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Kultur
Freitag, 23. Juni 2017 30° 4

Musik

Krieg und Frieden in einer CD

Die Platte „War Dreams“ des Vokalensembles Cantissimo ist im Regensburger Label Spektral erschienen.
Von Gerhard Dietel, MZ

Cantissimo vereint klagende und tröstende Passagen. Foto: Archiv

Regensburg.Das 1994 gegründete Vokalensemble Cantissimo tritt, wie der Superlativ in seinem Namen bereits signalisiert, mit hohem Anspruch an die Öffentlichkeit. A-Cappella-Gesang in Vollendung ist das Ziel, wobei die Sängerinnen und Sänger unter Leitung des Züricher Chorleitungs-Professors Markus Utz zugleich inhaltlich anspruchsvolle Programme gestalten. „War Dreams“ nennt sich die neueste, beim Regensburger Label Spektral erschienene CD von Cantissimo, die bei einem Auftritt in der Schweizer Pfarrkirche Weinfelden aufgenommen wurde, bei einem Konzert zum Thema „Krieg und Frieden“.

Um kämpferische gesellschaftliche Auseinandersetzungen geht es nicht nur in den titelgebenden „War Dreams“, die 2011 vom US-Komponisten Zachary Wadsworth komponiert wurden: Musik einer mit Worten des Dichters Walt Whitman angestimmten Klage um Kriegstote, in die, wie die Mücke im Bernstein, tröstende Passagen des Renaissance-Meisters William Byrd eingebettet sind.

Auch die weiteren eingesungenen Vokalsätze zeigen sich als Kunst mit politischer oder gesellschaftlicher Thematik, was sogar, wenn man hinter den Worten zu lesen versteht, für William Byrds Motette „Ne irascaris Domine“ gilt. Die Interpretationen von Cantissimo sind expressiv gestaltet und rühren beim Hören an. Auch in drastischeren Passagen sind die Stücke ausbalanciert durch das Ideal eines gerundeten chorischen Vollklangs.

Das Spektrum der Interpretationen reicht von der in weiten Linien strömenden Vokalpolyphonie der englischen Renaissance bis zu den enigmatischen Harmonien der „Dreimal tausend Jahre“ Arnold Schönbergs. Von den kantigen Klangblöcken der Brechtschen „Liturgie vom Hauch“ in der Vertonung Hanns Eislers bis hin zu fünf durch Michael Tippetts Hand veredelten „Negro Spirituals“, bei den eindringliche Solostimmen aus dem Chor hervortreten. Das mitkonzertierende Raschèr Saxophone Quartet sorgt zwischen den Vokalsätzen für meditative Ruhepunkte: mit einem Arrangement von Arvo Pärts minimalistischer Vertonung des „Da pacem Domine“ und einem „Abschied“ betitelten Satz Krzystof Pendereckis.

Sänger und Bläser setzen den gemeinsamen Schlusspunkt in dieser CD-Einspielung. „On the Dignity of Man“ betitelte der zeitgenössische deutsche Komponist Bernd Franke seine Vertonung eines Textes des Humanisten Pico della Mirandola. Singend und deklamierend, schließlich in tumultuarisches Schreien ausbrechend erkunden die Sänger die Herausforderung des Menschen, seinen Platz zwischen Göttlichem und Irdischem selbst zu bestimmen, grundiert von starren Saxophonklängen und Geräuscheffekten.

Die CD „War Dreams” des Raschèr Saxophone Quartets zusammen mit dem Ensemble Cantissimo unter der Leitung von Markus Utz ist bei Spektral Records erschienen und kostet etwa 15 Euro.

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