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Kultur
Samstag, 22. Juli 2017 30° 2

Album

Philharmonisches Ohrenkino von Mutzke

Sänger mit Orchester – das kann auch schiefgehen. Doch bei Max Mutzke ist es eine neue, geglückte Erfahrung.
Von Michael Scheiner, MZ

Max Mutzke ist neugierig auf Neues. Foto: Sonymusic/Soulkitchen GmbH

Lässig steht er mit überkreuzten Beinen auf einer alten Stahlträgerbrücke. Die Schiebermütze, sein Markenzeichen, trotzt dem eleganten Dreiteiler. In einer Hand eine Reisetasche, Zeitung in der anderen. In Hamburg, wo das coole Coverfoto von Max Mutzke geschossen wurde, hat der Soulsänger sein neues Album mit der Radiophilharmonie des NDR produziert. Es ist ein Aufbruch in unbekanntes Terrain, will uns das Bild sagen. Eine Reise, die den aus dem Süden der Republik stammenden Musiker in den kühleren Norden geführt hat. Herausgekommen ist eine neue, geglückte Erfahrung, die sich bereits im Titel widerspiegelt. „Experience“, Mutzkes achte Album, beinhaltet sowohl die Vorsicht gegenüber dem Neuen, als auch die Neugier auf Ungewohntes, auf neue Erlebnisse und Eindrücke.

Lieblingslieder mit großem Orchester

Auf zu neuen Ufern: Max Mutzke auf dem Cover von „Experience“ Foto: Sonymusic/Soulkitchen GmbH

Lust sich auf etwas einzulassen, das außerhalb von Routine und vertrauter Praxis liegt, ist für den 35-Jährigen aus dem Schwarzwald wichtig zum Leben. Das hat er bereits vor einigen Wochen bei seinem ersten Auftritt in der Region, im Lappersdorfer Aurelium, vor einer begeisterten Meute deutlich zum Ausdruck gebracht. In Hannover, wo im Januar zwei Konzerte mit dem Orchester mitgeschnitten worden sind, hatte er dagegen achtzig Musiker hinter sich. Mit ihnen hat er 16 seiner Lieblingslieder, wie er im Booklet schreibt, in neuen Arrangements gesungen und live aufgenommen.

Eine solche Erfahrung mit klassischem Orchester ist der Traum vieler Musiker, vom Star bis zum trällernden Sternchen, vom intellektuellen Jazzer bis zur Chanteuse. In der Praxis gehen dergleichen Unternehmungen manchmal schief, wenn sich dann herausstellt, dass Songs nur wenig Substanz haben oder eine Stimme auf einmal flach und leer klingt. Bei Mutzke undenkbar, ist doch gerade sein leidenschaftliches Soulorgan, mit dem er mühelos mehrere Oktaven durchpflügt, sein stärkstes Pfund.

Einfallsreichtum, spielerische Freude und eine pfiffige Energie

Dazu kommt, dass viele seiner Lieder – Fans würden sagen, die meisten – musikalisch und auch textlich, von den Lyrics her, durchaus Gehalt aufweisen. Mutzke hat mit „Unsere Nacht“, dem pathetischen „Hier bin ich Sohn“ und anderen Songs tatsächlich etwas zu sagen. Häufig etwas, das mit ihm zu tun hat, das aber auch darüber hinausgeht und – manchmal erst beim zweiten Hören erkennbar – gesellschaftlich relevante Themen streift.

Überzeugende Arrangements, stimmliche Klasse

Das hat dem Dirigenten Enrique Ugarte, der auch die meisten Arrangements geschrieben hat, die Arbeit mit dem erfolgreichen und sympathischen Sänger sicher einfacher gemacht. Verstärkt durch Mutzkes zurückhaltend groovende Rhythmus-gruppe, strahlt das Album mit den überzeugenden und durchgehend schlüssigen Orchesterarrangements Einfallsreichtum, spielerische Freude und eine pfiffige Energie aus.

Dass er dabei auch zwei Covers, den süffigen Billy-Paul-Hit „Me and Mrs. Jones“ und das sparsam arrangierte „Creep“ von Radiohead mit aufs Album genommen hat, zeichnet ihn aus. Hier stellt er seine stimmliche Klasse noch einmal strahlend unter Beweis. Großes Kino für eine große Stimme!

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