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Kultur
Montag, 23. Oktober 2017 12° 7

Kunst

Leuchtende Farben, satte Gegenwärtigkeit

„It’s Summertime“ in der Galerie Madesta versammelt die Werke internationaler Pop-Art-Stars in einer Ausstellung.
Von Gabriele Mayer, MZ

Adolf Luthers Hohlspiegelobjekt ist derzeit in der Ausstellung „It’s summertime“ in Regensburg zu sehen. Foto: altrofoto.de

Regensburg.Coole Ausstellung, die heiß macht auf erlesene Arbeiten von mehr als 20 Stars. Dem Besucher, der die Galerie betritt, strahlt ein großformatiges, neues Alterswerk von Alex Katz entgegen. „Strahlt“, obwohl der Grund des Bildes tiefes Schwarz ist, doch ein Schwarz, das leuchtet und aus dem sich wie polyphone Klänge zarte rote Farbflecken schälen. Blütenblätter, vielleicht, denn die Arbeit schwebt in ihrem überaus sinnlichen Reiz zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion. Zwischen Tiefenwirkung und Oberflächen-Spielen. Zwischen freundlich und abgründig.

„Natur“ hat Galeristin Madesta das Thema dieses ersten Raums genannt. Ein Wurm von Keith Haring, hochaufgestellt, in Blau, betatscht eine Blume, oder was? Gegenüber Alex Katz noch einmal groß mit Sonnenbrillen-Ladys, unter breitkrempigen Hüten, alles Schwarz auf Glutgelb in pulsierendem Gleichtakt. Dann zwei kleine Preziosen von Andy Warhol. Ein Unikat: Blumen. Und eine frühe handkolorierte Radierung: eine Hand in feinsten Umrisslinien gezeichnet, und eine Blume, die die Hand berührt, ein Inbild.

Die Galeristin versteht es, unterschiedliche Arbeiten und Positionen in einen herrlichen Dialog zu bringen. Denn ein Bild ist nicht nur ein Bild, es geht auch darum, wie Bilder einander befruchten können, dadurch anders werden, andere mentale Anschauungs-Räume und zusätzliche Lebendigkeit aus sich heraustreiben. Vibrierende Atmosphären breiten sich aus.

Farbflecken und Holzschnitte

Der zweite Raum setzt Arbeiten des Regensburgers Heiner Riepl ins Gespräch mit Georg Baselitz. Die Bilder Riepls sind ungewöhnlich, bewegen sich sogar in Richtung gegenständlicher Malerei. Durch den gespachtelten Farbauftrag entstehen grafische Strukturen. Und durch die Schichtung der Farbflecken, die hier auch eckiger sind als sonst, entsteht eine erstaunliche Raum-Wirkung, die bis zur anderen Wand reicht und dort auf die Holzschnitte von Baselitz trifft.

Wie Spotlights funkeln aus dem Dunkel ihrer Hintergründe Geschichten heraus, eigentlich sind es nur grafische Strukturen, die Striche bilden und sich verdichten. Diese Striche wiederum korrespondieren mit einem Warhol, der nicht nur den bekannten Beethoven-Kopf zeigt, zum Groß-Icon geronnen, so dass wir uns permanent fragen dürfen, was er uns denn heute bedeutet. Sondern Warhol setzt die Linien der Notenschreibung dazu und macht aus diesen Strichen Schrift, die uns dann in anderer Weise bei anderen Künstlern begegnet. Und so führt Bild für Bild eines zum anderen und bildet weite Kreise der Verhältnisse von Motiven und formalen Entsprechungen und ihren Auslegungen. Ein Karussell der Positionen, wobei der jeweilige Preis der Werke auch mit ihrer Rarität zusammenhängt.

Wie ein kosmisches schwarzes Loch

Im hinteren Raum treffen wir Zero und seinen Umkreis. Ein aus irrlichternden Hohlspiegeln zusammengesetztes rares Wand-Objekt von Adolf Luther wäre für eine Bar geeignet. In ihm spiegelt sich op-art-nah eine Serigraphie von Rupprecht Geiger, Kühle ausstrahlend, aber intensiv: ein großer schwarzer Kreis wirkt wie eine Kugel, die den Betrachter zu sich heranzieht, als wäre sie ein kosmisches schwarzes Loch. Und um diese große Mitte dreht sich der Bildrechtecks-Rest, der aus einem Violett besteht, das unmerklich in Blau übergeht, wie ein Sphärensingsang. Günther Uecker kommt dann ganz ohne Farbe aus, alles abgeworfen, nackt, nur Prägedruck, geometrisch, dekorativ, bewegt. Subtil verspielt ist diese Sommer-Show, überaus elegant und nebenbei ein kunstgeschichtlicher Querverbindungs-Parcours.

Im letzen Raum ein Aufsteiger der Gegenwarts-Szene, Mr. Brainwash in der Maske von Banksy. Grell und bunt wird hier die Populärkultur-Geschichte aufgemischt, schablonenartig, comicverschnittartig und palimpsestmäßig das eine mit dem anderen so gekonnt überschrieben, als würde an einer Plakatwand der kollektive Bild-Fundus die letzten 60 Jahre heruntergerissen und fetzenweise sichtbar.

Wenn Chaplin dann mit Farbeimer und Malerrolle und seinem bösen melancholischen Blick hervortritt, so ist das nicht nur ein Zitat, sondern Zurückweisung und Aufforderung zugleich. Comic trifft Street-Art, aber farbklecksstrotzend. Auf die Qualität der Bilder und auf die Qualität der Mischung kommt es an. Ein fluoreszierendes VW-Käfer-Bild (von Warhol, ebenfalls eine Rarität) fusioniert die Technik- mit der Kunst-Geschichte.

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