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Kultur
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Literatur

Magisches Märchenschloss mit Trollen

In ihrem neuen Roman „Kuckucksparadies“ will die Regensburger Autorin Lisa Weichart den Zauber des Alltags beschreiben.
Von Ralf Strasser, MZ

Lisa Weichart in ihrer Schreibecke: Zwischen Lavatischlampe und Gartenblick entstehen die Bücher der 53-jährigen Regensburgerin. Foto: msr

Regensburg.Mit dem Paradies ist das so eine Sache. Vor allem dann, wenn das eigene von einer Kreissäge, Ölfässern und Kaulquappen dominiert wird, während in anderen Paradiesen Gemüsebeete mit Zierpflanzen in Blumentrögen kokettieren. Für Mona ist das aber einerlei. Sie macht sich ihr eigenes Märchenschloss, ihr eigenes schönes Nest. Die stille, aber kreative Mona ist die Protagonistin in dem Roman „Kuckucksparadies“ von Lisa Weichart, die Geschichte eines Zaubers, der mit der Kindheit erstmal endet und doch nie aufhört.

Das Leben der alleinerziehenden Mona wird mehr vom Vater beeinflusst, als von ihrem Mann einschließlich ihrer eigenen Söhne. Mona bastelt Trolle. Ist Mona verrückt? Ja, ver-rückt ist sie, denn sie hört auf innere Stimmen.

„Dumme Gedanken sind wie Motten. Es sollte Kugeln dagegen geben, die man einfach in den Kopf hängen könnte“, lässt die Autorin ihre Buch-Mona sinnieren, auf dem Weg über selbst hergestellte Trolle, neue Liebe bis nach Hollywood und an den Punkt, an dem der Knoten platzt und sie wieder zurück geht zu ihren Anfängen. „Der Schlüssel zum Selbstbewusstsein liegt in den Begegnungen“, sagt Lisa Weichart.

Lisa Weichart ist keine Unbekannte mehr in der Welt der Literatur. In Regensburg geboren und in Regensburg mittels Facebook mit der Welt vernetzt. Eine, die sich als zügig, knackig, ein wenig schräg, ungeduldig und zielstrebig bezeichnet. Sie will Stimmungen artikulieren mit Texten und Worten. Die Magie und den Zauber des eigenen Alltags beschreiben. „Nicht für mich, sondern für den Leser, damit der sich an seine eigenen Schrammen im Allerlei des Lebens erinnert.“ Nicht nur lesen, was geschrieben steht, sondern schauen, was in einem selber auf der eigenen Leinwand entsteht. Kopf- und Bauchkino eben.

Besser als Fernsehschauen

Lisa Weichart ist das, was man „selfmade“ nennt. Musik hat sie gemacht, gesungen, auf dem Keyboard gespielt. Sie ist dreifache Mutter, arbeitet als Kassiererin für den Broterwerb. Doch die Literatur, die eigene Schreibe, war schon immer da. Die Sehnsucht dafür schlummert in ihr, seit sie in der Schule die ersten Buchstaben-Gehversuche machte. „Man wird keine Autorin, man ist es“, meint sie. „Das war schon in meiner Kindheit immer besser als Fernsehschauen“, sagt die 53-Jährige schmunzelnd. Sie ist auch Vizepräsidentin der Regensburger Schriftstellergruppe International (RSGI).

Weichart schreibt poetische Tagebücher, Essays, Geschichten und Lyrik. Aber erst 2014 erscheint ihr Debütroman „Wolkenfisch“ (das Cover ziert ein Bild des Regensburger Malers und Bürgermeisters Jürgen Huber), in dem sie ihr Leben beschreibt, ihren Traum von Italien, das Land, das sie in Begegnungen entdeckt. Ein Lyrikband („Flüsterkuss“) entsteht und wird veröffentlicht, eine Geschichte von ihr erscheint in „Eiskalte Verbrechen“ (Fehnland-Verlag). Jetzt also die Beschreibung eines Paradieses, das vor allem zwischen den Zeilen sein volles Volumen erreicht.

Und man sollte sich davor hüten, den Roman auf einen Rutsch durchzulesen. „Es sind schon ein paar skurrile Gestalten in der Geschichte“, sagt Weichart unbestimmt und lächelt. Das Kuckucksnest-Universum voller Geschichten und Gedanken, das Weichart und das Leben gemeinsam schreiben, entsteht in einer Ecke in ihrem Wohnzimmer auf dem PC. Rechts neben ihr das signierte Bild von Sigmund Freund, wachsam begleitet von Kater Morpheus, der auf der Fensterbank zwischen Gartenblick und dem Blick auf die Kreativität wechselt.

Wie eine Kaffeemaschine

Dort zwischen einer Retro-Lavatischlampe und einem Schrank-Sammelsurium, das von einer chinesischen Winkekatze über wollene Trolle, Spielzeugroboter und kleine Hexenfiguren reicht, tippt sich Weichart in fremde und doch so bekannte Welten. Lyrik und Belletristik entsteht in den Morgenstunden.

„Ich bin Frühaufsteherin“, meint sie. „Bei mir funktioniert das wie bei einer Kaffeemaschine. Man gießt oben etwas ein und schaut zu, was passiert. Dabei kann schon das eine Geschichte sein.“
Und sie ist eine Intensivschreiberin. „Ich habe einen inneren Kippschalter, wenn der auf ON steht, bin ich mittendrin und da stört mich drumherum gar nichts mehr.“ Diesen Schalter hat sie seit „Kuckucksparadies“ öfters auf der An-Position, noch vor Weihnachten wird der Kurzgeschichtenband „Nehmen Sie doch mal mich“ erscheinen, Band 2 von „Nehmen Sie doch mal mich“ ist in Vorbereitung.

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