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Kultur
Dienstag, 26. September 2017 21° 1

Oper

„Perlenfischer“: Interpreten in Hochform

Dirigent Sébastien Rouland und sein Ensemble vom Münchner Staatstheater präsentieren eine bewundernswerte Aufführung.
Von Gerhard Heldt, MZ

Die umschwärmte Tempelpriesterin: In der Aufführung „Die Perlenfischer“ überzeugt Jennifer O’Loughlin als „Leïla“.Foto: Thomas Dashuber

München.Das Staatstheater am Gärtnerplatz soll in diesem Jahr in sein rundum erneuertes Stammhaus zurückkehren. Während der Wanderjahre wurde die Reithalle so etwas wie das Stamm-Ausweichquartier, wo man etliche bewundernswerte Aufführungen erleben konnte: nach dem fulminanten „King Arthur“ von Henry Purcell nun in halbszenisch-konzertanter Aufführung mit Projektionen und phantasievollem Beleuchtungswechseln Georges Bizets Jugendwerk „Die Perlenfischer“ (in der Originalsprache mit deutschen Übertiteln).

Der Inhalt ist überschaubar: Auf Ceylon hatten sich einst der Fischer Zurga und der Jäger Nadir geschworen, der Liebe zu der von beiden umschwärmten Leïla zu entsagen und in inniger Freundschaft verbunden zu bleiben. Diese hat als Tempelpriesterin, die über die Sicherheit der Perlenfischer wacht, Keuschheit geschworen. Als Nadir aus seinem selbst gewählten Exil zu den Fischern zurückkehrt, hört er Leïlas Stimme, beide werden ein Paar und zum Tode verurteilt. Zurga erkennt in Leïla das Mädchen, das ihm einst das Leben rettete, legt Feuer im Fischerdorf und ermöglicht so den Liebenden die Flucht.

Außerordentliches Erlebnis

Mit vier herausragenden Solisten, alle aus dem hauseigenen Ensemble, dem fesselnd zupackenden wie sensibel begleitenden Orchester und dem in allen Belangen ausgezeichnet agierenden Opernchor, verstärkt durch den Extrachor, gelang ein außerordentliches Erlebnis.

Das ist zunächst dem Dirigenten Sébastien Rouland zu danken, der souverän mit exakter Zeichengebung und Verve die Interpreten zu Höchstleistungen anspornte. Man hat Bizet nach der Uraufführung Nähe zu Verdi vorgeworfen, die in der Tat, was die Orchesterbehandlung und die Gesamtarchitektur der Oper angeht, unüberhörbar ist. Der Dirigent bremst Blech und Schlagwerk (Pauken, große und kleine Trommel, Triangel, Tamburin und Becken), von Bizet prächtig in Szene gesetzt, nicht ein, und zaubert mit dem Orchester ein ums andere Mal frappierende Steigerungen, hart zupackende Rezitativ-Einwürfe sowie wunderbar sanfte Übergänge.

Der weitere Vorwurf, dem sich der Komponist ausgesetzt sah, rückte ihn in die Nähe zu Wagner – auch das ist nicht falsch, denn die berühmte Musik des Freundschaftsduetts zwischen Zurga und Nadir, die bekannteste Nummer der Oper, durchzieht das Werk wie ein Leit- oder Erinnerungsmotiv, erhellt die psychologischen Hintergründe und Zusammenhänge.

Solisten mit reichlich Erfahrung

Intendant Josef Köpplinger, der in Regensburg in bester Erinnerung ist, da er am Theater eine gute Operetten- und Musical-Schule durchlaufen hat, hat sein Münchner Haus wohl bestellt: Die vier Solisten des Abends, allesamt jung und mit viel – auch internationaler – Erfahrung, gestalten den Abend auf einem Niveau, das den Vergleich mit der Staatsoper nicht zu scheuen braucht. Jennifer O’Loughlin muss man inzwischen zu den führenden lyrischen Koloratursopranistinnen zählen. Sie glänzt mit weit geschwungenen lyrischen Kantilenen, runden Spitzentönen und akkuraten Koloraturen bis in höchste Höhen.

Ihr Tenor-Partner ist der Rumäne Lucian Krasznec, jugendlich lyrisch mit kernig-sicherer Höhe. Seinen Freund und zugleich Widerpart Zurga gestaltet der Kavalierbariton Mathias Hausmann vital mit großer Intensität. Levente Páll gibt den Dorfältesten Nourabad mit sonorem, klug eingesetztem Bass.

Eine musikalisch derart überzeugende Produktion darf nicht nach drei konzertanten Aufführungen vom Spielplan verschwinden. Sie fordert die Bühne, die szenische Realisierung! Und die sollte sich im neuen Gärtnerplatztheater baldmöglichst verwirklichen lassen. Die Solisten sind am Haus – worauf also noch warten?

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