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Kultur
Montag, 11. Dezember 2017 4

Kabarett

Lassen Sie sich nichts vormachen!

Das „Totale Bamberger Cabarett“ TBC weiß im Statt-Theater mit „Aller Unfug ist schwer“ zu begeistern.
Von Peter Geiger, MZ

Handwerklich brillant: Das „Totale Bamberger Cabarett“ Foto: Geiger

Regensburg.Die einen sagen so, die anderen so. Wenn einer nämlich den Buchstaben T in den Mund nimmt, dann kann im Ohr des Zuhörers schon auch mal ein D ankommen. Michael A. Tomis bewaffnet sich gleich zu Beginn von „Aller Unfug ist schwer“ mit einer akustischen Gitarre, stimmt das TNT-Riff von AC/DC an und grölt dazu im Refrain die Initialen des „Totalen Bamberger Cabaretts“.

Was zum einen bedeutet: Das Publikum soll auf extrem niedrigschwellige Weise animiert werden. Und zum anderen: Wer sich jetzt ein X für ein U vormachen lässt beziehungsweise ein D für T, hat im Prinzip alles verstanden, was das Trio vorhat. Denn bei den Dreien aus Franken zählt das banale sprachliche Zeichen gar nichts. Stattdessen werden rund zwei Stunden lang Wörter, Parolen und Sätze auf ihre Mehrfachbedeutung und Doppelbödigkeit hin untersucht. Das ist nur die Basis für Nummern wie „Wertstoffhof“. Dort nämlich wird alles in Sammelbehältern eingemottet, was im politischen Diskurs außer Mode geraten ist. Was gestern noch einleuchtend war und über aufklärerische Strahlkraft verfügte, kann heute schon vor sich hinmodern.

Ein ähnliches Prinzip verfolgt das Trio bei der „Dopiade“: Würde nämlich der Anabolikaspiegel zum wahrhaften Gradmesser erhoben, für Treppchen und Tabellen, so wandelten auch Begriffe wie „Einlauf“, „Gelbes Trikot“ oder „Ausscheidungswettkämpfe“ flugs ihre Bedeutung. Jetzt könnte man vielleicht die Nase rümpfen und granteln: ‚Naja, Politkabarett der alten Schule halt!‘ Aber je länger „TBC“ auf der Bühne stehen – umso mehr spielen sie auch ihre handwerkliche Brillanz aus. Grandios ist die Nummer mit den tanzenden Urin-Bechern: Da rappen sie und klopfen so gekonnt komplizierte Takte, dass man glaubt, gleichzeitig eine Substanz ins Blut injiziert zu bekommen, die die Sauerstoffaufnahme verdreifacht. Weil man nämlich so lachen muss.

Florian Hoffmann überzeugt dann hinterher sehr gefühlsecht als youtubender Hipster, der in seinem Tutorial den „Brief“ anpreist: „Ja, das ist eine total geile Methode, Nachrichten zu posten, ganz ohne Internet!“ Und Georg Kröninger verfügt über grandiose stimmliche wie mimische Qualitäten, singt und grimassiert höchst souverän und begeistert als Erdogan ebenso wie als schiffbrüchige rheinische Pauschaltouristin, die den Bildungsgrad eines Seepferdchens glatt verfehlt. Und Michael A. Tomis? Ach, der kann auch viel mehr als das fränkische D! Und verdient sich parodistische Meriten als Wiedererwecker längst verblühter Showgrößen wie Inge Meysel oder Heinz Erhardt!

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