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Kultur
Montag, 25. September 2017 19° 3

Oper

Nibelungen leicht gemacht: Ein Spiel voll Witz und Farbe

Der Cantemus-Chor sang und tanzte den kindgerechten „Kleinen Ring“ im Regensburger Stadttheater.
Von Gerhard Dietel, MZ

Aus den Nibelungen wurden im „Kleinen Ring“ Robotrolle mit Bildschirmen statt Köpfen. Foto: Melanie Flemme

Regensburg.Wo Richard Wagner für die Erzählung seines „Ring des Nibelungen“ volle vier Abende braucht, da reichen beim „Kleinen Ring“, der jetzt in Regensburg uraufgeführt wurde, 90 Minuten. An den Handlungssträngen des „Rheingold“ und des „Siegfried“ orientiert sich dessen Librettistin Birgit Müller-Wieland und vermeidet in ihrer kindgerechten „Märchen“-Version allzu Drastisches. Weder gibt es bei ihr einen Drachentod noch eine „Götterdämmerung“, an deren Stelle die Abdankung eines Märchenkönigs samt Hofstaat tritt.

Ein Geist der Leichtigkeit trägt Birgit Müller-Wielands Fassung des Stoffs „für den Nachwuchs“, die zugleich in der technisierten Welt von heute ankommt, wenn Wagners Alberich zum roboterhaften Troll „Alpha-Strich“ mutiert. Mit einfachen Knittelversen führt sie die kindlichen Akteure und Zuschauer in Wagners Mythenwelt ein, auch wenn manche Pointe ihrer Bearbeitung nur von dem genossen werden kann, der mit dem Original-Musikdrama vertraut ist.

Die vom Publikum im Regensburger Stadttheater anhaltend beklatschte Premiere des „Kleinen Rings“ bildet den Höhepunkt der Feiern zum hundertjährigen Bestehen der städtischen Sing- und Musikschule. Deren hochmotivierte Zöglinge bestreiten unter der musikalischen Leitung von Matthias Schlier die Aufführung: der Cantemus-Chor auf der Bühne, das Sinfonieorchester des Instituts, um einige Philharmoniker-Zusatzkräfte verstärkt, im Graben. Der Komponist Jan Müller-Wieland hat versucht, zum „Kleinen Ring“ eine kindergerechte, dabei nicht zu simple Musik zu schreiben, die sich vielfältiger Idiome bedient. Differenzierte Instrumentalfarben vernimmt der Zuhörer, ein paar fetzige Rhythmen und akzentuierte Sprechgesänge, bei tumultuöseren Szenen Klänge der neueren Musik, häufig aber auch nur minimalistisch gewebte Hintergrund-Klangtapeten. Nicht immer entgeht hier die Komposition der Gefahr der Blässe und der Monotonie, etwa bei der von einem endlosen Ostinato begleiteten Drachenszene.

Leben gewinnt der „Kleine Ring“ vor allem durch die Einfälle Rebecca Rosenthals (Regie) und der für Bühne und Kostüme verantwortlichen Anika Söhnholz. Glitzerbunt und verspielt, fantasievoll und witzig geht es in ihrer Inszenierung zu. Computerbildschirm auf dem Kopf und Tastatur im Nacken tragen die als Nibelungen-Ersatz fungierenden „Robotrolle“, die Riesen erscheinen als Rugby-Spieler, der Waldvogel als Fußballschiedsrichter mit Trillerpfeife: Schier endlos wäre die Liste der weiteren hübschen Kostüm- und Bild-Einfälle. Für einen Extra-Schmunzler ist gesorgt, wenn statt Walhall im Bühnenhintergrund das Regensburger Thurn-und-Taxis-Schloss auftaucht.

Die intensive Probenarbeit, die der Aufführung vorausging, hat reiche Frucht getragen. Nicht nur die singenden und tanzenden Chorgruppen bewegen sich so selbstverständlich, als wären sie schon immer auf der Bühne zuhause, sondern auch die zahlreichen meist erwachseneren Einzeldarsteller, deren Namen hier aus Platzgründen leider nicht einzeln aufgeführt werden können. Hinter allem leichtgewichtigen Märchenspiel deutet sich schließlich sogar eine sanfte Moral des Stücks an: Macht auszuüben oder böse zu sein, ist für den Menschen auf die Dauer zu anstrengend, und beides führt, als schlimmste Folge, zur Vereinsamung.

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