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Kultur
Freitag, 18. August 2017 28° 2

Krimi

Mit Kluftinger die Gipfel stürmen

Der Kult-Kommissar ermittelt in Regensburg. Autor Michael Kobr weiß, warum alle Welt einen stinknormalen Grantler feiert.
Von Marianne Sperb, MZ

Volker Klüpfel (links) und Michael Kobr erklimmen mit ihrem Kult-Kommissar einen Gipfel nach dem anderen. Foto: FinePic Helmut Henkensiefken

Regensburg.Kluftinger, der ewig grantige Kriminalhauptkommissar aus Kempten ist ein stinknormaler Spießer und vielleicht gerade deshalb so überzeugend. In 14 Jahren und neun Büchern hat der Beamte, der Kässpatzen liebt und technischen Schnickschnack hasst, eine erstaunliche Karriere erlebt, die ihn bis in die Höhen der deutschen Kulturpreislandschaft führte. Im Februar ermittelt Klufti in Regensburg. Vorab erzählt Michael Kobr, der den Kommissar zusammen mit Volker Klüpfel erschaffen hat, über einen Loser auf dem Gipfel der Beliebtheit – ein Gespräch aus Kluftingers Sicht.

Kommissar Kluftinger, Sie ermitteln am 15. Februar in Regensburg. Welcher Fall führt Sie an die Donau?

Es wird, relativ unregensburgerisch, um tote Bergsteiger in den Alpen gehen. Der Hintergrund: Mein Intimfeind Dr. Langhammer hatte mich zu einer E-Bike-Tour überredet – und da stolperten wir glatt über drei Leichen. Der Fall ist ja unter dem Titel „Himmelhorn“ im September bei Droemer und Knaur öffentlich geworden.

Zu „Himmelhorn“, Kluftingers neuem Fall: Sehen Sie hier ein Video.

Sie sind ein ziemlicher Unsympath – grantig, unsensibel, maßlos und egoistisch. Wie kommt einer wie Sie mit sich klar?

Also bittschön, ich bin ehrlich und gradaus. So ist man bei uns im Allgäu. Und außerdem bin ich bescheiden, ehrlich, bodenständig, treu, akribisch und ein echter Familienmensch.

Sie überführen Verbrecher und lösen komplizierte Fälle. Haben Sie auch herausgefunden, warum ein Typ wie Sie derart erfolgreich ist?

Ich bin halt nicht mainstream. Das kommt an bei den Menschen. Denken Sie an Franz-Josef Strauß, der gesagt hat: Everybodys darling ist everybodys Depp. Ich bin der unaufgeregte, normale Typ. Ich sag’, was ich meine. Und deshalb bin ich eine Identifikationsfigur. Als ich meinen ersten Fall bekam, gab es um mich herum lauter Ermittler mit Macken, mit psychischen Störungen und so. Ich bin vielleicht eher der Spießer, obwohl ich mich wenig um Konventionen schere.

Im Grunde sind Sie ja ein Zweiwesen, erschaffen von zwei Vätern: den Autoren Volker Klüpfel und Michael Kobr. Welchen der beiden mögen Sie lieber?

Beide gleich wenig! Schließlich haben mir beide eingebrockt, dass ich seit inzwischen 14 Jahren anstrengende Fälle lösen und durch halb Europa touren muss. Dabei tät’ ich viel lieber daheim bei mir im Sessel sitzen.

Bei allem, was man über Sie liest, machen Sie nicht den Eindruck, sehr hell zu sein. Woher kommen Ihre Ideen für die Ermittlungsarbeit?

Ich bin im Alltag möglicherweise auf den ersten Blick mindermäßig begabt – aber im Job hochprofessionell. Ich mach’ das ja schließlich schon eine Weile.

Michael Kobr, einer der beiden Schöpfer von Kommissar Kluftinger Foto: Daeumer Binzer

Herr Kommissar, Sie sind ein Gewohnheitstier. Sie essen am liebsten Kässpatzen und wollen ansonsten Ihre Ruhe. Gibt’s da noch Veränderungspotential?

Naja, ich bin nach neun Büchern als Kluftinger schon relativ determiniert. Natürlich können mich Klüpfel und Kobr noch steuern, aber ich hab’ inzwischen ein recht stabiles Eigenleben entwickelt.

Ihre Auftritte erinnern nur entfernt an das, was man sich unter einer Lesung vorstellt. Die Abende sind eher eine Operation am offenen Zwerchfell. Die Lesung in Regensburg trägt den Titel: Achtung Lesensgefahr. Worauf muss sich das Publikum im Antoniushaus einstellen?

Es wird einerseits um die toten Bergsteiger in den Alpen aus dem Krimi „Himmelhorn“ gehen, andererseits auch um die 1980er Jahre, wie sie das Buch „In der ersten Reihe sieht man Meer“ beschreibt: Erinnerungen an Urlaubs-Traumata am Teutonengrill an der Adria, inklusive Badehosen-Beweisfotos. Achtung: Das kann unappetitlich werden! Aber jedenfalls erlebt das Publikum keine Wasserglas-auf-Tisch-Lesung. Die Rampensau darf ’raus. Alles andere wär’ ja langweilig.

Sie und Ihr Intimfeind Dr. Langhammer sind ein fest verbandeltes Duo, genau wie Ihre Väter Klüpfel und Kobr, die sich ja schon seit Schulzeiten kennen. Funktioniert so eine Beziehung auf Dauer ohne Kämpfe?

Also, so weit ich das beobachten kann: Klüpfel und Kobr schlagen sich jetzt nicht mehr, aber sie streiten schon immer wieder mal. Aber das gemeinsame Ziel, mich gut durch meine Kriminalfälle zu bringen, eint sie dann doch. Die Konflikte funktionieren auch als kreativer Motor.

Klüpfel und Kobr kommen sich auf dem Buchdeckel ganz nah – wie viel Nähe praktizieren die Autoren im echten Leben?

Im Moment bereiten die zwei gerade einen gemeinsamen Skiurlaub mit ihren Familien vor. Man muss sie also nicht prügeln, damit sie zusammen Zeit verbringen. Ansonsten halten sie auch Abstand und sehen sich gar nicht so oft: Klüpfel wohnt ja in Kempten, Kobr in Memmingen.

Der Ton in den Büchern klingt nicht zwei-, sondern erstaunlich einstimmig. Wie funktioniert das Stereoschreiben über Sie?

Klüpfel und Kobr skypen immer vormittags, besprechen die Plots und Szenen, schreiben getrennt und schicken sich die Texte dann zu.

Herr Kommissar, Sie jagen nicht nur Verbrecher, sondern treiben sich auch im Fernsehen, in Videos, im Theater, auf Lesetouren, sogar in Brettspielen und auf Wanderkarten herum. Wie kommt das?

Vieles ergibt sich halt aus dem ganzen Kluftinger-Kosmos um mich herum. Vor ein paar Jahren ist zum Beispiel mein Kluftinger-Kochbuch erschienen – weil ich gern esse und weil es noch kein schön gemachtes Allgäuer Kochbuch gab.

Eindrücke von einer Kluftinger-Tour im Allgäu: Hier im Video.

Sie verraten das Kässpatzen-Rezept?

Ja, auch das für Schweinebraten und Krautkrapfen. Der Vegetarier, der abnehmen will, wird in dem Buch jedenfalls kaum fündig.

Was bringt Ihr nächster Fall?

Details sind noch nicht bekannt – aber es wird eine spektakuläre Sache. Klar: Wir sprechen vom zehnten Buch im 15. Kluftinger-Jahr, ein Jubiläum!

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