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Kultur
Donnerstag, 14. Dezember 2017 4

Literatur

Mit Witz durch die Widrigkeiten

Ronja von Rönne stellte in Regensburg im Orphée „Heute ist leider schlecht. Beschwerden ans Leben“ vor.
Von Curd Wunderlich, MZ

Die Autorin Ronja von Rönne spricht bei der Verleihung der Grimme Online Awards 2017 in Köln. Foto: Henning Kaiser/dpa

Regensburg.Mit ihrem unkonventionellen, oft provokativen Schreibstil zu allerlei Themen – von vermeintlich und tatsächlich schwierigen Lebenssituationen bis hin zu Hochpolitischem – trifft sie den Nerv ihrer Fans. Die Rede ist von Ronja von Rönne, einer 25-jährigen, früh sehr erfolgreichen Bloggerin, Schriftstellerin und Kolumnistin, letzteres vor allem für die „Welt am Sonntag“.

Die Autorin stellte am Mittwochabend eine ganze Reihe wortgewaltiger Texte aus ihrem neuen Buch „Heute ist leider schlecht. Beschwerden ans Leben“ im Hotel Orphée in Regensburg vor. Das Publikum war sehr durchmischt: Rönne-Gleichaltrige füllten die Reihen, aber auch ältere Semester – eingefleischte Rönne-Fans genauso, wie Interessierte, die erstmal nicht viel mehr als den Titel des Buches kannten. Sie hatte vielleicht auch von Rönnes Auftritt bei der ARD-Wahlsendung „Überzeugt uns!“ Ende August angelockt, mit dem der öffentlich-rechtliche TV-Sender Jungwähler an die Urnen ziehen wollte. Die Sendung lief sehr chaotisch ab, insbesondere von Rönne musste für ihren Moderationsstil viel Kritik –auch weit unter der Gürtellinie – einstecken, für den sie sich im Nachhinein entschuldigte.

Unerwartbar unpolitisch

Einer von Rönnes großen Pluspunkten auf der Bühne ist, dass sie ihr Publikum für sich gewinnt, ohne offensichtlich darauf aus zu sein. Das funktioniert sogar, wenn sie wie in Regensburg von vielen ihrer Zuhörer gar nicht gesehen wird, weil sie nicht erhöht auf einem Podest sitzt.

Im Orphée blieb Ronja von Rönne komplett unpolitisch. Das war nicht unbedingt erwartbar bei der jungen Autorin, die sich in ihren Kolumnen für große deutsche Wochenzeitungen auch mit sehr politischen Themen beschäftigt. Einige davon haben es in ihr neues Buch geschafft; unter anderem erklärt sie, warum man nicht die „höchst unsympathische“ AfD wählen sollte.

„Heute ist leider schlecht“ ist ein Sammelsurium von Rönnes gelungensten Kolumnen, Blogeinträgen aus ihrem „Sudelheft“ und neuen Texten. In Regensburg hielt sich die gebürtige Berlinerin, die in Oberbayern aufgewachsen ist, an eine überlegte Dramaturgie: Mit kleinen Umwegen zeichnete sie den Weg eines Paars vom ersten Date bis zum Zusammenziehen und Möbelkauf bei Ikea nach.

„Sagen Sie Ihr Date ab, schließlich haben Sie jetzt jemanden gefunden, der genauso tickt wie Sie.“

Ronja von Rönne

Gleich mit ihrem ersten Text bei der Lesung traf von Rönne den Nerv ihrer Zuhörer: Sie hatte neun „phantastische Tipps gegen Schüchternheit“ vor dem ersten Treffen parat. Demnach solle man Konversation vor dem Spiegel üben und sich dabei in sich selbst verlieben. „Sagen Sie Ihr Date ab, schließlich haben Sie jetzt jemanden gefunden, der genauso tickt wie Sie“, ist von Rönnes ultimatives Fazit. Wenn man sich dann doch trifft, sollte man beim ersten Dinner nur über die vorherige Beziehung sprechen. Es helfe schließlich über Themen zu reden, „mit denen man sich auskennt“.

In diesem Video bekommen Sie einen kleinen Einblick von Ronja von Rönnes Lesungen:

Mit Schwänken aus ihrem noch jungen, aber bewegten Leben würzte von Rönne den Abend: Von kruden Kindheitserinnerungen, die die Integration im oberbayerischen Grassau nicht unbedingt erleichterten (Parteigründung des Vaters mit zwei Mitgliedern: ihm selbst und Ronjas Mutter), bis hin zu schwierigen Zeiten in München (600 Euro Miete für ein Kellerzimmer am Stadtrand).

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