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Kultur
Sonntag, 21. Januar 2018 10

Konzert

Mit der Nussschale ins Wunderland

Der nahezu hundertköpfige A-Cappella-Chor verwandelt das Audimax zwei Stunden lang in ein Märchenland.
von Peter Geiger

Ein fast einhundertköpfiger Chor: die Jazznuts Foto: Geiger

Regensburg.Wer‘s lieber eindeutig mag, sollte vielleicht nicht hingehen, zu den „Jazznuts“. Aber wer erwartet solches schon – angesichts eines Projekts, dessen zweiter Wortbestandteil sich mit „Nüsse“ ebenso gut übersetzen lässt wie mit „Verrückten“? Verrät also, kurz gesagt, nicht gerade diese Doppeldeutigkeit, dass wahre Leidenschaft viel mehr verlangt als Treue zu einem Genre allein? Wer Musik wirklich ernst nimmt, muss Distanz halten, zum Wesenskern ebenso wie von allzu engen Grenzziehungen. Insofern also ist auch die Bezeichnung der „Jazznuts“ als „A-Cappella-Chor“ ein bisschen mit Vorsicht zu genießen: Denn die engagierten Laien, allesamt aus der universitären Sphäre, agieren keineswegs durchwegs ohne musikalische Begleitung, in mehr oder minder regelmäßigen Ausnahmefällen greift Chorleiter Uli Groeben zur akustischen Gitarre oder auch in die Keyboard-Tasten. Und wenn’s hoch kommt, dann kommt der Sound auch mal als Playback aus der Konserve. Diesen Geist des Uneindeutigen und – ja: Exaltierten! – atmet auch das musikalische Programm: Da folgt auf den Opener, auf die alte Robbie Williams-Schote „Let me entertain you“, das alpin grundierte „Übern See“ von Lorenz Maierhofer. Da steht eine Goethe-Ballade („Der König von Thule“) neben „Shut up and dance“, dem 2014er Hit von „Walk the Moon“. Und da begegnen einander so disparate Größen wie die Märchenfigur Mary Poppins und Schock-Rocker Alice Cooper oder das italienische A-Cappella-Sextett „Neri per Caso“ und die klassischen Hardrocker „Aerosmith“. Durchwegs überzeugend freilich ist die Performance des Chors: Da stimmen nicht nur sämtliche Einsätze – jedem Zuhörer ist klar: Was für ein gewaltiges Instrument Chorleiter Uli Groeben da zur Verfügung steht. Diese hundert Stimmen, sie sind nicht nur eine Riesenorgel, sie sind auch ein gewaltiger musikalischer Farbkasten, über deren Einsatzkräfte und Lautstärke er als Dirigent bestimmen darf. Am eindrucksvollsten freilich gelingt die Vorführung dieser Kompetenzen mit „Bohemian Rhapsody“: Der Queen-Klassiker entfaltet sich hier in achtstimmiger Pracht – und weil die „Jazznuts“ in diesem Fall auch gänzlich auf ihre A-Cappella-Kompetenz setzen, läuft im Kopf des Zuhörers gewissermaßen eine zweite Tonspur ab, die die Synopse ermöglicht und Brian Mays königliches Gitarrensolo als imaginäre Zugabe einspielt. Aber das Hase- und Igelrennen um den wahren Wesenskern der „Jazznuts“, es geht noch in eine weitere, entscheidende Runde: Denn thematisch eingebettet ist dieser sehr sehr bunte Liederkranz in das titelgebende „Wunderland“-Konzept. Das heißt: Alle Sänger und Sängerinnen tragen Kostüme, verwandeln sich in Hasen und Schmetterlinge, in Zwerge, Elfen und Einhörner, in Könige und Prinzessinnen – und bilden dabei zugleich das Personal einer Party- und Hochzeitsgesellschaft, die – als Zwischeneinlagen – den Mord an Dornröschen nicht nur zu beklagen, sondern auch aufzuklären hat. In diesem erweiterten Märchenkonzept haben aber auch Figuren Platz wie ein weiblicher Sherlock Holmes (sehr präsent: Kristin Frauenhoffer), die Schöne, das Biest – und ein Gärtner. Der aber erweist sich nur auf den ersten Blick als Mörder. Wer kommt auch auf den Gedanken, dass bei den „Jazznuts“ alles eindeutig wäre?

Am Samstagabend ab 20 Uhr gibt’s nochmal die Gelegenheit, diesem ganz und gar vieldeutigen Chor beizuwohnen. 8 Euro an der Abendkasse, ermäßigte Karten zum Preis von 5 Euro.

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