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Kultur
Montag, 18. Dezember 2017 3

Werkschau

Mal differenziert, mal klischeehaft

Der Neuen Kunstverein präsentiert Installationen, Fotos und Objekte von Mavi Garcia – eine Herausforderung für Besucher.
von Gabriele Mayer, MZ

„Der Mensch frisst die Natur, verstellt die Zeiger ihrer Uhr“ (aus dem Gedicht zum abgebildeten Arrangement „Entzweit“ von 2016) .Foto: Haimerl-Brosch

Regensburg.Mavi Garcia ist Spanierin, Jahrgang 1975, lebt aber seit Langem in Norddeutschland. Für den Neuen Kunstverein hat sie ein Ensemble von Objekten und kleinen Installationen kombiniert.

Sie sei eine die Gesellschaft und die Verhaltensweisen der Menschen beobachtende Künstlerin, erklärte Reiner R. Schmidt bei der Einführung zur Ausstellung. Mavi Garcia fordert ihr Publikum auf sensible Weise zur Stellungnahme und zum Überdenken mancher Verhaltensweisen und Zustände auf. Man könnte ihre Arbeiten auch als visuelle Essays oder hintersinnige Kommentare bezeichnen.

Beispiel: ein Gartenstuhl. An den Seiten sind zwei große Räder angebracht. Aber wenn man sich auf ihn setzt und die Räder dreht wie bei einem Rollstuhl, bewegt sich der Gartenstuhl dennoch nicht. Sie habe manchmal das Gefühl, sagt die Künstlerin erklärend, dass alles in Bewegung sei, aber man doch nicht vorwärtskomme, sondern in Wahrheit stillstehe.

Daneben hängen zwei große Schwarzweiß-Fotos, die beinahe dasselbe zeigen, obwohl das eine um Jahrzehnte älter ist als das andere. Auf beiden Bildern sehen wir eine Braut in Weiß, die aus einem Auto steigt: ähnliche Haltung, ähnliches Outfit, ähnliches Lächeln. Hat sich also nichts geändert in Sachen Ehe. Und sollte man das dann als Glück bezeichnen oder als etwas Bedauerliches? Die Interpretation bleibt offen.

Ein verstörendes Experiment

In einer Ecke: ein riesiger Haufen mit geschredderten Dokumenten. Darauf liegt ein lebensgroßer, schlafender Plastik-Affe. Wir könnten ihn auch für einen Menschen halten, der sich von der Bürokratie hat betäuben und einschläfern lassen. Vier weitere Fotos zeigen eine junge Frau vor einer Waschmaschine beziehungsweise eine Reihe von Kochtöpfen. Man kann das als einen Hinweis auf Bodenständigkeit deuten oder aber als Versinken im täglichen Kleinkram, der einem über den Kopf wächst.

Die Künstlerin Mavi Garcia

Eine sinnfällige Performance von Mavi Garcia ist in der Schau dokumentiert. Bei dieser Performance hatten sich Leute blind, mit Tüchern vor den Augen, zunächst gegenseitig gefüttert, waren dann aber zunehmend aggressiv geworden – ein Beispiel dafür, dass man anderen Gutes tun will, aber blind ist für seine Bedürfnisse und nur sein eigenes Bedürfnis nach dem Guten und Richtigen ausagieren will, egal wie es ankommt?

Zur Person: Mavi Garcia

  • Anfang

    Mavi Garcia, in Malaga geboren, lebt und arbeitet in Düsseldorf und Aachen D ie Künstlerin begann ihre Laufbahn im Jahr 2002 mit der Foto-/Audio-Installation „draußen“ im Franziskanerkloster Düsseldorf. Im Jahr 2008 war die gebürtige Spanierin in Personalunion Projektleiterin und Fotografin für ein Kunstprojekt von Stephan Kaluza (London).

  • Titel

    Wir Helden“ ist die Ausstellung von Mavi Garcia im Neuen Kunstverein betitelt. Zu sehen sind Fotografien, Videos, Installationen und per Bild dokumentierte Performances.

Boxhandschuhe, in ihrer Innenfläche liegt ein rohes Ei. Das wird schwierig werden für das Ei. Die Künstlerin deutet es so, dass wir letztlich immer alles mit Boxhandschuhen bewehrt anfassen. Zu den Werten, die sie vertritt, gehören Bescheidenheit und Haltung – das ist selten, da horcht man erfreut auf.

Gefühlvoll schwebend

Die Arbeiten von Mavi Garcia wirken nicht holzschnittartig, scheinen gefühlvoll über einschichtigen Deutungen zu schweben, was schön ist. Andererseits erschließt sich manches jedoch erst, wenn es von der Künstlerin erklärt wird. Dann ist der Reiz, den es ausübt, nicht ausgearbeitet genug, um ihre bisweilen differenzierten, manchmal aber auch einfach nur klischeehaften Überlegungen in entsprechender Weise auszudrücken.

Bis zum 6. Mai im Neuen Kunstverein, Schwanenplatz 4, Do-Fr 16-19 Uhr, Sa 12-15 Uhr.

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