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Kultur
Mittwoch, 20. September 2017 16° 4

Pop

Liebe in all ihren rosaroten Facetten

Der irische Popbarde Ronan Keating zieht bei den Schlossfestspielen alle romantischen Register. Das Publikum dankt es ihm.
Von Veronika Lintner, MZ

Kommt in meine Arme! Ronan Keating weiß sein Publikum mit großen Gesten mitzunehmen. Foto: altrofoto.de

Regensburg.Eine Welle der besonderen Art schwappte in den Neunzigern über die weltweiten Charts. Das Phänomen der Boybands kaperte die Hitparaden und verzückte alle zahnbespangten Teenager. „Take That“ und „NSYNC“ hießen diese Bands, die alle demselben Strickmuster folgten: fünf Jungs mit feinen Stimmen, Tanztalent und niedlichen Gesichtern. Was als Strandgut zurückblieb, als die Welle wieder abebbte? Eine Handvoll Sänger, die sich nach der Boygroup-Karriere als Solokünstler zum Weltstar mauserten. Robbie Williams heißen sie und Justin Timberlake. Oder aber Ronan Keating. Und dieser irische Popstar gab sich am Sonntag bei den Regensburger Schlossfestspielen die Ehre.

Beeindruckt von der Kulisse

In Cowboymontur, mit weißem Hut, Halstuch und schwarzer Weste, betritt Ronan Keating die Bühne. Dort präsentiert er mit seiner Tournee-Band ein Potpourri aus neuen Songs und altbekannten Ohrwürmern. Er begrüßt das Publikum, bedankt sich artig bei der Fürstin für die Einladung und zeigt sich beeindruckt von der edlen Kulisse. Kein alltägliches Ambiente, selbst für einen erfahrenen Popstar. Vor fast 25 Jahren begann Ronan Keatings Bühnenkarriere. Aus 300 Bewerbern wurde er in die irische Gruppe „Boyzone“ gecastet. 25 Millionen verkaufte Platten und eine Bandauflösung später sind die Hits der Gruppe vergessen. Keatings eigene Songs dröhnen aber nach wie vor über alle Radiosender.

Mit „Lovin’ Each Day“, einem seiner Klassiker aus dem Jahr 2001, heizt er die Stimmung im Schlosshof an. Bei seinem Cover von Cat Stevens „Father and Son“ singt auch das Publikum mit. Dabei hat der Sänger die alten Boyband-Gesten noch immer parat: weit ausgestreckte Arme, ein Zeigefinger, der ins Publikum deutet, eine Hand, die ans Herz fasst. Zwischen den Songs scherzt Keating mit dem Publikum. Bei schnellen Nummern tänzelt er über die Bühne. Aber seine Musik bleibt trotzdem eine ironiefreie Zone.

Stolz erzählt der Sänger von seinem neuen Soloalbum „Time of My Life“. Seit August 2016 tourt er mit diesen neuen Songs um den Globus. Dabei entstand das Album im ganz kleinen Rahmen: In Keatings Küche in London wurden die Songs aufgenommen. Und diese intime Stimmung versucht er mit ein paar Barhockern und sanftem, rührigen Gitarrenpop auf St. Emmeram herbeizuzaubern.

Auch wenn die Lieder dem handelsüblichen Rezept von Popsongs und Powerballaden folgen, schwingt in jeder Nummer die Eigenmarke „Keating“ mit. Ronan Keating ist seinen Wurzeln treu geblieben. Er trällert Balladen, die von der Liebe erzählen, in all ihren schmachtenden, rosaroten Facetten. „Breathe“ oder „Landslide“ heißen solche Songs, die charmant auf die Tränendrüse drücken. Gerne zeigt sich der irische Popbarde auch als Familienmensch. Er schwärmt von seiner Frau Storm, die ihm zur Seite steht, er widmet seinem jüngsten Sohn Cooper den Song „In Your Arms“.

Keatings glasklare Stimme besitzt einen hohen Wiedererkennungswert und treibt das Konzert bis zur letzten Minute souverän an. Unterstützt wird er von Sänger und Gitarrist Dan Healy, der an Keatings neuen Songs mitgetüftelt hat. Und im Duett „Last Thing On My Mind“ zeigt auch Backgroundsängerin Jo Garland ihr Können.

„I love country music“ – so erklärt Keating den Sound seiner Songs. Dass er Country-Musik liebt, muss der Ire aber gar nicht erst betonen, wenn er im Cowboyoutfit über die Bühne tanzt. „As Long As We’re In Love“ ist so eine Powerballade im Country-Stil. Eine ebenso rührige Hymne an seine Heimatstadt Dublin hat er mit „Don’t Think I Remember“ verfasst. Der heimelige Sound eines Akkordeons sorgt hier für eine angenehme Prise Kitsch.

Sehen Sie hier die Bilder des Abends:

Bilder des dritten Abends mit Ronan Keating

Fans stimmen textsicher ein

Zum Finale zieht Keating alle Register. „When You Say Nothing at All“, mit diesem Stück katapultierte er sich 1999 als Solist ins Rampenlicht. Durch den Soundtrack zur romantischen Komödie „Notting Hill“ wurde aus der Ballade ein Welterfolg. Mit dabei: ein liebliches Flötensolo, das selbst den legendären Auftakt von Celine Dions „My Heart Will Go On“ fast verblassen lässt. Textsicher stimmt das Publikum ein. Ein Meer von Handykameras hält den Moment fest.

Dieser Hit bricht zum Ende des Programms das letzte Eis im fürstlichen Schlosshof. Ronan Keating zündet noch einmal eine unerwartete Rakete. Mit „Brown Eyed Girl“ lockt er das Publikum vor die Bühne, die Menge beginnt zu tanzen. Zu „Life Is A Rollercoaster“ nimmt der Popstar in Rockstarmanier ein Bad in der Menge. Der kleine Ire mit dem Hut wandert durch die Reihen. Musiker zu sein, sei „the best job in the world“ – der beste Job der Welt, lässt Keating an diesem lauschigen Sommerabend einmal verlauten.

Und in so einem Moment, wenn er eine umjubelte Ehrenrunde durch das Publikum dreht, kann man ihm das fast glauben.

Wir berichten im NewsBlog von den Regensburger Schlossfestspielen – hier:

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