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Kultur
Freitag, 22. September 2017 21° 2

Bühnen

Misstrauen ist ein schreckliches Monster

Intrige à trois: Das Freie Künstler Ensemble zeigt im W1 erstmals „HoneymoonSuite“ des Regensburger Autors, Regisseurs und Schauspielers Armin Kind.
Von Hannes Eberhardt, MZ

Das Ensemble: Anna Isabelle Günther, Katherina Bryant und Jessica Schilling mit Lars Smekal Foto: FKE

Regensburg.Zettel mit Aufschriften wie „Stuhl“, „Bücherregal“, „Bad“, „Bett“ und „Tür“ kleben auf diversen Kartons und Gegenständen auf der Bühne. Das Bett ist eine Luftmatratze am Boden, ein Duschvorhang ist die Tür zum Hotelzimmer. Die spartanische Dekoration sieht nach Unordnung und Chaos aus, nicht nach der Einrichtung einer Honeymoon-Suite in einem schicken Sterne-Hotel.

Tatsächlich handelt es sich auch eher um eine Absteige auf dem Land mit einem Kondomautomaten, der leider nur Kleingeld nimmt. Nacheinander bringt Lobby-Boy Ted (Lars Smekal) drei Damen ins Zimmer und wundert sich. Drei Frauen werden zur selben Zeit zum selben Treffpunkt gelotst und jede verlangt vom armen Pagen absolute Diskretion. Was sie miteinander verbindet, finden sie irgendwann heraus. Sie teilen sich einen Mann: Frederick (Armin Kind). Das Mauerblümchen Annika (Anna Isabelle Günther) ist mit ihm verlobt, Vamp Jennifer (Katherina Bryant) ist seine Frau und Charlotte ist seine Domina (Jessica Schilling).

Die Spannungskurve bleibt oben

Immer, wenn eine gerade im Badezimmer ist oder Essen bestellt, schmieden zwei von den dreien intrigante Pläne, um sich gegenseitig aus dem Weg zu räumen. Der Zickenkrieg nimmt dabei einen nicht ganz ungefährlichen Lauf voller Eifersucht, Beilagensalat, vergiftetem Sekt, explodierenden Glühbirnen und einer versteckten Kamera. Diese bietet sich dann auch schon sehr als des Rätsels Lösung an, als Freddy tatsächlich noch aufkreuzt und die ganze Geschichte in einem langen Monolog aufklärt.

Der Plot ist dadurch zwar relativ durchschau- und vorhersehbar, jedoch schafft es der Autor, eine durchgehende Spannung mit immer wieder unerwarteten Ereignissen aufzubauen, sodass der Zuschauer gebannt auf seinem Sitz gefesselt ist.

Der Regisseur, Autor und Schauspieler Armin Kind gibt mit „HoneymoonSuite“ sein Bühnendebüt und erzählt eine Geschichte um die Macht der Intrigen und des Misstrauens. Letzteres kann zum tödlichen Monster mutieren. Wie das Vertrauen verloren geht, das kann man an den Frauen beobachten, die ihre missliche Lage erkennen und Schlüsse daraus ziehen.

Aufführungen bis Dezember

Mit „HoneymoonSuite“ verwirklicht das Freie Künstler Ensemble seinen Wunsch, innovativen Ideen und neuen Autoren zu mehr Aufmerksamkeit zu verhelfen und eine Plattform für Künstler zu sein, die ihre Erfahrungen und Wünsche in einem Kollektiv zusammenbringen. Im letzten Jahr brachte das Ensemble Uli Brées „Amaretto“ auf die Bühne (noch am 11. Oktober im W1), mit Armin Kind in der Rolle eines Eheversagers. Die Rolle im aktuellen Stück ist da thematisch gar nicht weit weg.

Mit Unterstützung des W1 ist es dem Freien Künstler Ensemble nun gelungen, das Flair einer Berliner Off-Bühne nach Regensburg zu holen. Respekt – und bitte mehr davon!

Weitere Vorstellungen gibt es am 20. und 21. November und 4. und 5. Dezember, jeweils um 19.30 Uhr im Theatersaal des W1 - Zentrum für junge Kultur, Weingasse 1; Karten unter (09 41) 507-50 50

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