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Kultur
Freitag, 28. Juli 2017 25° 2

Odeon-Konzert

Nicht nur technisch souverän

Klavier-Senkrecht-starter Jan Lisiecki und das Toronto Symphony Orchestra begeistern das Publikum im Audimax.
Von Gerhard Dietel, MZ

Erhielt schon viele renommierte Auszeichnungen: der kanadische Pianist Jan Lisiecki (22) Foto: Mathias Bothor

Regensburg.Weitgereiste Gäste erlebt das Odeon-Publikum beim Saison-Abschlusskonzert: das Toronto Symphony Orchestra gastiert im Rahmen einer Tournee aus Anlass der kanadischen Staatsgründung vor 150 Jahren auch im Regensburger Audimax. In Riesenbesetzung präsentiert sich der Klangkörper den am Ende anhaltend applaudierenden Zuhörern und verwöhnt sie mit opulenter, bildkräftiger Musik. Das beginnt bereits mit der gute Laune verbreitenden „Carnival Overture“ des im heutigen Tschechien geborenen, später nach Kanada emigrierten Oskar Morawetz: mal putzmunter auftretend, mal melodiös schmachtend wirft sie mehr als einen Blick hinüber zur Filmmusik.

Unter dem raumgreifenden, doch stets elegant bleibenden Dirigat von Peter Oundjian erweist sich das Orchester aus Toronto als geschmeidig steuerbare Präzisionsmaschine: Perfekt ist, wie beim zugegebenen „Nimrod“ Edward Elgars der Klang auf kleinstem Raum dynamisch zum Höhepunkt gesteigert und gleich wieder ins Piano zurückgeführt wird.

Ebenso klar disponiert ertönt das Hauptwerk des Abends, Nikolai Rimsky-Korsakows sinfonische Suite „Scheherazade“. Als orientalische Fantasie ertönt sie, die im breiten Erzählstrom „Sindbads Schiff“ schildert und mit prickelnden Klängen wie mitreißenden Rhythmen ein „Fest in Bagdad“ feiert. Dazwischen gibt es delikate Arabesken zahlreicher solistisch hervortretender Instrumente, allen voran die Violine des ersten Geigers Jonathan Crow, der die Titelfigur Scheherazade porträtiert.

Eigentlicher Solist des Abends ist jedoch der in Kanada geborene Jan Lisiecki, der heute 22-jährige Pianisten-Senkrechtstarter, der einst als neunjähriges Wunderkind debütierte. Er begeistert die Zuhörer mit seiner ebenso technisch souveränen wie musikalisch durchdachten Gestaltung des Klavierparts in Robert Schumanns a-Moll-Konzert.

Um die zwei Seelen in seiner Brust, die Schumann einst entdeckte, den feurigen Florestan und den introvertierten Eusebius, scheint Lisieckis Interpretation zu kreisen. Träumerisch und versonnen, im Tempo äußerst zurückgenommen intoniert Lisiecki das schwärmerische Hauptthema des Kopfsatzes, schlägt aber bald schon einen forscheren Ton an und drängt mächtig vorwärts.

Doch nicht als völlig gespaltene Person will er den Komponisten Schumann vorführen. Da gibt es immer wieder Stellen, wo sich schwungvolles Vorangehen mit kleinen Stockungen, sozusagen Momenten des Bedenkens mischt – wie in der Solokadenz des anfänglichen „Allegro affetuoso“. Viel Applaus erhält Lisiecki nach dem die pianistische Brillanz noch steigernden Finale, und auch hier gib es eine Zugabe: Chopins c-Moll-Nocturne op. 48/1.

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