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Kultur
Dienstag, 30. August 2016 26° 2

Odeon

Klassik kunterbunt beim Neujahrskonzert

„The Philharmonics“ begeisterten im Regensburger Audimax auch ohne Walzer – dafür mit Haltung und lässiger Virtuosität.
Von Andreas Meixner, MZ

The Philharmonics Foto: TP

Regensburg.Mit der Ankündigung eines „Wiener Neujahrskonzerts“ wurde das Publikum der Odeon Concerte am Montag zunächst gehörig aufs Glatteis geführt. Auch der Text des Programmhefts beschäftigte sich sehr ausführlich mit der weltweit bekannten und beliebten Tradition des Neujahrskonzerts am 1. Januar im großen Saal des Wiener Musikvereins.

Zu hören gab es keinen einzigen Walzer, schon gar nicht den Radetzky-Marsch. Und doch war es ein Konzert, dass über weite Strecken österreichischer nicht hätte sein können. „The Philharmonics“ (5 Streicher, Klarinette, Klavier) setzen sich mit Ausnahme des Cellisten Stephan Koncz (Berliner Philharmoniker) aus Mitgliedern der Wiener Philharmoniker und den slowenischen Brüdern Roman und Frantisek Janoska (Violine und Klavier) zusammen. Eine fast reines Destillat aus dem ehemaligen Habsburger Vielvölkerstaat Österreich-Ungarn.

Erklang auch in Regensburg: Stings „Englishman in New York“

Auch durch die herrlich charmante Moderation von Tibor Kovac entwickelte sich eine Atmosphäre folkloristischer Salonmusik aus Versatzstücken der ungarischen, österreichischen und europäischen Musiktradition, höchst kunstvoll garniert mit Klezmer und Jazzimprovisationen.

Im Grunde galoppierte das bunte Programm unsortiert vom Ungarischen Tanz Nr. 6 von Brahms rüber zu Liedern von Georg Kreisler („Caprice viennois“), hinein in den berühmten Tango „Por una Cabeza“ von Carlos Cardel, dann weiter zum Csárdás aus der Fledermaus und dem „Schwan“ aus dem Karneval der Tiere. Aus der Oper „La Juive“ von Halévy bekam man eine Kostprobe jüdischer Folklore, und mit dem „Danse Macabre“ war ein weiteres Mal Saint-Saëns spektakulär vertreten. Das alles geschah mit Lässigkeit und Haltung, perfekt in jeder Stilart und scheinbar losgelöst von virtuoser Mühsal. Allen voran zog Ödön Rácz – immerhin Solo-Kontrabassist der Wiener Philharmoniker – entspannt und federnd seinen Bogen über die Saiten, um dann wiederum in atemberaubenden Basslinien oder Jazzsoli zu versinken.

Die Jazzsession war zum Greifen nah

Überhaupt spielte der Jazz eine tragende Rolle. Daniel Ottensamer an seiner Klarinette und Frantisek Janoska am Klavier wirkten, als wollten sie jeden Moment das Regiment übernehmen und das Konzert endgültig in eine Jazz-Session verwandeln. Erstaunlich, wie sorgsam das wild zusammen gewürfelte Programm dann doch abgeschmeckt war. Dass ein „Wiener Neujahrskonzert“ mit einem wunderbaren Arrangement von Stings „A Englishman in New York“ enden würde, hätte niemand gedacht. Dem Publikum gefiel es, es schnippte lässig mit.

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