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Kultur
Mittwoch, 18. Oktober 2017 20° 2

Theater

Lauwarme Komödie auf finsterer Bühne

Die Regensburger Inszenierung der „Komödie im Dunkeln“ gerät zur betulichen Farce – bei der die Schauspieler aber überzeugen.
Von Michael Scheiner, MZ

Schauspieler Benno Schulz verkörpert Brindsley Miller, einen promiskuitiven jungen Bildhauer. Foto: Jochen Quast

Regensburg.1965 ist „Ein Fisch namens Wanda“ noch lange nicht in Sicht. Dagegen brüteten einige Oxford- und Cambridge-Absolventen bereits über skurrile Sketche für die BBC. Wenig später wurde aus ihnen die Komikertruppe Monty Python, die mit ihrem tiefschwarzen und absurden Humor mehr als ein Jahrzehnt Menschen weltweit in potenziell tödliches Dauerlachen versetzte.

Der britische Dramatiker und Autor Peter Shaffer aus Liverpool, wenig älter als die Python-Protagonisten, ruderte in dieser Zeit sichtlich noch im Kielwasser der Ealing-Komödien. Deren Humor war zu ihrer Zeit ebenfalls sehr schwarz, vor allem gegenüber den Harmlosigkeiten deutscher Provenienz, und eingebettet in groteske Situationen, dennoch spürbar zugänglicher und gesellschaftlich anschlussfähiger. Als bereits erfolgreicher Dramatiker veröffentlichte Shaffer 1965 – kurz nach Beginn der „Beatlemania“ – die Farce „Black Comedy“, mit der er europaweit und als „Komödie im Dunkeln“ auch in Deutschland seinen Durchbruch erlebte.

Farce auf stockfinsterer Bühne

Ein halbes Jahrhundert später erlebt die possierliche Farce um einen promiskuitiven jungen Bildhauer namens Brindsley Miller eine Wiederauferstehung im Theater Regensburg. Unter der Regie von Volker Schmalöer stolpern, eiern und kullern die sieben Charaktere über die hell erleuchtete, für sie aber stockfinstere Bühne, ab und an spärlich erleuchtet von einem Zündholz oder Feuerzeug. Das Wortspiel im Titel – eine Komödie, die im Dunkel spielt – gibt die Richtung vor. Auf den Geschmack wird das Publikum durch die lichtlose Eröffnungsszene gebracht, bei der Brindsley Miller (Benno Schulz) und seine Verlobte Carol Melkett (Andine Pfrepper) leichtfüßig durch das unbeleuchtete Zimmer tänzeln, sich Drinks mixen, aufs Sofa werfen. Solange, bis Carol den Plattenspieler einschaltet, um eine Schallplatte mit Marschmusik laufen zu lassen. Kurzschluss! Die Bühne erscheint hell erleuchtet, die Figuren selbst stehen bildlich im Stockdunkeln und sehen die Hand vor den Augen nicht mehr.

Warten auf den reichen Mäzen

Das komische Drama nimmt seinen Lauf, der Techniker vom Elektrizitätswerk lässt auf sich warten. Nacheinander treffen die ältliche, abstinente Nachbarin Miss Furnival (Franziska Sörensen), Carols Vater Colonel Melkett (Gerhard Hermann), der von einer Reise zurückgekehrte, schwule Nachbar Harold Gorringe (köstlich: Patrick O. Beck) und Brindsleys Ex- oder Noch-Geliebte Clea (trefflich: Verena Maria Bauer) ein und richten sich irgendwie im Finstern ein. Letztendlich erwartet wird ein reicher, russischer Kunstmäzen, der dem am Hungertuch nagenden Künstler zu einem Auskommen und damit der Zustimmung des Vaters zur Heirat mit Carol verhelfen soll. Um den Ansprüchen der Upper-Class-Vertreter zu genügen, haben die Verlobten edles Mobiliar aus der Wohnung des ausgeflogenen Nachbarn und Antiquitätenhändlers entliehen. Selbiges versucht Brindsley nun, da dieser vorzeitig zurückgekommen ist, im Finstern zurückzustellen. Chaos ist damit praktisch vorprogrammiert.

Komödie am Theater Regensburg

  • Inszenierung in Regensburg

    Die Komödie spielt vor dem Hintergrund der gesellschaftlichen Umbrüche Mitte der 60er Jahre. Die Inszenierung in Regensburg kreierte Volker Schmalöer, Ausstattung von Monika Frenz, das Licht machte Wanja Ostrower und die Dramaturgie Stephanie Junge.

  • Nächste Vorstellungen

    Die nächsten Vorstellungen finden heute Abend, 27. März, am Mittwoch, 29. März, am Dienstag, 4. April, am Montag, 10. April, und am Dienstag, 11. April, statt – jeweils um 19.30 Uhr. Weitere Infos finden Sie auch unter www.theater-regensburg.de/spielplan/

Das alles kann man lustig finden – vielleicht auch heute noch. Wirklich vergnüglich, witzig, pointiert frech oder gar urkomisch ist daran kaum noch etwas. Eher wirkt das Ganze ziemlich angestaubt, verströmt altbackenen Miss-Marple-Charme und wirkt so betulich wie die völlig unpassende Blümchentapete im Schlafzimmer des spießigen Kunstproduzenten. Das mag zu einem guten Teil an dem Stück selbst liegen, das nicht mehr in die Zeit passt. Wieviel junge Leute kennen heute noch einen Schallplattenspieler oder würden auf das Wort eines verknöcherten Vaters hören? Aber auch die betuliche und viel zu brave Inszenierung mutet eher wie einen lauwarmer Wickel für ein erschlafftes Zwerchfell an. Am allerwenigsten liegt es an der fast durchweg trefflichen Besetzung der Charaktere oder gar dem engagierten Spiel der Schauspieler. Diese leisten streckenweise Großartiges und sorgen damit dafür, dass die Zuschauer wenigstens hie und da ein wenig Spaß haben – und mit einer zeittypischen Beatles-Nummer abgehen.

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