer blitzen. Die bunte Broadway-Show im Regensburger Akademietheater kann eigentlich beginnen, doch die Farben des Abends sind schwarz und weiß. Fünf Klosterschwestern in Ordenstracht betreten die Bühne. Dort schwingen sie das Tanzbein und trällern: „Nonsens kann selig machen“.

So skurril beginnt das Musical „Non(n)sens“. Im Original stammt es von Dan Goggin; es feierte am Off-Broadway 1985 Premiere, avancierte auf kleineren Theater-Bühnen in New York zum Kassenschlager und wurde in 21 Sprachen übersetzt.

Ein Quintett im Nonnenkostüm begrüßt in Regensburg das Publikum. Die Schwestern laden ein zu einer besonderen Show. Mehr als makaber ist allerdings der Anlass, aus dem sie singen und tanzen. Eine verdorbene Bouillabaisse hat 52 Klosterschwestern dahingerafft. „Das war so etwas wie das letzte Abendmahl“, bemerkt Schwester Maria Hubert kichernd. Die Nonnen müssen nun als Showgirls das Geld auftreiben, um ihre Mitschwestern beerdigen zu können.

In jeder Nonne steckt ein Showgirl

Ein surrealer Plot, überdreht und absurd – schlichtweg Nonsens. Der Reiz des Stücks liegt in einem gewitzten Verdacht: Hinter Klostermauern verbirgt sich wohl mancher moralische Abgrund. Der Humor ist daher heiter bis zotig. Mal reißen die Schwester Nonnenwitze („Puh, ich glaube, ich habe einen Nonnenstich“), mal sind lockere Pointen mit biblischen Anspielungen zu hören. In jeder Schwester steckt dabei auch ein Showgirl. Selbst in der gestrengen Mutter Oberin und der vergesslichen Schwester Amnesia. Novizin Leo träumt von einer Karriere als Ballerina. „Verkauft euch, Mädels“, animiert die Oberin sie.

Waltraud Auer als Schwester Amnesia, mit Puppe „Mario Nett“ Foto: Lintner

Fünf Schauspielstudentinnen geben das muntere Quintett. Sie singen, tanzen, scherzen und streiten. Das wirkt weder so beschaulich wie in deutschen Vorabendserien („Um Himmels Willen“), noch so harmonisch und belehrend wie in Hollywoodfilmen („Sister Act“). Verantwortlich für die quirlige, frivole Inszenierung zeichnet Sara Weber, Studentin der Theaterpädagogik an der Akademie. „Non(n)sense“ ist ihre Arbeit des zweiten Semesters. Eine Herausforderung, die die junge Regisseurin da meistert, denn auch die Choreographien liegen in ihren Händen. Solonummern, Gruppentanz und Ballett-Einlagen prägen das Musical. Auch der Gesang überzeugt – obwohl keine der Darstellerinnen das Fach Musical studiert.

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Auf der kleinen Bühne zaubern sie eine charmante Show mit bescheidenen Mitteln. Nebelmaschine, Lichterketten und Scheinwerfer genügen. So entsteht ein klösterlicher Klamauk mit einem Hauch Broadway.

Weitere Vorstellungen sind am Samstag (16. September, 19.30 Uhr), und von 9. bis 11. November

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