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Kultur
Donnerstag, 19. Oktober 2017 19° 2

Premiere

List und Liebe besiegen faulen Zauber

Das Junge Theater Regensburg bringt „Krabat“ auf die Bühne – mit Videos, neuen Liedern und sogar mit ein bisschen Kampftanz.
Von Marianne Sperb, MZ

  • „Krabat“ von Otfried Preußler ist Schulstoff. Das Junge Theater Regensburg bringt die Erzählung in einer eigenen Fassung auf die Bühne. Foto: dpa
  • Jule Kracht inszeniert „Krabat“ am Jungen Theater. Foto: Damian Irzik

Regensburg.Regensburg. „Krabat“, die Geschichte vom bösen Zauberer und seinen willfährigen Mühlenjungen, ist ein Klassiker der Jugendliteratur. Otfried Preußlers Roman wurde in 37 Sprachen übersetzt und gehört längst zum Schulstoff.

Der Roman über den jungen Krabat, der lernt, der Verführung zu widerstehen und der sich für Menschlichkeit statt Macht entscheidet, hat Kreise gezogen: als Oper, als Ballett, als Liederzyklus, in diversen Hörbuch-Fassungen, als Kinofilm und natürlich als Theaterstück. Zuletzt, 2016, inszenierte Regisseur Jörg Hinkel „Krabat“ bei den Bad Hersfelder Festspielen. Jetzt bringt das Junge Theater Regensburg den Stoff auf die Bühne – in einer eigenen Fassung.

Regisseurin Jule Kracht und Dramaturg Dr. Daniel Thierjung haben Otfried Preußlers Meisterwerk kräftig durchgerüttelt, mit Rückblenden ausgestattet und auf vier Schauspieler zugeschnitten, die durch verschiedene Rollen switchen. Statt der zwölf Burschen, ihrem Meister und dem Mädchen Kantorka setzt in Regensburg ein Quartett die Geschichte um: Ludwig Hohl, Franziska Plüschke, Stephan Hirschpoitner und Marcel Klein. Die vier treffen sich zehn Jahre nach den tragischen Ereignissen in der Mühle an der Ruine wieder, denken an die Toten von damals und an die bleibenden Lehren.

Gruselig – und ziemlich klug

„Krabat“ ist starker Tobak. Otfried Preußler folgt der sorbischen Sage von einem Waisenkind, das in einer Mühle Aufnahme findet und vom Meister ihn in der „Schwarzen Kunst“ unterwiesen wird. Jedes Jahr stirbt einer der Kameraden auf mysteriöse Art und erst nach und nach entdeckt Krabat das teuflische Opferritual, das dem Zauberer für jedes Leben ein weiteres Jahr Lebenszeit schenkt. Mit der Liebe eines Mädchens aus dem Dorf und mit Hilfe eines Gesellen, der so listig ist, sich dumm zu stellen, kann Krabat dem Meister die Stirn bieten und die Müllerburschen befreien.

Der Stoff ist kein Amüsier-Theater, macht Regisseurin Jule Kracht klar. „Da kann es auch Zwölfjährige gruseln.“ Der Kniff, die Handlung in eine Erzählung einzubinden, die sich im Rückspiegel abspielt, schafft allerdings eine gewisse Distanz, einen emotionalen Schutzraum.

Als Geschichte „aller jungen Leute, die mit der Macht und ihren Verlockungen in Berührung kommen und sich darin verstricken“ charakterisierte Otfried Preußler sein Buch, an dem er zehn Jahre lang geschrieben hatte, bevor es 1971 auf den Markt kam.

Verführbarkeit und falsche Führer, die Suche nach Ersatzfamilie und die Befreiung aus dem Gruppenzwang: Die Themen aus „Krabat“ sind zeitlos, aber gerade wieder sehr aktuell, denkt man etwa an den Islamischen Staat, der seinen Rekruten nicht nur Lebensunterhalt und -sinn verspricht, sondern auch Gruppenzugehörigkeit, Respekt und Macht. „Krabat“ ist die Folie, auf der dem Publikum Strategien vermittelt werden, um sich aus schädlichen Verstrickungen zu befreien. Tapferkeit gehört zu diesen Mitteln natürlich, aber auch List und Liebe. Jule Kracht: „All das wird hier wunderbar erzählt.“ „Krabat“ ist üppig ausgestattet. „Kein anderes Stück am Jungen Theater arbeitet mit so vielen Licht- und Ton-Einsätzen“, verdeutlicht Daniel Thierjung. Nora Lau (Bühne und Kostüme) deutet mit angekokelten Stücken die Kulisse der verlassenen Mühle an und lässt den Bühnenraum weitgehend undefiniert. Die Zeitsprünge vollziehen sich durch Licht, Ton, Musik und durch Videos, die an Kohle-Zeichnungen eines Tagebuchs erinnern. Die Einspieler kommen von Jesse Kracht vom Maxim-Gorki-Theater Berlin, dem Bruder der Regisseurin.

Durchkomponiert wie ein Film

Jan Maihorn, Berliner Jazzer, Komponist und Sounddesigner, hat die Musik zu „Krabat“ arrangiert und komponiert, wie für einen Kinofilm, und sogar zwei Lieder für die Inszenierung geschrieben. Auch Tanz oder vielmehr: Bewegungschoreografie kommt vor. Schauspielerin Franziska Plüschke hat eine Choreografie für die Müllerburschen entwickelt und sich dabei zum Beispiel von einem neuseeländischen Kampftanz inspirieren lassen.

Die Produktion dürfte ein Selbstläufer werden. Die Schulvorstellungen sind schon ausgebucht.

Premiere: Samstag, 11. Februar, 18 Uhr, Junges Theater, Bismarckplatz

Unter den Top Ten

  • Ranking:

    „I’m afraid of what you do in the name of your god“ landet im „virtuellen Theatertreffen 2017“ des Portals nachtkritik.de unter den Top Ten. Die Stückentwicklung am Jungen Theater Regensburg, 2016 von Spartenleiterin Maria-Elena Hackbarth inszeniert, behauptet sich hinter Arbeiten aus Bochum, München, Dortmund und Brüssel auf einem beachtlichen Rang fünf.

  • Auswahl:

    Nachtkritik.de ließ das Publikum unter 50 herausragenden Inszenierungen des Jahres abstimmen; die Auswahl hatten Autoren des Portals zusammengestellt. 8363 Stimmen wurden abgegeben. Die Regensburger Inszenierung erhielt 313 Stimmen. „Die Schöne und das Biest“ am Prinzregententheater Bochum (Regie: Romy Schmidt), die im Ranking auf dem ersten Platz landete, kam auf 686 Stimmen.

MZ

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