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Kultur
Donnerstag, 19. Oktober 2017 19° 2

Festival

Knallbunte Körper im Stadtraum

Die Regensburger Tanztage gibt’s erstmals als Sommerspecial. Star der Reihe ist eine Truppe, die leibhaftige Bilder kreiert.
Von Marianne Sperb, MZ

  • „Bodies in Urban Spaces“ ist weltweit unterwegs. Am 23. Juli bespielt die österreichische Truppe von Willi Dorner Regensburg. Foto: Cie. Willi Dorner
  • „Konfident Kollektiv“ präsentiert am 24. Juli „Inmotion“ in der Alten Mälzerei. Foto: Alte Mälzerei

Regensburg.Willi Dorner und seiner Truppe ist mit einer an sich simplen Idee ein Kunststück gelungen. Die Formation besetzt Stadträume mit choreografierten Bildern. Die Tänzer, Performer und Parkour-Läufer setzen sich in Fensternischen, belegen Treppen, gruppieren sich an Brunnen, türmen sich auf Sockeln. Die Körper in knallbunten Trikots erstarren jeweils für wenige Minuten zum tableau vivant, zum leibhaftigen Bild, das sich in die Köpfe der Betrachter brennt, bevor sich die Szene auflöst und die Truppe zur nächsten Station weiter zieht.

Willi Dorner hatte seinem Projekt „Bodies in Urban Spaces“ anfangs selbst keine großen Erfolgschancen gegeben. Heute ist er klüger: Das Kunstprojekt wird weltweit gefeiert, in rund 100 Metropolen, von Paris bis New York, war „Cie. Willi Dorner“ bereits zu Gast. Jetzt kommt die Truppe nach Regensburg. Der Auftritt, zu den Tanztagen der Alten Mälzerei Ende 2015 angekündigt, gab den Anstoß für mehr: Rund um das Gastspiel der Österreicher hat Alte-Mälzerei-Chef Hans Krottenthaler ein gar nicht so kleines Sommerfestival gestrickt.

„Kammerspiele“ zeigt am 9. Juli Stücke von vier Regensburger Choreografinnen. Foto: Alte Mälzerei

Die Alte Mälzerei, längst ein Hotspot für zeitgenössischen Tanz, entwickelt sich zum Tanz-Zentrum. 2015 gab es eine Reihe von Gesprächen über die Förderung der Regensburger Szene, es ging etwa um Probenräume und Ausstattung. Daraus entstand die „Tanzinitiative Regensburg 2016“. Im Konzept, erarbeitet von Alter Mälzerei, freier Szene und Kulturamt, sind zum Beispiel feste Zeiten für Tanzensembles verankert. Künftig sollen pro Jahr zwei oder drei Zeitfenster von je fünf bis sechs Tagen in der Alten Mälzerei reserviert sein. Choreografen können dann en bloc neue Produktionen entwickeln und dabei auch auf Beratung und Equipment der Mälzerei zurückgreifen. Die Stadt unterstützt die Initiative finanziell.

Neues von angesagten Tänzern

Die Tanztage, heiß geliebtes Highlight im Kulturkalender, erobern den Sommer. In der siebenteiligen Reihe präsentieren junge Regensburger Choreografen aktuelle Produktionen. Angesagte Protagonisten der Szene und einige Tänzer des Theaters Regensburg zeigen Tanz am Puls der Zeit. Auftakt ist mit „Kammerspiele“. Vier Choreografinnen erforschen Möglichkeiten des Raums: Amalia Darie und Eva Eger („Hypostase“), Helma Ebkemeier („Glückstage“) und Berenika Kmiec mit ihrer Company Raum B („The Screaming Chair“). Sie hinterfragen den Menschen als vermeintlich dauernde Einheit, definieren den Körper als Ort von Glück und untersuchen, wie die Anwesenheit von Körper auf den Raum wirkt.

Thea Sosani: Hier lesen Sie mehr über die Choreografin

Thea Sosani zeigt radikale und schonungslose Bilder. In „Gegenwärtiger Mensch – 5 Stationen“ führt sie an Abgründe der menschlichen Psyche, nimmt dem Stoff durch Humor aber auch die Schwere. Die Zuschauer wandern mit dem Stück im Leeren Beutel von Raum zu Raum.

Die Regensburger Tanztage: ein Glanzlicht im Kulturkalender. Hier lesen Sie mehr.

Das Konfident Kollektiv vereint Tänzer der freien Szene mit Tänzern des Theaters. Martina Feiertag, Tine Schmid und Dominic Braunersreuther haben mit Alessio Burani, Simonefrederick Scacchetti und Yosuke Kusano „Inmotion“ erarbeitet, einen mehrteiligen Tanzabend.

„Bodies in Urban Spaces“ ist das Herzstück der Sommertanztage. Choreografin Esther Steinkogel sondierte drei Tage lang mit Hans Krottenthaler 50 potentielle Schauplätze für die Performance – die Brunnen am Bismarckplatz oder die Freitreppe am Alten Rathaus. „Für Regensburg kann ich mir das Projekt gut vorstellen“, sagt Krottenthaler. Der Blick hat sich ans Welterbe gewöhnt. In der stark frequentierten Altstadt nimmt man Schönheiten und Besonderheiten kaum noch wahr. Die Performance schenkt überraschende Perspektiven, öffnet die Augen für die Stadt und produziert Bilder, sich festhaken.

Unvergesslicher Blick auf die Stadt

20 Regensburger wirken mit: Parkour-Läufer, Tänzer, Menschen, die fit und beweglich sind. Sie investieren viel Aufwand in die Sache und trainieren ab 18. Juli täglich sechs Stunden für den Parcours. Die Stadt wird am 23. Juli zu zwei Terminen bespielt; Start ist voraussichtlich am Neupfarrplatz. Viele Passanten dürften sich als Zuschauer spontan anschließen. So, wie am 23. Juli, werden sie Regensburg nie wieder sehen. Krottenthaler ist überzeugt: „Wer zum Beispiel die Rathaustreppe mit den Körpern gesehen hat, wird das nicht mehr vergessen. Er wird die Szene immer, wenn er am Rathaus vorbei geht, wieder vor sich sehen.“

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