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Kultur
Sonntag, 28. August 2016 33° 1

Festival

Leidenschaftlicher Juan Perro

Das spanische Kulturfestival Cinescultura wurde am Donnerstag mit der Deutschlandpremiere von Santiago Auserón im Leeren Beutel eröffnet.
Von Michael Scheiner, MZ

Santiago Auserón alias Juan Perro begeisterte mit seinem Gesang. Seine Plauderei verstand dagegen nur ein Teil des Publikums. Foto: Scheiner

Regensburg. „But I promise, I will!“ Santiago Auserón alias Juan Perro schwor Stein und Bein. Die „schöne deutsche Sprache“ werde er lernen – „in the future“. In der Zukunft also, wobei während seines Konzerts im Leeren Beutel durchaus unklar blieb, wann denn diese Zukunft eintreten könnte. Bis zu seiner Deutschlandpremiere hat sich der 59-jährige spanische Musiker und Songpoet viel Zeit gelassen. Von den glorreichen Zeiten des Gitarristen und Sängers als Mitglied der ungemein populären Poprockband „Radio Futura“, einmal sogar zur besten Band Spaniens gewählt, hat man hierzulande so gut wie nichts mitbekommen. Zumindest nicht außerhalb der spanischsprachigen Gemeinde.

Das erwies sich auch bei Auseróns erstem Auftritt im Land der Germanen als größtes Hindernis. Annähernd drei Viertel der Besucher hatte wenig bis keine Probleme, den Liedern des spanischen Singer-Songwriters, der sich nach dem Aus von „Radio Future“ nach einem ihrer Songs das Pseudonym Juan Perro zugelegt hat, zu folgen. Es setzte sich aus spanischsprechenden Studenten, universitärem Personal und Mitgliedern der spanischen Gemeinde von Regensburg zusammen.

Die restlichen Zuhörer aber taten sich reichlich schwer. Nach der Begrüßung in Englisch und zwei Halbsätzen in Deutsch, wechselte Auserón in seine Muttersprache und blieb dabei. Längere Plaudereien zu seinen Songs und unterhaltsame Bonmots erschlossen sich somit nur einem Teil des Publikums. Der Rest blieb bei redundantem Urlaubergestammel oder selbsterklärenden Stichworte wie „corazon“, „la pasión“ oder „el dolor“ auf Vermutungen angewiesen.

Wobei sich freilich ein Liebeslied auch im Spanischen keineswegs nur über den Text erschließt. Vortrag, eine Melodie, die auch Herzenswünsche, Leidenschaften und Sehnsüchte transportiert, und ein sanft schwingender Rhythmus führen auch musikalisch meist auf die richtige Spur. Und der Vortrag ist, neben den poetischen Texten über persönliche Erlebnisse und tiefe Eindrücke, Auseróns ausgesprochen großes Plus.

Der aus dem Norden Spaniens, aus Aragón, stammende Sänger verfügt über eine wandlungsfähige Stimme. Und er weiß diese höchst effektvoll einzusetzen. Mit charakteristischem Timbre, das manchmal an Tom Waits, an Lucio Dalla oder Paolo Conte erinnert, senkte er die Sehnsüchte nach „ihr, die so weit weg ist“ in die Herzen der Zuhörer. Wie viele dieser modernen, popmusikalisch sozialisierten Cantautori und Singer-Songwriter bedient sich Auserón bei vielen Spielarten und Stilen moderner Popularmusik. Blues, Jazz, Reggae, Poprock und lateinamerikanische Stilformen wie der kubanische Son setzt er mit feinem Gespür ein. Dabei schwingen immer auch die spanischen Wurzeln mit, weisen Spuren von Flamenco und spanischer Gitarrenmusik – manchmal in feinster Dosierung – auf.

Zu dieser feinen kulturspezifischen Note im Sound des modernen Songwritings hat viel der zweite Gitarrist, Joan Vinyals, mit seinem noblen Spiel beigetragen. Meist hielt sich der Katalane auffallend zurück, setzte hier einige Akzente und dort ein paar eigenwillige Betonungen, die aufhorchen ließen. Aber selbst in der zurückgenommenen Begleitung, in einfachen Melodielinien, gab er den Songs von Auserón ihre eigene Färbung.

In der vorletzten Nummer aber wurde Vinyals selbst zum Seiltänzer, ließ in einem überwältigenden Solo Funken aus seinem akustischen Instrument sprühen. Leidenschaftlich scattend begleitete er seine Linien und Akkorde mit der Stimme – damit weitest entfernt von „Poco Talento“, jenem talentfreien Sänger, den Auserón in einem spottlustigen Song mit heiterem Schmunzeln besungen hat. Das Publikum stand Kopf. Mit einem tänzerischen Latinostück verabschiedete sich das Duo – „Danke schön from the deep“ – und verließ gar nicht erst die Bühne. Begeisterte „¡Otra“-Rufe erzwangen mehrere Zugaben. Ein prima Eröffnungskonzert.

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